Schilddrüsenentzündung (Thyreoiditis)

Bei der Thyreoiditis handelt es sich um eine Entzündung der Schilddrüse (Thyreoidea), die unterschiedliche Ursachen und Verläufe (akute, subakute und chronische) haben kann.

Willkommen auf den Seiten der Deximed-Patienteninformationen!

Unsere Patienteninformationen in laiengerechter Sprache stehen Ihnen auch ohne ein Abonnement zur Verfügung.

Sind Sie Arzt? Dann testen Sie unsere Experteninformationen 30 Tage lang kostenlos.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin – ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

30 Tage kostenlos testen!

Was ist die Schilddrüse?

Schilddrüse (Thyreoidea)

Die Schilddrüse ist eine wichtige Hormondrüse des menschlichen Körpers. Sie befindet sich am Hals direkt unterhalb des Kehlkopfs und vor der Luftröhre. Die Schilddrüse produziert die Hormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3). Ihre hauptsächliche Funktion besteht in der Regulierung des Körperstoffwechsels mithilfe der genannten Hormone. 

Thyreoiditis

Die Thyreoiditis ist eine häufige Schilddrüsenerkrankung. Es handelt sich um eine Entzündung der Schilddrüse, die unterschiedliche Ursachen und Verläufe haben kann:

  • Sie kann auf Autoimmunreaktionen beruhen, das heißt, die körpereigene Abwehr greift die Zellen in der Schilddrüse an. Man unterscheidet verschiedene Untergruppen von Autoimmun-Entzündungen der Schilddrüse:
    • Die häufigste ist die sogenannte Hashimoto-Thyreoiditis, eine chronische Schilddrüsenentzündung, die in Deutschland heutzutage die häufigste Ursache der Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) ist. Oft verläuft die Erkrankung unbemerkt über Jahre, insbesondere wenn noch keine oder nur eine milde Schilddrüsen-Unterfunktion besteht. Die Hashimoto-Thyreoiditis kann außerdem von anderen Autoimmunerkrankungen begleitet werden, z. B. vom Typ-1-Diabetes mellitus.
    • Eine ähnliche Form ist die langsam verlaufende, lymphozytäre Thyreoditis, die die gleichen Antikörper aufweist, jedoch in niedrigerem Titer, meist unbemerkt verläuft und in der Regel folgenlos ausheilt. Es kommt eine Phase der Unterfunktion vor, die einige Monate anhalten kann, dann aber von alleine wieder in die Normalfunktion zurückgeht. Hier ist die Unterscheidung zum Hashimoto wichtig, um nicht lebenslang unnötigerweise Schilddrüsenhormonpräparate einzunehmen. 
    • Auch infolge einer Schwangerschaft kann es zu einer Entzündung der Schilddrüse kommen (subakute, postpartale Thyreoiditis), diese ähnelt der  lymphozytären Thyreoiditis und klingt ebenfalls meist spontan folgenlos ab.
  • Weitere Ursachen einer Schilddrüsenentzündung können virale oder sehr selten auch bakterielle Infektionen sein.
  • Darüber hinaus kommen eine vorangegangene Bestrahlung des Halses, eine Schilddrüsenpunktion, eine Radiojodtherapie oder eine Operation, ebenso wie einige Medikamente (Amiodaron, Lithium) als Krankheitsauslöser infrage.

Frauen erkranken häufiger an Thyreoiditis als Männer.

Andererseits haben viele Menschen nachweisbare Antikörper gegen Schilddrüsengewebe im Blut, dies ist jedoch nicht gleichbedeutend mit einer Schilddrüsenentzündung. Ihr Arzt sollte immer das Gesamtbild aus Blutwerten, Sonografiebefunden und Befinden des Patienten berücksichtigen, bevor eine Therapieempfehlung gegeben werden kann. 

Symptome

Die Symptome können je nach zugrunde liegender Krankheitsursache variieren. Einige Patienten zeigen lokale Symptome wie Schwellungen und Empfindlichkeit im Halsbereich. Bei anderen kommt es zu Fieber und einem allgemeinen Krankheitsgefühl. Viele Patienten haben allerdings nur mäßige Beschwerden.

Bei vielen Patienten hat die Thyreoiditis Auswirkungen auf die Stoffwechselaktivität. In manchen Fällen lassen sich in der Frühphase erhöhte Schilddrüsenwerte im Blut nachweisen (vorübergehende Phase der Überfunktion). Dies kann zu Gewichtsverlust, Zittern, Schwitzen, Ruhelosigkeit und einem beschleunigten Puls führen. Im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf hingegen lassen sich oftmals niedrige Schilddrüsenhormonwerte im Blut feststellen (Phase der Unterfunktion). Mögliche Folgen sind unregelmäßige Menstruationszyklen, eine Tendenz zum Frieren, Heiserkeit, Verstopfung, Gelenkschmerzen und Hautschwellungen. Nicht alle Patienten bemerken eine Überfunktion und nicht alle kommen in eine Unterfunktion; viele Patienten mit einer Schilddrüsenentzündung bleiben in einer normalen Schilddrüsenfunktion, der Hashimoto neigt jedoch dazu, in eine dauerhafte Unterfunktion überzugehen. 

Diagnostik

Die Diagnosestellung erfolgt anhand von Symptomen und Blutwerten. Der Befund zeigt abweichende Werte für das Schilddrüsenhormon Thyroxin (fT4) und TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon). In Einzelfällen ist die Schilddrüse druckempfindlich. Bei einer bestimmten Variante der Thyreoiditis (subakute Thyreoiditis) kann die Blutsenkungsgeschwindigkeit erhöht sein. Die Thyroxinwerte können erhöht, niedrig oder normal sein. Bei vielen Patienten lassen sich im Blut Antikörper gegen die Schilddrüse nachweisen.

Ist der Verdacht auf eine Schilddrüsenproblematik aufgrund der Symptome und Blutwerte gestellt, sollte ein Schilddrüsenultraschall durchgeführt werden, um die einzelnen Formen der Schilddrüsenentzündung weiter zu unterscheiden und eine Prognose über den weiteren Verlauf abgeben zu können.

Therapie

Die Behandlung der Thyreoiditis richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache und den Symptomen des Patienten. Ist der Schilddrüsenhormonwert erniedrigt bzw. TSH erhöht und verursacht dies Beschwerden (Unterfunktion), werden Ihnen Thyroxintabletten verschrieben. Leiden Sie unter starkem Zittern und beschleunigtem Puls in der Phase der Überfunktion, können Sie lindernde Medikamente erhalten.

Bei einer bestimmten Form der Thyreoiditis, die mit schweren Allgemeinsymptomen einhergehen kann, kann eine Kortisongabe in Betracht gezogen werden. Vorübergehende Schmerzen oder unangenehme Empfindungen in der Schilddrüse werden mit Schmerzmitteln behandelt.

Prognose

Die Prognose ist insgesamt gut. Je nach Variante der Thyreoiditis kann der Arzt den voraussichtlichen Krankheitsverlauf vorhersagen. Viele Schilddrüsenentzündungen heilen von allein aus. Die Hashimoto-Thyreoiditis neigt jedoch dazu, in eine dauerhafte Unterfunktion überzugehen, die eine lebenslange Behandlung mit Thyroxintabletten erforderlich macht. 

Weitere Informationen

Autoren

  • Caroline Beier, Dr. med., Fachärztin für Allgemeinmedizin, Hamburg

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Thyreoiditis. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Lohnstein M, Eras J, Hammerbacher C. Der Prüfungsguide Allgemeinmedizin - Aktualisierte und erweiterte 3. Auflage. Augsburg: Wißner-Verlag, 2018.
  2. Sweeney LB, Stewart C, Gaitonde DY. Thyroiditis: An integrated approach. Am Fam Physician. 2014 Sep 15;90(6):389-396. PubMed
  3. Heufelder A.et al. Die Thyreoiditiden: Aktueller Stand der Pathogenese, Diagnostik und Therapie. Dt Ärztebl 1998; 95: A-466–476. www.aerzteblatt.de
  4. Vanderpump MP, Tunbridge WM, French JM, et al. The incidence of thyroid disorders in the community: a twenty-year follow-up of the Whickham Survey. Clin Endocrinol (Oxf). 1995;43(1):55–68. www.ncbi.nlm.nih.gov
  5. Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Autoimmunthyreoiditis. AWMF-Leitlinie Nr. 027-040. Stand 2011 www.awmf.org
  6. Roti E, Uberti Ed. Post-partum thyroiditis—a clinical update. Eur J Endocrinol. 2002;146(3):275–279. www.researchgate.net
  7. Pearce EN, Farwell AP, Braverman LE. Thyroiditis. N Engl J Med 2003; 348: 2646-55. PubMed
  8. Badenhoop K, Boehm BO. Genetic susceptibility and immunological synapse in type 1 diabetes and thyroid autoimmune disease. Exp Clin Endocrinol Diabetes. 2004;112(8):407–415. www.ncbi.nlm.nih.gov
  9. Allelein S. et al. Autoimmune Schilddrüsenerkrankungen. Der Internist 2017; Ausgabe 1/2017, 47-58. www.springermedizin.de
  10. Stagnaro-Green A. Clinical review 152: postpartum thyroiditis. J Clin Endocrinol Metab. 2002;87(9):4042–4047. academic.oup.com
  11. Martino E, Bartalena L, Bogazzi F, Braverman LE. The effects of amiodarone on the thyroid. Endocr Rev 2001;22:240-254. PubMed
  12. Bocchetta A, Mossa P, Velluzzi F, Mariotti S, Zompo MD, Loviselli A. Ten-year follow-up of thyroid function in lithium patients. J Clin Psychopharmacol 2001;21:594-598. PubMed
  13. Lazarus JH. The effects of lithium therapy on thyroid and thyrotropin-releasing hormone. Thyroid 1998;8:909-913. PubMed
  14. Menconi F, Hasham A, Tomer Y. Environmental triggers of thyroiditis: hepatitis C and interferon-α. J Endocrinol Invest. 2011;34(1):78–84. www.ncbi.nlm.nih.gov
  15. De Lange WE, Freling NJ, Molenaar WM, Doorenbos H. Invasive fibrous thyroiditis (Riedel's struma): a manifestation of multifocal fibrosclerosis? A case report with review of the literature. Q J Med 1989;72:709-717. PubMed
  16. Fukata S, Kuma K, Sugawara M. Relationship between cigarette smoking and hypothyroidism in patients with Hashimoto's thyroiditis. J Endocrinol Invest 1996;19:607-612. PubMed
  17. Lazarus JH, Ammari F, Oretti R, Parkes AB, Richards CJ, Harris B. Clinical aspects of recurrent postpartum thyroiditis. Br J Gen Pract 1997;47:305-308. PubMed
  18. Parkes AB, Black EG, Adams H, et al. Serum thyroglobulin: an early indicator of autoimmune post-partum thyroiditis. Clin Endocrinol (Oxf) 1994;41:9-14. www.ncbi.nlm.nih.gov
  19. Hiromatsu Y, Ishibashi M, Miyake I, et al. Color Doppler ultrasonography in patients with subacute thyroiditis. Thyroid 1999;9:1189-1193. PubMed
  20. Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin e. V. (DGN). Schilddrüsenszintigraphie. AWMF-Leitlinie Nr. 031-011. S1. Stand 2014 www.awmf.org
  21. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM). Erhöhter TSH-Wert in der Hausarztpraxis. AWMF Leitlinie Nr. 053-046. S2k. Stand 2016. www.degam.de
  22. Dayan CM, Daniels GH. Chronic autoimmune thyroiditis. N Engl J Med 1996;335:99-107. New England Journal of Medicine
  23. Initative Klug entscheiden...in der Endokrinologie. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 113, Heft 17, 29. April 2016 www.dgim.de
  24. Nehls V. Selen und Selenoproteine bei Erkrankungen des Immunsystems. Immunendokrinologie. 24.06.2011 www.immunendokrinologie.de
  25. Universitätsklinik Freiburg. Praktisches Vorgehen bei thyreotoxischer Krise. www.uniklinik-freiburg.de
  26. Negro R et al. Levothyroxine treatment in euthyroid pregnant women with autoimmune thyroid disease: effects on obstetrical complications. J Clin Endocrinol Metab 2006; 91: 2587-91. www.ncbi.nlm.nih.gov
  27. Holm L-E, Blomgren H, Löwhagen T. Cancer risks in patients with chronic lymphocytic thyroiditis. N Engl J Med 1985;312:601-604. New England Journal of Medicine
  28. Paparodis Rodis, Imam Shahnawaz, Todorova-Koteva Kristina, Staii Anca, and Jaume Juan Carlos. Hashimoto's Thyroiditis Pathology and Risk for Thyroid Cancer. Thyroid. July 2014, 24(7): 1107-1114. https://doi.org/10.1089/thy.2013.0588 online.liebertpub.com