Körperliche Aktivität bei Kindern

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt für Kinder und Jugendliche mindestens 60 Minuten pro Tag körperliche Aktivität. Die körperliche Aktivität soll sowohl mäßig anstrengende (auch Alltgasaktivität) als auch deutlich beanspruchendere Phasen beinhalten und kann über den Tagesverlauf in mehrere Einheiten aufgeteilt sein. Die Aktivitäten sollten so vielseitig wie möglich sein, um die Kondition, die Muskeln, die Beweglichkeit und die Schnelligkeit zu stärken sowie für schnellere Reaktionen und bessere Koordination zu sorgen.

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Wie viel Sport tut gut?

Körperliche Bewegung unterstützt die körperliche und emotionale Gesundheit eines jeden, das gilt sowohl für gesunde Menschen als auch solche mit chronischen Krankheiten. Regelmäßige körperliche Aktivität beugt Übergewicht, Krankheiten von Herz und Blutgefäßen vor, unterstützt einen gesunden Stoffwechsel und beugt erhöhten Blutfettwerten vor, hält Muskeln, Bänder und Knochen gesund (wenn man Verletzungen durch entsprechendes Verhalten vorbeugt) und beweglich, stärkt gerade bei Kindern Körpergefühl und Selbstbewusstsein.

Die WHO empfiehlt für Kinder und Jugendliche mindestens 60 Minuten aktive körperliche Bewegung am Tag. Angelehnt an diese und andere Empfehlungen differenziert das Bundesministerium für Gesundheit noch genauer und je nach Altersgruppen (Nationale Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung). In einer Veröffentlichung von 2016 empfehlen die Experten Säuglingen und Kleinkindern so viel Bewegung wie möglich; gerade in jungen Jahren sollten die Eltern versuchen, den Bewegungsdrang ihrer Kinder so wenig wie möglich einzuschränken, wobei natürlich auf deren Sicherheit zu achten ist. Während sich die aktive Bewegung bei sehr kleinen Kindern eher auf dem Boden abspielt, ist der Bewegungsrahmen für laufende Kinder und v. a. Kindergartenkinder deutlich höher. die Experten empfehlen für Kinder zwischen 4 und 6 Jahren täglich mindestens 180 Minuten aktive körperliche Bewegung, wobei dies freie spielerische Aktivität oder auch angeleiteter Sport sein kann. Ist ein Kind noch nicht an regelmäßige Bewegung oder Sport gewöhnt, ist es ratsam, die Dauer der Aktivität langsam zu steigern.

Ob grundsätzlich eine Sportart geeigneter als eine andere ist, ist wissenschaftlich nicht geklärt. Am wichtigsten ist es laut der Empfehlungen, dass die Kinder Spaß und Freude an ihrem Sport haben. Daher ist es hilfreich, das Kind zunächst möglichst viele Sportarten kennenlernen zu lassen, damit es sich für eine entscheiden kann, die ihm liegt. Zu beachten ist, dass die Sportarten der körperlichen Entwicklung je nach Alter angepasst sein sollten, damit v. a. im Wachstum keine Schäden entstehen und es nicht zu Verletzungen kommt. Für kleinere Kinder ist wohl noch mehr als bei älteren darauf zu achten, dass eher der ganze Körper statt einzelner Muskelgruppen bzw. Bewegungen trainiert werden. Es geht bei kleinen Kindern darum, dass sie sich und ihren Körper kennenlernen und eher natürliche und spielerische Bewegungen machen, wie klettern, springen, balancieren und laufen. So eignen sich für Kindergartenkinder Sportarten wie auf Kinder abgestimmtes Turnen, Yoga oder Judo oder auch Sportangebote draußen bzw. im Park, beschreibt eine Expertin der Deutschen Sporthochschule Köln. Wenn später dann auch Aktivitäten hinzukommen, die eher einzelne Muskelgruppen fordern, ist es wichtig, diese mit vielseitiger Aktivität zu kombinieren. Erst ab dem Grundschulalter eignen sich die verschiedenen Ballsportarten sowie rhythmische Gymnastik, Ballett oder Geräteturnen und Sportakrobatik, rät die Expertin.

Die oben genannten nationalen Empfehlungen betonen auch, sitzende bzw. ruhige Tätigkeiten (v. a. am Bildschirm) einzuschränken. So raten die Experten allgemein dazu, dass Säuglinge und Kleinkinder möglichst wenig in der Sitzschale oder sonst unbeweglich verbringen und überhaupt nicht vorm Bildschirm sitzen sollten. Für Kindergartenkinder gilt der Rat, die Zeit des Medienkonsums am Bildschirm ebenfalls auf das Minimum zu beschränken, maximal 30 Minuten am Tag. Hintergrund ist, dass Kinder, die täglich lange sitzen (ab 2 –3 Stunden täglich im Kindersitz, vorm Bildschirm etc.) im Vergleich zu anderen eher übergewichtig werden, ein eher niedriges Selbstbewusstsein aufweisen, eher schlechter in der Schule abschneiden und auch eher auffälliges psychosoziales Verhalten zeigen.

Tipps für mehr Bewegung bei Kindern

  • Weg zur Kita oder zur Schule zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen.
  • Im Sportunterricht und in den Schulpausen immer aktiv bleiben.
  • So häufig wie möglich die eigenen Beine nutzen. Mit dem Hund Gassi gehen, zu Freunden und anderen Freizeitaktivitäten zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren, immer die Treppe nehmen. Dies gilt für die gesamte Familie – die Eltern können ihre Kinder auf dem Weg zu Freunden usw. gern ebenfalls zu Fuß oder auf dem Fahrrad begleiten.
  • Die Kinder mit auf Waldspaziergänge nehmen, gerne gemeinsam mit Freunden. Wasser zum Trinken und ein gesundes Picknickpaket mitnehmen. Wanderwege mit der ganzen Familie besprechen.
  • Feste Tage für gemeinsame Familienaktivitäten vereinbaren. Manchen Familien hilft es, einen Kalender über alle Aktivitäten zu führen, die im Laufe der Woche im Familienkreis stattfinden sollen.
  • Setzen Sie sich motivierende Zielpunkte für längere Spaziergänge, zum Beispiel einen Spielplatz, einen Besuch bei Freunden oder etwas anderes Spannendes.
  • An die Jahreszeiten angepasste Aktivitäten: Wie können Kinder, die mit dem Rad in die Schule fahren, im Winter bei Schnee aktiv sein? Können in der Freizeit Eislaufbahnen, Loipen oder Abhänge zum Skilaufen oder Schlittenfahren genutzt werden?
  • Gibt es vor Ort Vereine oder Gruppen, die Freizeitaktivitäten für Familien organisieren? Schauen Sie in die Internetseiten Ihrer Gemeinde, informieren Sie sich in der Zeitung oder Ähnliches.
  • Falls nötig, motivieren Sie Ihr Kind zu festen, verbindlichen Aktivitäten. Offene Gruppen, in denen alle möglichen Sportarten ausprobiert werden können, sind möglicherweise ein guter Start für die Jüngsten.
  • Unterstützen Sie Ihr Kind bei den Aktivitäten, die es selbst gerne ausführt. Wenn das Kind selbst keine Vorschläge macht, schlagen Sie selbst Alternativen vor, aus denen das Kind wählen kann. 
  • Aktivitäten außer Haus sind mit mehr Bewegung verbunden als Aktivitäten im Haus.
  • Entscheiden Sie sich für Computer- und ähnliche Spiele, bei denen sich die Mitspieler bewegen müssen.
  • Bestärken Sie das Kind darin, sich bei allen Aktivitäten so anzustrengen, dass es ins Schwitzen und außer Atem gerät.
  • Die Familie kann ein Aktivitätstagebuch führen, um positives Verhalten besonders hervorzuheben.
  • Erklären Sie Ihrem Kind die Bedeutung guter Bekleidung. Passend gekleidet zu sein, ist wichtig, um Spaß an Bewegung außer Haus zu haben.
  • Als regelmäßige Aktivität eignet es sich, spazieren zu gehen oder Fahrradtouren zu machen. Machen Sie z. B. folgende Vorschläge:
    • Feste Tage setzen, damit die Tour zur Routine wird.
    • Immer wieder die gleiche Strecke mit hügeligem Profil zurücklegen – mit Zeitmessung! Es ist motivierend zu erleben, dass sich die Kondition verbessert, indem man schneller wird. Alternativ dazu kann man z. B. mindestens 20 Minuten gehen und merken, wie die zurückgelegte Strecke immer länger wird.
    • Zusammen mit Freunden und/oder der Familie spazieren gehen. Es ist motivierender und verbindlicher, sich zusammen mit anderen zu bewegen.
  • Geben Sie Geburtstags- und Weihnachtsgeschenken den Vorzug, die körperliche Aktivitäten fördern, z. B.:
    • Fahrrad, Trampolin, Schrittzähler, Skateboard, Schlittschuhe, Sportkleidung usw.
    • Gutscheine oder Eintrittskarten für Schwimmbad, Eisbahn, Abenteuerspielplatz usw.

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Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen