Schilddrüsenentzündung, subakute

Die subakute Schilddrüsenentzündung (Thyreoiditis de Quervain) ist die häufigste Form der schmerzhaften Schilddrüsenentzündung. In der Regel heilt die Krankheit innerhalb weniger Monate ab.

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Was ist eine subakute Schilddrüsenentzündung?

Bei einer subakuten Schilddrüsenentzündung handelt es sich um eine relativ plötzlich (subakut) auftretende Entzündung der Schilddrüse (Thyreoidea). Diese Drüse reguliert den Stoffwechsel im Körper, indem sie das Hormon Thyroxin produziert und ins Blut abgibt. Durch eine erhöhte Thyroxinausschüttung wird der Stoffwechsel beschleunigt und die Aktivität aller Organe erhöht sich, bei einer reduzierten Menge an Thyroxin werden alle Körperfunktionen verlangsamt. Fachsprachlich wird diese Form der Schilddrüsenentzündung als subakute granulomatöse Thyreoiditis bezeichnet. Eine andere Bezeichnung ist Thyreoiditis de Quervain. Es handelt sich um eine meist selbstlimitierende (von selbst heilende) Entzündung der Schilddrüse, die höchstwahrscheinlich auf eine Virusinfektion zurückzuführen ist. Die Erkrankung verläuft in drei Phasen:

  1. In der ersten Phase ist der Stoffwechsel in der Regel vorübergehend erhöht, da die Schilddrüse große Mengen an eingelagertem Thyroxin abgibt. Es liegt also eine Hyperthyreose (Überfunktion) bzw. Thyreotoxikose vor.
  2. Die zweite Phase ist meist von niedrigem Stoffwechsel geprägt. Die Thyroxin-Lager sind geleert, und aufgrund der Entzündung ist die Produktionskapazität der Schilddrüse verringert. Es wird zu wenig Thyroxin abgegeben, also liegt eine Hypothyreose (Unterfunktion) vor.
  3. Nach einiger Zeit steigert sich die Produktion an Thyroxin wieder. Die Funktion der Schilddrüse normalisiert sich, und bei 90 % der Betroffenen normalisiert sich dadurch auch der Stoffwechsel.

Die subakute Thyreoiditis kommt relativ selten vor und betrifft vor allem Frauen in jungen und mittleren Jahren; sie ist bei Frauen 3,5-mal so häufig wie bei Männern.

Ursachen

Die Erkrankung entsteht wahrscheinlich aufgrund einer Virusinfektion, die Wissenschaftler haben aber noch kein bestimmtes Virus eindeutig als Ursache ausmachen können. Offenbar können viele verschiedene Viren diese Erkrankung auslösen. Die Erkrankung entsteht oft nach einer Infektion der oberen Atemwege, meist bei Personen mit bestimmten genetisch bedingten Veränderungen und am häufigsten im Sommer oder Herbst. Es entsteht eine in der Mehrheit der Fälle selbstlimitierende entzündliche Erkrankung, die zwischen wenigen Wochen und vielen Monaten andauert.

Symptome

Die Erkrankung hat einen Verlauf mit drei Phasen: Zunächst kommt es zu einer vorübergehenden Thyreotoxikose, dann zu einer Hypothyreose und danach bei über 90 % der Betroffenen zu einer Normalisierung der Schilddrüsenfunktion. Die erste Phase ist mit Schmerzen im Bereich der Schilddrüse und allgemeinen Beschwerden verbunden. Bei manchen Betroffenen treten nur leichte, vorübergehende Symptome auf. Bei anderen kommt es zu einem schwereren Verlauf mit ausgeprägten allgemeinen Symptomen wie Abgeschlagenheit, Fieber und Schmerzen an der Halsvorderseite, wo sich die Schilddrüse befindet, die mit Schluckbeschwerden verbunden sind und häufig bis in die Ohren ausstrahlen.

In der ersten Phase mit erhöhtem Stoffwechsel spüren Betroffene unter Umständen außerdem Herzklopfen, Zittern, Hitzewallungen und sind besonders „aufgedreht". In der zweiten Phase mit geringem Stoffwechsel ist alles verlangsamt, viele Betroffene frieren leicht, werden schnell müde, und alles läuft sozusagen auf Sparflamme. Diese zweite Phase kann bei einzelnen Betroffenen zwischen 4 und 6 Monate lang anhalten. Die Funktion der Schilddrüse normalisiert sich bei den meisten Betroffenen spontan im Lauf von 6–12 Monaten. Nur bei 5 % der Betroffenen entwickelt sich ein dauerhaft niedriger Stoffwechsel. Bei ca. 2 % kommt es zu einem Rückfall der Krankheit.

Diagnostik

Die Diagnose ist anhand der typischen Krankengeschichte oft recht einfach zu stellen. Dazu kommt, dass die Schilddrüse beim Abtasten meist schmerzt und berührungsempfindlich ist. In der Blutuntersuchung zeigen sich normalerweise eine beschleunigte Blutsenkungsgeschwindigkeit und erhöhte CRP-Werte (Blutwerte, die auf eine Entzündung hindeuten). In der ersten Phase lässt sich bei vielen Patienten ein erhöhter Wert an Thyroxin und ein verringerter Wert an TSH messen (TSH ist das Hormon, das die Produktion der Schilddrüsenhormone reguliert). In der zweiten Phase ist es umgekehrt: Der Thyroxin-Wert wird niedrig, der TSH-Wert hoch. Im Verlauf der Krankheit und zur Bestätigung einer Abheilung wird der Arzt mehrmals die Schilddrüsenhormone im Blut bestimmen.

Zur Abgrenzung gegenüber einer Schilddrüsenkrankheit, die durch eine Autoimmunkrankheit bedingt wird (Hashimoto-Thyreoiditis), wird der Arzt oft bestimmte Autoantikörper im Blut bestimmen; diese sind bei der subakuten Thyreoiditis bei der Mehrheit der Patienten nicht oder nur vorübergehend nachzuweisen (bei der Autoimmunthyreoiditis aber vorhanden).

Möglicherweise erfolgt zudem eine Biopsie mit Gewebeuntersuchung; diese zeigt ein typisches Bild mit sogenannten Riesenzellen. In unklaren Fällen kann auch eine Schilddrüsenszintigrafie zum Einsatz kommen.

Meist sind keine weiteren Untersuchungen mehr erforderlich.

Behandlung

Das Ziel der Behandlung ist die Linderung der Symptome. Dafür kommen Schmerzmittel zum Einsatz, unter Umständen auch Kortison und möglicherweise ein Mittel zur Senkung der Herzfrequenz (Betablocker). In manchen Fällen kann es notwendig sein, Medikamente gegen die Überfunktion (Thyreostatika) oder auch die Unterfunktion (Thyroxin) vorübergehend zu geben, falls die Patienten starke entsprechende Symptome zeigen.

Prognose

Die Erkrankung dauert zwischen einigen Wochen und mehreren Monaten. In einigen Fällen erreicht sie bereits nach 3–4 Tagen ihren Höhepunkt und ist nach einer Woche vorbei. Typischer aber ist, dass die Beschwerden über 1–2 Wochen zunehmen, dann mit schwankender Intensität über 3–6 Wochen anhalten, bevor die Normalisierung einsetzt.

Die subakute Thyreoiditis heilt in der Regel bei ca. 90 % der Betroffenen spontan aus. Bei ca. 5–10 % kann wegen einer fortbestehenden Unterfunktion der Schilddrüse eine dauerhafte Einnahme von Thyroxin erforderlich werden.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Medizinjournalistin, Bremen
  • Günter Ollenschläger, Prof. Dr. Dr. med., Internist, Uniklinikum Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Thyreoiditis, subakute granulomatöse. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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