Ernährungsempfehlungen bei Hyperkaliämie

Die Kaliumkonzentration im Blut unterliegt einer engen Regulation, da die Erregbarkeit der Zellen u. a. über Kalium gesteuert wird. In manchen Fällen, z. B. bei Nierenerkrankungen, kann es passieren, dass sich Kalium anreichert und zu einer erhöhten Konzentration im Blut führt (Hyperkaliämie). Es kann deshalb sinnvoll sein, eine kaliumarme Ernährung einzuhalten.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Zur Vorbeugung eines hohen Kaliumspiegels im Blut (Hyperkaliämie) kann es sinnvoll sein, eine kaliumarme Diät einzuhalten. Obwohl die meisten Lebensmittel Kalium enthalten, ist es durchaus möglich, die Kaliumzufuhr durch spezielle Zubereitungsarten oder Einschränkung bestimmter Lebensmittel zu reduzieren.

Was ist Kalium?

Kalium ist neben Natrium und Chlorid ein wichtiges Elektrolyt im menschlichen Körper. Als positiv geladenes Ion (K+) ist es u. a. für die Zellerregung und die Regulation des Säure-Basen-Haushalts verantwortlich. Es ist z. B. an der Muskel- und Herzfunktion und der Regulation des Blutdrucks beteiligt. Im Körper befindet Kalium zum Großteil innerhalb der Zellen, v. a. Muskelzellen. Kalium ist aber auch in allen anderen Zellen, z. B. in roten Blutkörperchen (Erythrozyten), Leber- und Knochenzellen zu finden.

Die Kaliumkonzentration im Blut unterliegt einer engen Regulation. Die Aufnahme erfolgt über die Nahrung. Ausgeschieden wird Kalium über den Schweiß, Stuhl und Urin. Dabei beträgt die Ausscheidung über die Nieren ca. 90 %.

Wenn die Ausscheidung verringert ist oder wenn eine Umverteilung von Kalium von innerhalb der Zelle nach außerhalb stattfindet, kann eine Hyperkaliämie (erhöhter Kaliumspiegel im Blut) entstehen. Manche Erkrankungen können dies begünstigen. Der häufigste Grund ist eine eingeschränkte Nierenfunktion (Niereninsuffizienz), z. B. im Rahmen eines akuten Nierenversagens oder einer chronischen Nierenkrankheit. Die Ausscheidung von Kalium über die Nieren wird außerdem von Hormonen gesteuert. Bestimmte Hormonstörungen begünstigen eine unzureichende Ausscheidung und damit die Anreicherung von Kalium, z. B. die Addison-Krankheit. Viele Arzneimittel greifen in den Kaliumhaushalt ein, z. B. Blutdruckmedikamente (z.B. ACE-Hemmer), kaliumsparende „Wassertabletten" (Diuretika) oder nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen. Insulinmangel und ein stark erhöhter Blutzucker (Hyperglykämie) begünstigen ebenso eine Hyperkaliämie.

Eine kaliumarme Ernährung kann bei Patienten sinnvoll sein, die ein erhöhtes Risiko für die Entstehung einer Hyperkaliämie haben.

Welche Nahrungsmittel enthalten Kalium?

Man findet Kalium in vielen Lebensmitteln, insbesondere in Obst und Gemüse. Bekannte Kaliumlieferanten sind z. B. Orangen, Bananen, Aprikosen, Honigmelone, Feigen, Karotten, Kohlrabi, Avocado, Tomaten und Kartoffeln. Besonders hoch ist der Kaliumgehalt in getrockneter oder konzentrierter Form, z. B. in Tomatenmark und Trockenfrüchten (Feigen, Datteln, Rosinen). Auch Obst- und Gemüsesäfte sowie Wein sind kaliumreich. Kalium ist aber auch in Milchprodukten, Fleisch, Nüssen, Samen, Hülsenfrüchten und einige Getreideprodukten enthalten. Einen hohen Kaliumgehalt haben bspw. Haselnüsse, Cashewkerne, Erdnüsse und Mandeln, Schoko­lade/Schokoladenerzeugnisse mit hohem Kakaogehalt (Zartbitter) sowie Dinkel-, Roggen-, Buchweizenvollkornmehl. Rechenbeispiele finden Sie auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.

Wie viel Kalium braucht der Mensch?

Die geschätzte empfohlene Aufnahme an Kalium beträgt für Erwachsene etwa 4.000 mg/Tag (Referenzwerttabelle). Bei Personen, die ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Hyperkaliämie haben, können die Grenzwerte individuell festgelegt werden und betragen bspw. zwischen 2–3 g/Tag.

Wie kann ich mich kaliumarm ernähren?

Durch bestimmte Maßnahmen beim Kochen bzw. der Aufbereitung kann der Kaliumgehalt von Gemüse verringert werden:

  • Wässern Sie frisches oder gefrorenes Gemüse (z. B. Kartoffeln) mindestens zwei Stunden vor dem Kochen. Das Wasser entzieht dem Gemüse einen Teil des Kaliums. Wechseln Sie vor dem Kochen das Wasser.
  • Schneiden Sie das Gemüse in dünne Scheiben, damit sich die Oberfläche beim Kochen vergrößert und mehr Kalium herausgelöst werden kann. Gemüse mit Schale sollte vor dem Zerschneiden geschält werden.
  • Kochen Sie das Gemüse in Wasser. Gießen Sie das Kochwasser weg.
  • Spülen und trocknen Sie auch Obst und Gemüse aus Dosen gründlich, bevor Sie es essen.
  • Überprüfen Sie die Nährwertangaben auf dem Etikett, um den Kaliumanteil herauszufinden.
  • Meiden Sie Salzersatzstoffe. Viele ersetzen Natriumchlorid (normales Kochsalz) mit Kaliumchlorid. Salzfreie Kräuter- und Gewürzmischungen sind empfehlenswert.

Begrenzen Sie die Aufnahme von Lebensmitteln mit hohem Kaliumgehalt. Anstelle von Kartoffelprodukten können beispielsweise Reis, Nudeln oder Spätzle als Beilage dienen. Vollkornprodukte enthalten viel Kalium und werden für Patienten mit eine Hyperkaliämie nicht empfohlen.

Beachten Sie, dass große Portionen von kaliumarmen Lebensmitteln eine höhere Gesamtaufnahme bewirken können als kleine Portionen kaliumreicher Lebensmittel.

Beispiele für Lebensmittel mit hohem Kaliumgehalt

  • Früchte: Aprikosen, Bananen, Kokosnüsse, Melonen (Cantaloupe- und Honigmelonen), getrocknete Früchte (Feigen, Rosinen, Pflaumen), Kiwis, Mangos, Papayas, Nektarinen, Granatäpfel, Orangen (einschließlich Orangensaft), Birnen.
  • Gemüse: Avocados, Bambussprossen, Rosenkohl, Chili-Pfeffer, Gemüsesaft, Kohlrabi, Kürbis, Karotten, Süßkartoffeln, gekochter Spinat, gedämpfter Brokkoli, Oliven, Gurken, Tomaten (einschließlich Saucen, Saft, Ketchup).
  • Weitere Lebensmittel: Kleie, Vollkorn, Müsli, Bohnen, Erbsen, Linsen, Nüsse, Milch, Milchprodukte, Joghurt, Fisch, Rindfleisch, Schokolade, hausgemachte Soßen, Sportgetränke, Lakritze, Salzersatzstoffe.

Beispiele für Lebensmittel mit niedrigem Kaliumgehalt

  • Früchte: Äpfel (einschließlich Apfelsaft), Aprikosenkonserven, Brombeeren, Heidelbeeren, Kirschen, Trauben, Grapefruit, Mandarinen, Ananas, Himbeeren, Erdbeeren.
  • Gemüse: Spargel, gekochte Karotten, gekochter Kohl, Stangensellerie, Gurke, Pilze, Zwiebeln, grüne Bohnen, grüner Pfeffer, Rhabarber.
  • Weitere Lebensmittel: Huhn, Pute, Thunfisch, Eier, Garnelen, Nudeln, weißer Reis, Kaffee, Tee, Cheddar-Käse, Hüttenkäse.

Weitere Informationen

Autoren

  • Marleen Mayer, Ärztin, Mannheim