Hypertriglyzeridämie

Bei einer Hypertriglyzeridämie werden erhöhte Triglyzeridwerte im Blut gemessen, die ein Indikator für den gesamten Fett- und Zuckerstoffwechsel sind. Triglyzeride bestehen zum Großteil aus freien Fettsäuren und sind ein wichtiger Teil der zirkulierenden Blutfette.  Wenn neben den Triglyzeriden auch die Cholesterinwerte zu hoch sind, besteht unter Umständen ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Neben genetischen Ursachen spielt die Ernährung und die Lebensweise eine große Rolle bei der Entstehung einer Hypertriglyzeridämie.

Willkommen auf den Seiten der Deximed-Patienteninformationen!

Unsere Patienteninformationen in laiengerechter Sprache stehen Ihnen auch ohne ein Abonnement zur Verfügung.

Sind Sie Arzt? Dann testen Sie unsere Experteninformationen 30 Tage lang kostenlos.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin – ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

30 Tage kostenlos testen!

Was ist eine Hypertriglyzeridämie?

Bei einer Hypertriglyzeridämie werden erhöhte Triglyzeridwerte im Blut gemessen, die ein Indikator für den gesamten Fett- und Zuckerstoffwechsel sind. Triglyzeride bestehen zum Großteil aus freien Fettsäuren und sind ein wichtiger Teil der zirkulierenden Blutfette. Wenn neben den Triglyzeriden auch die Cholesterinwerte zu hoch sind, besteht unter Umständen ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Neben genetischen Ursachen spielt die Ernährung und die Lebensweise eine große Rolle bei der Entstehung einer Hypertriglyzeridämie.

Triglyzeride sind ein wichtiger Teil der zirkulierenden Blutfette. Andere Lipide sind Cholesterin, Phospholipide und Fettsäuren. Chemisch gesehen ist ein Triglyzerid ein Molekül aus Glyzerin und drei Fettsäuren. Triglyzeride werden im Darm aus der Nahrung aufgenommen und als sogenannte Chylomikronen (etwas größere Fettteilchen) im Blut zur Leber hin transportiert. Beim Abbau der Chylomikronen in der Leber werden die Triglyzeride in freie Fettsäuren und Glyzerin umgewandelt. Freie Fettsäuren können als Energielieferant für die Muskeln verwendet oder im Fettgewebe gespeichert werden. Die Fettsäuren können zu Ketonkörpern abgebaut werden, eine Umwandlung in Glukose (Zucker) ist jedoch nicht möglich. Andersherum kann der menschliche Organismus jedoch Fettsäuren aus Zuckermolekülen (Glukose und Fruktose) herstellen. 

Nüchtern-Werte über 200 mg/dl gelten als erhöht. Bei sehr hohen Werten über 800 mg/dl besteht die Gefahr, dass sich die Bauchspeicheldrüse entzündet. So hohe Werte treten jedoch nur bei einer genetischen Veranlagung in Kombination mit einer ungesunden Ernährungsweise und ggf. erhöhtem Alkoholkonsum auf. 

Sind nur die Triglyzeride erhöht, besteht noch aktuellen Erkenntnissen keine Gefahr für Herzkranzgefäß-Erkrankungen (KHK) oder für Schlaganfälle. Häufig sind jedoch parallel die Cholesterinwerte erhöht, dann sollte immer individuell das Risiko für Herzkreislauferkrankungen bestimmt und möglicherweise eine Therapie erwogen werden. Siehe auch hier den Artikel Hypercholesterinämie

Die Ernährung spielt eine wichtige Rolle bei der Hypertriglyzeridämie, die Triglyzeridwerte sind stark nahrungsabhängig. Daher muss vor einer Bestimmung beim Arzt auch immer eine mindestens 16 Stunden lange Nüchternphase ohne Essen und ohne Alkoholkonsum eingehalten werden. Fettreiche Ernährung und auch insbesondere kohlenhydratreiche Nahrung kann zu einer Hypertriglyzeridämie führen. Neue Forschungen sehen hier vor allem einen Zusammenhang mit der Fruktose (Fruchtzucker), die industriellgefertigten Nahrungsmitteln und vor allem Softdrinks in großen Mengen zugesetzt wird. Die Menge an Fruktose in Obst ist dagegen meist unbedenklich, gesüßte Limonaden und Fruchtsäfte sind aber nur in Maßen zu genießen.

Auch wenn die Triglyzeride alleine für das Herzkreislaufrisiko ein untergeordneter Risikofaktor sind, so sind sie doch ein Indikator für die generelle Stoffwechselgesundheit. Das Auftreten von Übergewicht durch vermehrte Fetttspeicherung im Fettgewebe und ebenso die vermehrte Fettspeicherung in der Leber (Fettleber) stehen in Zusammenhang mit der Hypertriglyzeridämie. Da die Leber das zentrale Stoffwechselorgan ist, liegt ein Zusammenhang mit dem Entstehen von weiteren Fettstoffwechselstörungen (Cholesterin) und Zuckerstoffwechselsstörungen (Insulinresistenz, Diabetes mellitus) nahe. 

Treten erhöhte Triglyzeride in Kombination mit erhöhten Werten für Cholesterin und LDL-Cholesterin sowie ggf. erniedrigten Werte für HDL-Cholesterin auf, spricht man manchmal vom metabolischen Syndrom.  Diese Konstellation an Blutfetten geht mit einem erhöhten Risiko für Herzkreislauferkrankungen einher und sollte daher behandelt werden. Sind Ernährungsumstellungen und vermehrte Bewegung nicht ausreichend, wird Ihnen Ihr Arzt möglicherweise ein Statin empfehlen, das dieses Risiko senken kann. 

Wichtig ist immer das Gesamtrisiko bestehend aus:

  • Blutfetten, insb. Cholesterinwerten
  • erhöhtem Blutdruck
  • Diabetes mellitus
  • Rauchen
  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • familärer Veranlagung
  • psychosozialen Stressfaktoren.

Häufigkeit

Etwa 1 bis 2 % der Bevölkerung leiden an einer kombinierten Fettstoffwechselstörung mit erhöhten Triglyzerid- und Cholesterinwerten und haben ein erhöhtes Risiko für Herzkreislauferkrankungen. 

Seltener treten isolierte Hypertriglyzeridämien auf. Für die Entstehung einer Bauchspeicheldrüsenentzündung aufgrund sehr hoher Triglyzeride müssen immer mehrere Faktoren zusammenkommen; meist genetische Veranlagung mit falscher Ernährung und hohem Alkoholkonsum. 

Ursache

Primäre Hypertriglyzeridämien: Genetische Ursachen spielen eine Rolle, zudem eine ungünstige Ernährung und zu hoher Alkoholkonsum.

Sekundäre Hypertriglyzeridämien: treten auf bei Diabetes mellitus, Adipositas aber auch Anorexia nervosa und Bulimie, Schwangerschaft, Schilddrüsenunterfunktion, Leber- und Nierenerkrankungen und bei der Einnahme bestimmter Medikamente. 

Eine Hypertriglyzeridämie tritt häufig zusammen mit anderen Lipidstörungen auf.

 

Symptome

Bei Hypertriglyzeridämie treten meist keine Symptome auf; bei sehr hohen Werten kann allerdings eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung (akute Pankreatitis) entstehen – oft mit Symptomen in Form von schweren akuten Bauchschmerzen.

Eine schwere Hypertriglyzeridämie kann auch zu sogenannten Xanthomen (Fetteinlagerungen in der Haut in Form von Knötchen) und gelblichen Handlinien führen.

Diagnostik

Die Diagnose erfolgt durch Messung der Triglyzeride im Blut. Wichtig ist hier die strikte Nahrungs- und Alkoholkarenz für 16 Stunden vor der Blutabnahme, da sonst zu hohe Werte gemessen werden. 

Darüber hinaus nimmt der Arzt in der Regel mehrere andere Blutuntersuchungen vor, um den allgemeinen Gesundheitszustand zu klären. Besonders wichtig ist es, die Werte der verschiedenen Arten von Cholesterin zu bestimmen (Gesamtcholesterin, HDL-Cholesterin und LDL-Cholesterin) sowie den Blutzucker zu messen, um festzustellen, ob ein Diabetes vorliegt. Auch Schilddrüsen-, Leber- und Nierenwerte sollten kontrolliert werden.

Behandlung

Das Behandlungsziel ist es, den Triglyzeridspiegel zu senken und, wenn vorliegend, andere Risikofaktoren zu behandeln, um damit auch das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verringern.

Veränderungen der Ernährung und der Lebensweise sind das Wichtigste bei der Behandlung. Für Menschen mit Diabetes ist eine gute Einstellung des Blutzuckerwertes von großer Bedeutung. Wenn möglich, sollten sich Betroffene viel bewegen. Jede Art körperlicher Bewegung ist besser als keine körperliche Bewegung. Rauchen und hohe Triglyzeridwerte sind in unterschiedlicher Weise schädlich für das Herz, und Sie sollten daher auf jeden Fall versuchen, mit dem Rauchen aufhören.

Eventuelle zugrunde liegende Erkrankungen sollten zuerst behandelt werden, zum Beispiel ein Diabetes oder eine Schilddrüsenunterfunktion.

Es sollte stets mit Ernährungsveränderungen und mehr Bewegung begonnen werden, bevor eine Behandlung mit triglyzeridreduzierenden Medikamenten eingeleitet wird. Es wird geschätzt, dass eine Gewichtsabnahme von 5–10 % die Triglyzeride um mindestens 20 % senkt. Vermindert man die Verwendung von Zucker und Fruchtzucker (Fruktose) kann das Niveau um weitere 20 % gesenkt werden.

Liegt ein erhöhtes Risiko für Herzkreislauferkrankungen vor und die Änderung von Ernährung und Bewegung hat nicht den gewünschten Effekt erbracht, kann über die Einnahme eines Statins diskutiert werden. Statine haben einen positiven Einfluss auf Erkrankung und Sterblichkeit an Herzkreislauferkrankungen. Alle anderen triglyzeridsenkenden Medikamente (Fibrate, Nikotinsäure, Omega-3-Fettsäuren) haben diesen Vorteil nicht zeigen können. Zudem haben sie häufig schwerwiegende Nebenwirkungen. Aus diesem Grunde sollte auch auf die Kombination von Medikamenten zur Triglyzeridsenkung verzichtet werden. 

Prognose

Isolierte Hypertriglyzeridämien sind kein alleiniger Risikofaktor für Herzkreislauferkrankungen. Im Rahmen einer kombinierten Hyperlipidämie mit Hypercholesterinämie steigt jedoch das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung mit steigenden Triglyzerid- und Cholesterinwerten.

Es ist nicht nachgewiesen, dass die Behandlung einer Hypertriglyzeridämie allein das Risiko für die Sterblichkeit reduziert. Hypertriglyzeridämien sind somit immer im Rahmen des Gesamtrisikos für Herzkreislauferkrankung und -sterblichkeit zu sehen, wobei dem Gesamtcholesterin und LDL-Cholesterin eine wesentlich wichtigere Bedeutung zukommt.

Davon abzugrenzen ist die gut gesicherte Rolle der Triglyzeride für das Pankreatitisrisiko sowie die zunehmend erforschte Bedeutung im Rahmen der Adipositasentstehung und der Entwicklung einer Fettleber, die sekundär zu einem gestörten Fett- und Zuckerstoffwechsel inklusive Hypercholesterinämie und Insulinresistenz beitragen können. Die Hypertriglyzieridämie kann somit als ein Indikator für die generelle Stoffwechselsituation aufgefasst werden.

Weitere Informationen

Autoren

  • Caroline Beier, Dr. med., Fachärztin für Allgemeinmedizin, Hamburg

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Hypertriglyzeridämie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Brunzell JD. Hypertrigylceridemia. N Engl J Med 2007; 357: 1009-17. PubMed
  2. Expert Panel on Detection, Evaluation, and Treatment of High Blood Cholesterol in Adults. Third report of the National Cholesterol Education Program (NCEP) expert panel on detection, evaluation, and treatment of high blood cholesterol in adults (Adult Treatment Panel III) - executive summary. May 2001. www.nhlbi.nih.gov
  3. Robert Koch-Institut. Gesundheit A–Z, Berlin 2014. Gesundheitsberichterstattung: Fettstoffwechselstörungen. Daten und Fakten www.rki.de
  4. Deutsche Gesellschaft für Fettwissenschaft e.V. Praktische Hinweise zu Diagnostik und Therapie von Fettstoffwechselstörungen. www.dgfett.de
  5. Sweeney MET. Hypertriglyceridemia. Medscape. Last updated May 30, 2014. http://emedicine.medscape.com/article/126568-overview. emedicine.medscape.com
  6. Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. Therapieempfehlung Fettstoffwechselstörungen, Fassung 2012. www.akdae.de
  7. Jürgens H et al. Consuming fructose-sweetened beverages increases body adiposity in mice. Obes Res. 2005 Jul;13(7):1146-56 www.ncbi.nlm.nih.gov
  8. Abdelmalik M et al. INCREASED FRUCTOSE CONSUMPTION IS ASSOCIATED WITH FIBROSIS SEVERITY IN PATIENTS WITH NAFLD. Hepatology. 2010 Jun; 51(6): 1961–1971. doi: 10.1002/hep.23535 www.ncbi.nlm.nih.gov
  9. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM). Leitlinie: Hausärztliche Risikoberatung zur kardiovaskulären Prävention. S3, Stand 2017. www.degam.de
  10. Oh RC, Lanier JB. Management of hypertriglyceridemia. Am Fam Physician 2007; 75: 1365-71. PubMed
  11. Miller M, Stone NJ, Ballantyne C, et al. Triglycerides and cardiovascular disease: A scientific statement from the American Heart Association. Circulation 2011; 123: 2292-333. www.ncbi.nlm.nih.gov
  12. Nordestgaard BG, Varbo A. Triglycerides and cardiovascular disease. Lancet. 2014 ;384(9943):626-35. doi: 10.1016/S0140-6736(14)61177-6 DOI
  13. Assmann G, Schulte H, Eckardstein A. Hypertriglyceridemia and elevated lipoprotein (a) are risk factors for major coronary events in middle-aged men. Am J Cardiol 1996; 77: 1179-84. PubMed
  14. Hokanson JE, Austin MA. Plasma triglyceride level is a risk factor for cardiovascular disease independent of high-density lipoprotein cholesterol level: a meta-analysis of population-based prospective studies. J Cardiovasc Risk 1996; 3: 213-9. PubMed
  15. Ballantyne CM, Olsson AG, Cook TJ et al for the Scandinavian Simvastatin Survival Study (4S) Group. Influence of low high-density lipoprotein cholesterol and elevated triglyceride on coronary heart disease events and response to simvastatin therapy in 4S. Circulation 2001; 104: 3046-51. circ.ahajournals.org
  16. Secondary prevention by raising HDL cholesterol and reducing triglycerides in patients with coronary artery disease: the Benzafibrate Infarction Prevention (BIP) Study. Circulation 2000; 102: 21-7. www.ncbi.nlm.nih.gov
  17. Zambon A, Brown BG, Deeb SS, Brunzell JD. Genetics of apolipoprotein B and apolipoprotein AI and premature coronary artery disease. J Intern Med 2006; 259: 473-80. PubMed
  18. Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Hyperlipidämien bei Kindern und Jugendlichen, Diagnostik und Therapie. S2k. AWMF-Leitlinie Nr. 027-068, Stand 2015 www.awmf.org
  19. Ellingsen I, Hjermann I, Abdelnoor M, Hjerkinn EM, Tonstad S. Dietary and antismoking advice and ischemic heart disease mortality in men with normal or high fasting triacylglycerol concentrations: a 23-y follow-up study. Am J Clin Nutr 2003; 78: 935-40. PubMed
  20. Hunninghake DB, Stein EA, Bays HE, Rader DJ, Chitra RR, Simonson SG, et al. Rosuvastatin improves the atherogenic and atheroprotective lipid profiles in patients with hypertriglyceridemia. Coron Artery Dis 2004; 15: 115-23. PubMed
  21. McKenney J. New perspectives on the use of niacin in the treatment of lipid disorders. Arch Intern Med 2004; 164: 697-705. PubMed
  22. Studer M, Briel M, Leimenstoll B, Glass TR, Bucher HC. Effect of different antilipidemic agents and diets on mortality: a systematic review. Arch Intern Med 2005; 165: 725-30. PubMed
  23. GISSI-Prevenzione Investigators. Dietary supplementation with n-3 polyunsaturated fatty acids and vitamin E after myocardial infarction: results of the GISSI-Prevenzione trial. Lancet 1999; 354: 447-55. PubMed
  24. Balk E. Effects of omega-3 fatty acids on cardiovascular risk factors and intermediate markers of cardiovascular disease. Rockville, Md.: Agency for Healthcare Research and Quality, 2004. www.ncbi.nlm.nih.gov
  25. Toskes PP. Hyperlipidemic pancreatitis. Gastroenterol Clin North Am 1990; 19: 783-91. www.ncbi.nlm.nih.gov
  26. Freiberg JJ, Tybjærg-Hansen A, Jensen JS, Nordestgaard BG. Nonfasting triglycerides and risk of ischemic stroke in the general population. JAMA 2008; 300: 2142-52. www.ncbi.nlm.nih.gov