Hyperkaliämie – zu viel Kalium im Blut

Ein erhöhter Kaliumwert im Blut wird als Hyperkaliämie bezeichnet. Eine Hyperkaliämie kommt relativ häufig vor und kann in manchen Fällen gefährlich oder lebensbedrohlich sein.

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Was ist eine Hyperkaliämie?

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Von einer Hyperkaliämie spricht man, wenn die Konzentration von Kalium im Blut erhöht ist. Ein erhöhter Serum-Kalium-Wert kann anhand einer Blutuntersuchung festgestellt werden. Je nach Höhe des Wertes unterscheidet man eine leichte, mittelschwere und schwere Hyperkaliämie.

Ursachen und Krankheitsmechanismus

Die Kaliumkonzentration im Blut unterliegt einer engen Regulation, da die Erregbarkeit der Zellen u. a. über Kalium gesteuert wird: Kalium gehört zu den sogenannten Elektrolyten und ist entscheidend für die Signalübertragung z. B. zwischen Nervenzelle und Muskelzelle. Ist die Kaliumkonzentration zu hoch oder zu niedrig, ist diese Signalübertragung gestört. Hiervon sind die Muskelfunktionen im Allgemeinen, aber natürlich auch die Herzmuskelfunktion betroffen. Kalium kommt sowohl in den Körperzellen als auch im Blut vor; die Konzentration im Blut wird durch Aufnahme von Kalium im Darm, durch Ein- und Ausstrom in/aus den Zellen sowie vor allem durch eine genau abgestimmte Ausscheidung mit dem Urin über die Nieren gesteuert. 

Eine Hyperkaliämie kann entstehen, wenn die Ausscheidung von Kalium über die Nieren verringert ist oder wenn eine Umverteilung von Kalium von innerhalb der Zelle nach außen ins Blut stattfindet. Die verringerte Ausscheidung kann durch verschiedene Faktoren bedingt sein. Der häufigste Grund ist eine eingeschränkte Nierenfunktion (Niereninsuffizienz): Die Niere kann Kalium nicht mehr genügend in den Urin transportieren, weshalb sich Kalium im Blut ansammelt. Dies kann sowohl bei einem akuten Nierenversagen als auch bei einer chronischen Nierenkrankheit der Fall sein. Die Ausscheidung von Kalium über die Nieren wird außerdem von Hormonen gesteuert. Bestimmte Hormonstörungen begünstigen eine unzureichende Ausscheidung und damit die Anreicherung von Kalium, z. B. die Addison-Krankheit. Zudem greifen viele Arzneimittel in den Kaliumhaushalt ein, z. B. ACE-Hemmer, Betablocker, sogenannte kaliumsparende „Wassertabletten“ (Diuretika) oder nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen. Eine Risiko für eine Hyperkaliämie besteht dann vor allem, wenn mehrere dieser Präparate eingenommen werden. Insulinmangel und ein stark erhöhter Blutzucker (Hyperglykämie) begünstigen ebenso eine Hyperkaliämie.

Normalerweise befindet sich Kalium vor allem innerhalb der Zellen. Bei einer Umverteilung tritt Kalium vermehrt nach außen, wodurch der Serum-Kalium-Wert steigt. Dies kann z. B. durch einen Abfall des pH-Wertes des Blutes passieren. Der pH-Wert hängt eng mit der Kaliumkonzentration zusammen. Fallen mehr Säuren im Körper an, z. B. bei einer metabolischen Azidose, sinkt der pH-Wert und das Kalium tritt aus der Zelle. Das Kalium kann auch durch eine Zellzerstörung aus der Zelle austreten, z. B. wenn Muskeln stark geschädigt wurden (Rhabdomyolyse), bei Verbrennungen, im Rahmen einer Krebstherapie oder nach Blutungen. 

Eine Hyperkaliämie kann auch durch eine vermehrte Zufuhr von Kalium entstehen, z. B. wenn viele Trockenfrüchte oder Bananen gegessen werden. Dabei liegt aber meist gleichzeitig eine Nierenfunktionsstörung oder eine Medikamenteneinnahme vor, die die Hyperkaliämie begünstigen.

Symptome

Eine Hyperkaliämie steigert die Erregbarkeit der Zellen; dadurch wird eine regulierte Signalübertragung von den Nerven zur den Muskelzellen beeinträchtigt. Dies äußert sich z. B. in einer Muskelschwäche. Gelegentlich führt eine Hyperkaliämie zu Lähmungen bestimmter Muskelgruppen. Patienten können unter Abgeschlagenheit leiden. Manchmal treten Unruhe und Verwirrtheit auf. Auch Blähungen und Durchfall können vorkommen. Als schwerste Folge kann es bei einer Hyperkaliämie zu Herzrhythmusstörungen und einem Kreislaufstillstand kommen. Eine Hyperkaliämie ist also potenziell lebensbedrohlich.

Diagnostik

Die wichtigste Untersuchung zur Feststellung einer Hyperkaliämie ist eine Blutentnahme mit einer Messung des Serum-Kalium-Werts. Um eine Nierenfunktionsstörung festzustellen, werden außerdem die Nierenwerte bestimmt. Daneben sind der pH-Wert, Parameter einer metabolischen Azidose und die Konzentration der anderen Elektrolyte (Natrium, Kalzium) von Bedeutung. Ggf. wird Kalium auch im Urin bestimmt. Ein EKG kann Veränderungen aufweisen, die Vorzeichen einer Herzrhythmusstörung sein können.

Tritt ein erhöhter Serum-Kalium-Wert auf, ohne dass Anzeichen im EKG oder eine veränderte Nierenfunktion vorliegen und ohne, dass die Betroffenen Beschwerden haben, sollte die Blutabnahme erneut erfolgen, um eine Fehlmessung auszuschließen. Fehlmessungen können entstehen, wenn der Arm bei der Abnahme zu lange gestaut oder die Blutprobe falsch gelagert wurde: Der Kaliumwert kann dann erhöht sein, weil rote Blutkörperchen zerstört wurden und das Kalium aus den Zellen ausgetreten ist. Man spricht in diesem Fall von einer Pseudohyperkaliämie.

Therapie

Die Therapie der Hyperkaliämie richtet sich nach der Ursache der Hyperkaliämie und der Höhe des Serum-Kalium-Wertes. Oft kann die Hyperkaliämie normalisiert werden, indem die zugrunde liegende Erkrankung therapiert wird. Da die häufigste Ursache einer Hyperkaliämie eine Nierenfunktionsstörung ist, sollte diese abgeklärt und behandelt werden. Medikamente, die eine Hyperkaliämie begünstigen, werden evtl. durch andere Medikamente ausgetauscht bzw. gemieden.

Bei einer leichten Hyperkaliämie reicht es in der Regel aus, die Ernährung umzustellen, genügend Flüssigkeit zu sich zu nehmen und evtl. Medikamente, sogenannte Austauscherharze, einzunehmen, die das Kalium binden sollen.

Bei einer mittelschweren bis schweren Hyperkaliämie erfolgt eine Notfallbehandlung unter Überwachung auf der Intensivstation, um das Kalium möglichst schnell umzuverteilen, auszuscheiden und das Herz vor Rhythmusstörungen zu schützen. Sind bei einer mäßig schweren Hyperkaliämie bereits Rhythmusstörungen nachweisbar, ist eine solche Notfalltherapie natürlich ebenfalls erforderlich (evtl. einschließlich Wiederbelebungsmaßnahmen). Zur Senkung des Kaliumspiegels können verschiedene Medikamente verabreicht werden, z. B. Beta-2-Sympathomimetika, eine Insulin-Glukose-Lösung, bestimmte Diuretika („Wassertablette“ zur erhöhten Flüssigkeitsausscheidung über die Nieren) und Kalzium. Auch der Ausgleich eines zu niedigen pH-Werts (Azidose) ist meist wichtig. Bei Patienten mit einer schweren Nierenfunktionsstörung kann eine Dialyse (Blutwäsche) erwogen werden.

Vorbeugende Maßnahmen

Vorbeugende Maßnahmen richten sich nach der zugrunde liegenden Ursache der Hyperkaliämie. Neigt jemand aufgrund von Nierenfunktionsstörungen oder bestimmten Medikamenten zu einer Hyperkaliämie, sind mögliche Maßnahmen eine kaliumarme Kost und wenn möglich die Umstellung auf Medikamente, die eine Hyperkaliämie nicht begünstigen.

Prognose

Eine unbehandelte Hyperkaliämie kann potenziell lebensbedrohlich sein. Bei entsprechender Therapie ist die Prognose abhängig von der Grunderkrankung; eine nur mäßige Erhöhung des Kaliums lässt sich in der Regel gut behandeln. Nach der Therapie sind regelmäßige Blutentnahmen oder auch EKG-Aufzeichnungen zur Kontrolle im Verlauf zu empfehlen, um eine evtl. erneut entstehende Hyperkaliämie frühzeitig zu entdecken.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen
  • Marleen Mayer, Ärztin, Mannheim

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Hyperkaliämie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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