Schilddrüsenunterfunktion, latente (subklinische Hypothyreose)

Eine subklinische Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) fällt meist im Rahmen von Routineuntersuchungen durch niedrige Hormonspiegel in Bluttests auf.  Die Patienten haben keine Beschwerden. Es ist umstritten, ob eine Behandlung mit Schilddrüsenhormonen erfolgen sollte.

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Grundlegende Informationen

  • Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) sind die Spiegel der Schilddrüsenhormone T3 und T4 im Körper erniedrigt und die Spiegel des Hormons TSH, welches die Schilddrüse zur Hormonproduktion anregt erhöht. Dies führt zu einem herabgesetzten Stoffwechsel in sämtlichen Körperzellen.
  • Bei der subklinischen Hypothyreose ist lediglich der TSH-Wert erhöht, während T3 und T4 im Normbereich sind. Im Gegensatz zur klinisch auffälligen Hypothyreose sind Patienten mit einer subklinischen Schilddrüsenunterfunktion beschwerdefrei. 
  • Eine subklinische Hypothyreose fällt meistens im Rahmen von Routine-Blutuntersuchungen auf.
  • Etwa 4 % der deutschen Bevölkerung weist eine subklinische Hypothyreose auf, Frauen 4-mal so häufig wie Männer.
  • Als Therapie kann Schilddrüsenhormon (Thyroxin) in Tablettenform eingenommen werden. Es ist jedoch umstritten, ob eine Therapie bei fehlenden Beschwerden sinnvoll ist.
  • Empfohlen wird eine Behandlung Schwangeren, Frauen mit Kinderwunsch bei stark erhöhten TSH-Werten sowie bei auftretenden Beschwerden.

Was ist eine Schilddrüsenunterfunktion?

Bei einer Hypothyreose produziert die Schilddrüse (Thyreoidea) zu wenige Hormone, dies führt zu einer Abnahme der Stoffwechselaktivität. 

Der Körperstoffwechsel ist ein komplexes System, dessen Regulierung unter anderem auf einer genau abgestimmten Zusammenarbeit zwischen Teilen des Zwischenhirns (Hypothalamus), Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) und Schilddrüse (Thyreoidea) beruht. Die Schilddrüse, welche unterhalb der Kehlkopfes am vorderen Hals liegt, wird von der Hirnanhangsdrüse durch das thyreoideastimulierende Hormon (TSH) zur Hormonproduktion angeregt. Sie setzt die Hormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) frei, welche den Körperstoffwechsel steigern.

Das Hormonsystem ist einer genauen Kontrolle unterworfen: Sind die Spiegel der Schilddrüsenhormone T3 und T4 im Blut zu niedrig, so wird mehr TSH ausgeschüttet und die Schilddrüse hierdurch zur Produktion von mehr Hormonen angeregt. Umgekehrt haben hohe T3 und T4 Spiegel eine verminderte TSH-Produktion zur Folge.

Die Abbildung zeigt die Lage der Schilddrüse: direkt unter der Haut auf der Vorderseite des Halses, vor der Luftröhre.
Die Abbildung zeigt die Lage der Schilddrüse: direkt unter der Haut auf der Vorderseite des Halses, vor der Luftröhre.

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) wird der Stoffwechsel sämtlicher Zellen und Organe des Körpers heruntergefahren. Aus diesem Grund kann sie sich durch eine Vielzahl an Symptomen äußern. Zu den klassischen Symptomen zählen Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Kälteempfindlichkeit, Verstopfung, trockene Haut, Haarausfall, ein erhöhtes Schlafbedürfnis und Gewichtsszunahme durch Wassereinlagerungen. Blutuntersuchungen zeigen einen niedrigen T4- sowie einen erhöhten TSH-Spiegel.

Was ist eine subklinische Hypothyreose?

Subklinisch bedeutet, dass weder Ihnen als Patient noch Ihrem Arzt Anzeichen einer Schilddrüsenunterfunktion auffallen. Eine Blutuntersuchug zeigt jedoch einen erhöhten TSH-Spiegel, die Schilddrüse muss also verstärkt zur Hormonproduktion angeregt werden.

Die subklinische Hypothyreose kommt verhältnismäßig häufig vor. In Deutschland sind etwa 4 % der Bevölkerung betroffen, wobei Frauen 4-mal so häufig betroffen sind wie Männer. 

Welche Ursachen kann eine Schilddrüsenunterfunktion haben?

Häufig

  • Hashimoto-Thyreoiditis: Häufigste Ursache für eine Schilddrüsenunterfunktion ist eine Entzündung der Schilddrüse, die sogenannte Hashimoto-Thyreoiditis. Hierbei greift das körpereigene Immunsystem das Schilddrüsengewebe an und zerstört dieses. Der TSH-Spiegel steigt allmählich an, während die Produktion von Hormonen durch die beschädigte Schilddrüse abnimmt. Ein Hinweis für eine Hashimoto-Thyreoiditis ist der Nachweis von bestimmten Antikörpern (anti-TPO- und anti-Thyreoglobulin-Antikörper) im Blut.
  • Jodmangel: Jodmangel kann zu einer Vergrößerung der Schilddrüse (Struma oder Kropf) sowie zu einer Abnahme der Hormonproduktion führen. In Deutschland sind ca. 30 % der Bevölkerung von Jodmangel betroffen.

Selten

  • Operative Entfernung der Schilddrüse
  • Radiojodtherapie
  • Nebenwirkungen bestimmter Medikamente (z.B. Thyreostatika, Lithium, Amiodaron)
  • Angeborene Formen
  • Störungen des Zwischenhirns und der Hirnanhangsdrüse

Welche Folgen kann eine subklinische Hypothyreose haben?

Die subklinische Hypothyreose kann ein Vor- oder Frühstadium der klinischen Hypothyreose darstellen. Bis zu 5 % der Patienten mit leicht erhöhtem TSH-Spiegel ohne spezielle Beschwerden entwickeln innerhalb des folgenden Jahres Symptome. Bei anderen Patienten normalisiert sich der TSH-Wert hingegen im Verlauf wieder. Häufig wird der Wert deshalb nach einem Jahr erneut kontrolliert.

Darüber hinaus herrscht Uneinigkeit über die gesundheitlichen Folgen einer subklinischen Hypothyreose. Einige Studien fanden eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkte, andere Studien lieferten widersprüchliche Ergebnisse. Vermutlich steigt das Risiko mit der Höhe des TSH-Wertes.

Hilft es, eine subklinische Hypothyreose zu behandeln?

Es gilt als umstritten, ob bei allen Patienten mit einer subklinischen Hypothyreose eine Behandlung durch Einnahme von Schilddrüsenhormonen erfolgen sollte. Einigkeit herrscht jedoch darüber, dass eine Behandlung bei folgenden Patientengruppen nützlich ist, wenn ein erhöhter TSH-Wert festgestellt wird:

  • Patienten mit Beschwerden, auch wenn diese nur leicht sind.
  • Schwangere
  • Frauen mit Kinderwunsch
  • Frauen unmittelbar nach der Geburt
  • Bei einem TSH-Wert von über 10 mU/l in mehreren Messungen.

Bei anderen Patienten sollten Vorteile gegen Nachteile einer Behandlung abgewogen werden.

Für eine Behandlung spricht, dass

  • Symptome gelindert werden. Diese können so subtil sein, dass eine Patientin Beschwerden zunächst nicht bemerkt, sich aber nach Beginn einer Therapie besser fühlt.
  • Symptomen vorgebeugt werden kann.
  • Blutfette gesenkt werden, wodurch möglicherweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen verhindert werden.

Gegen eine Behandlung spricht, dass

  • viele Patienten behandelt werden, die keinen Nutzen aus der Behandlung ziehen.
  • Nebenwirkungen der Behandlung auftreten können wie Vorhofflimmern und Osteoporose.
  • bei Patienten mit subklinischer Hypothyreose keine erhöhte Sterblichkeit und keine Verminderung der Lebensqualität nachgewiesen werden konnte.
  • positive Effekte auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen umstritten sind. Vermutlich sind sie bei nur wenig erhöhten TSH-Werten allenfalls gering.

Besprechen Sie das für Sie beste Vorgehen mit Ihrem Hausarzt, sollte bei Ihnen eine subklinische Hypothyreose vorliegen. Hilfreich ist möglicherweise auch der Ratgeber des Portals Gesundheitsinformation.de des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Latente Schilddrüsenunterfunktion behandeln: Ja oder nein?

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Dietrich August, Arzt, Freiburg

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Hypothyreose, subklinische. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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