Diabetes insipidus

Diabetes insipidus ist eine seltene Erkrankung, typisch ist die Ausscheidung großer Mengen von nicht konzentriertem Urin – viele Liter pro Tag – und damit vermehrter Durst. Ansonsten ist der Urin normal.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Was ist Diabetes insipidus?

Hypophyse, Normalzustand (Farbe)

Die Störung wird hauptsächlich abhängig von der Ursache in zwei Gruppen eingeteilt: neurogener Diabetes insipidus oder nephrogener Diabetes insipidus.

Neurogener Diabetes insipidus

Neurogen bedeutet in diesem Fall „ausgehend vom Gehirn“. Die Erkrankung beruht auf dem Mangel an antidiuretischem Hormon (ADH). Dieses Hormon wird in der Hypophyse im Gehirn (siehe Bild) produziert. ADH reguliert unter anderem den Wasserhaushalt des Körpers, indem es die über die Nieren ausgeschiedene Flüssigkeitsmenge steuert.

Die Ursachen des neurogenen Diabetes insipidus sind oft nicht bekannt, aber es besteht eine gewisse Tendenz zur Vererbung. Man kann diese Störung der ADH-Produktion auch durch Schäden an der Hypophyse oder benachbarten Teilen des Gehirns entwickeln, wie bei der Langerhans-Zell-Histiozytose.

Nephrogener Diabetes insipidus

Nephrogen bedeutet „ausgehend von den Nieren“. Bei dieser Variante ist ADH in normalen Mengen vorhanden, die Nieren reagieren jedoch nicht wie gewünscht auf das Hormon.

Die Ursachen des nephrogenen Diabetes insipidus können erblich sein. Aber auch Verletzungen oder chronische Erkrankungen der Nieren können zu dieser Form des Diabetes insipidus führen.

Symptome

Die Symptome beginnen mit starkem Durst, der oft relativ schnell auftritt. Dies führt zu einer gesteigerten Flüssigkeitsaufnahme, häufig viele Liter – es gibt Berichte von bis zu 20 Liter am Tag – und entsprechend vermehrtem Wasserlassen. Die große Flüssigkeitszufuhr kann zu Störungen des Salzhaushalts im Blut führen, und es kann zu Krämpfen oder Zuckungen des Körpers kommen.

Diagnostik

Die Anamnese sorgt meistens für Klarheit. Wenn der Allgemeinarzt diese Störung vermutet, wird er Sie an einen Facharzt überweisen. Dort erfolgen an einem oder mehreren Tagen verschiedene Messungen der Urinproduktion und der Urinkonzentration. Zusätzlich werden mehrere Blutuntersuchungen durchgeführt. Bei Verdacht auf eine neurogene Ursache wird außerdem eine MRT der Hypophyse durchgeführt

Behandlung

Leichtere Fälle können manchmal durch eine einfache Reduktion der Flüssigkeitszufuhr kontrolliert werden. Viele Betroffene benötigen allerdings eine medikamentöse Behandlung. Dabei wird das fehlende ADH durch ein künstlich hergestelltes Präparat ersetzt, das fast identisch mit ADH ist. Die Verabreichung erfolgt am einfachsten als Nasenspray oder Lutschtablette. Es handelt sich hier um eine lebenslange Behandlung, die Behandlung ist aber einfach durchzuführen und hat praktisch keine Nebenwirkungen. Wenn die Ursache eine Nierenerkrankung ist, sind andere Medikamente indiziert, dies wird aber zusammen mit einem Spezialisten für Nierenerkrankungen (Nephrologen) abgeklärt.

Prognose

Die Prognose ist abhängig von der Ursache, aber im Allgemeinen hat die Krankheit eine gute Prognose. Mithilfe von Medikamenten und einer guten ärztlichen Betreuung können die meisten Patienten ein normales Leben führen.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Günter Ollenschläger, Professor für Innere Medizin, Uniklinikum Köln
  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Diabetes insipidus. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Diabetes insipidus neurohormonalis. AWMF-Leitlinie Nr. 027-031, Stand 2011. www.awmf.org
  2. Khardori R. Diabetes insipidus. emedicine.medscape, 10.4.2014. emedicine.medscape.com
  3. Diabetes insipidus, zentraler. Das Portal für seltene Krankheiten und Orphan Drugs. Dr. Stefano Ghirardello, letzte Aktualisierung: Juli 2012. www.orpha.net
  4. Diabetes insipidus, nephrogener. Das Portal für seltene Krankheiten und Orphan Drugs. Pr. Patrick Niaudet, letzte Aktualisierung: Februar 2007. www.orpha.net
  5. Flückiger A. Diabetes insipidus. Pharma-Kritik 1999; 21(3). www.infomed.ch
  6. Christensen JH, Rittig S. Familial neurohypophyseal diabetes insipidus--an update. Semin Nephrol 2006; 26:209. PubMed
  7. Strom TM, Hortnagel K, Hofmann S, et al. Diabetes insipidus, diabetes mellitus, optic atrophy and deafness (DIDMOAD) caused by mutations in a novel gene (wolframin) coding for a predicted transmembrane protein. Hum Mol Genet. 1998; 7: 2021. PubMed
  8. Diabetes Insipidus. Channing Hui; Jared M. Radbel.March 29, 2019. www.ncbi.nlm.nih.gov
  9. LADR- Der Laborverbund. Durstversuch und Desmopressin-Test. ladr.de
  10. Diabete insipidus. Infobroschüre für Patientinnen und Patienten.Netzwerk Hypophysen- und Nebennierenerkrankungen e.V. www.glandula-online.de