Kalziumspiegel, erhöhter

Ein zu hoher Blutkalziumspiegel kann ein Anzeichen für eine Grunderkrankung sein. Hier finden Sie eine Übersicht über die häufigsten Ursachen.

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Was versteht man unter einem erhöhten Kalziumspiegel?

Über Kalzium

  • Kalzium ist ein im Körper vorkommendes chemisches Element. Der Körper eines durchschnittlichen Erwachsenen enthält etwa 1–1,4 kg Kalzium. Davon bestehen 98 % aus im Skelett eingelagerten Kalziumsalzen.
  • Kalzium kommt auch im Blut vor – die Kalziumkonzentration im Blut spiegelt teilweise den Kalziumstoffwechsel im Knochen wider.
  • Kalzium ist ein wichtiger Baustein des Skelettes. Kalzium ist auch äußerst wichtig für die Funktion einer Reihe verschiedener Zelltypen im Körper, einschließlich Nervenzellen und Muskelzellen.

Definition

  • Hyperkalzämie bedeutet, dass der Kalziumwert im Blut zu hoch ist.
  • Der normale Kalziumspiegel im Blut (Referenzwert) sollte 2,15–2,50 mmol/l betragen; bei einer Hyperkalzämie liegt der Wert über 2,50 mmol/l. (Bitte beachten Sie hier aber immer auch die Referenzwerte des Labors Ihres Arztes.)
  • Wie stark die Symptome bei der Hyperkalzämie ausgeprägt sind, hängt vom Schweregrad der Hyperkalzämie ab, wie schnell sie sich entwickelt hat und den zugrunde liegenden Ursachen. Bei den meisten Patienten mit Kalziumwerten von 2,80–2,90 mmol/l treten Symptome auf.
  • Frauen sind häufiger als Männer von Hyperkalzämie betroffen. Sie tritt vor allem nach dem 60. Lebensjahr auf, kann aber in allen Altersgruppen vorkommen.

Welche Beschwerden treten bei einem erhöhten Kalziumspiegel auf?

Was können die Ursachen sein?

Häufige Ursachen

  • Fehler bei der Blutuntersuchung
    • Es ist daher notwendig und wichtig, dass mehr als eine Blutuntersuchung durchgeführt wird, um verwertbare Ergebnisse zu bekommen.
  • Überfunktion der Nebenschilddrüsen (Hyperparathyreoidismus)
    • Macht in der allgemeinmedizinischen Praxis etwa 90 % aller Fälle von Hyperkalzämie aus.
    • Ursächlich sind oft Adenome der Nebenschilddrüsen, also gutartige Tumoren, die zuviel des sog. Parathormons produzieren.
    • Parathormon erhöht den Kalziumspiegel durch Mobilisation von Kalizum aus den Knochen. 
    • Bei der Störung treten oft leichtere Symptome auf, bei einem langanhaltenden und schweren Verlauf können jedoch Anzeichen von Knochenerkrankungen, Nierensteinen, Bluthochdruck und einer Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) auftreten.
  • Erhöhter Schilddrüsenstoffwechsel (Hyperthyreose)
    • Etwa 10–20 % der Patienten mit Hyperthyreose haben eine leichte Hyperkalzämie.
  • Immobilität ( z. B. bei Bettlägerigkeit oder bei Rollstuhlfahrern):
    • Verursacht Knochenabbau, Freisetzung von Kalzium und führt damit zu Hyperkalzämie.

Seltene Ursachen

  • Krebserkrankungen
    • Der Patient wird in der Regel immer gleichzeitig Anzeichen einer schweren Erkrankung wie Gewichtsverlust, Schwäche, Anämie, hohe Blutsenkung aufweisen.
    • Hyperkalzämie tritt bei 10–20 % der Patienten mit malignen Erkrankungen auf, jedoch häufig erst spät im Krankheitsverlauf.
  • Familiäre Hyperkalzämie
    • Es gibt eine seltene erbliche Form des erhöhten Blutkalziumspiegels.
    • Bei der Störung treten keine spezifischen Symptome oder Anzeichen auf.
    • Meist handelt es sich um einen nicht behandlungsbedürftigen Zufallsbefund.
  • Sarkoidose
    • Eine entzündliche Erkrankung, die viele verschiedene Organe betreffen kann, aber meistens die Lunge (90 %).
    • Beginnt oft mit 30 bis 40 Jahren.
    • Zu den Anzeichen der Erkrankung können Kraftlosigkeit, Fieber, lang anhaltender Husten mit unklarer Ursache und Atembeschwerden zählen, gelegentlich wird der Befund auch zufällig entdeckt.
  • Es gibt auch andere Ursachen, aber sie sind sehr selten. Früher, als die Einnahme von Kalziumpräparaten noch häufiger empfohlen wurde, kam es zu einem erhöhten Kalziumspiegel aufgrund der Tabletteneinnahme (Milch-Alkali-Syndrom).

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

  • Oft findet man hohe Kalziumwerte bei der Untersuchung im Zusammenhang mit einer anderen ernsten Krankheit.
  • Ihr Arzt wird die für die weitere Untersuchung und Behandlung erforderlichen Maßnahmen ergreifen.

Wie geht der Arzt vor?

Anamnese – wichtige Fragen

  • Milde Hyperkalzämie verläuft oft ohne Symptome und wird meist zufällig bei einer Blutuntersuchung festgestellt.
  • Die Schwere der Symptome hängt ab vom Kalziumspiegel, wie schnell der Zustand sich entwickelt hat und der zugrunde liegenden Ursache.
  • Symptome, die bei einem hohen Kalziumspiegel auftreten können:
    • Appetitminderung
    • Brechreiz
    • Erbrechen
    • Verstopfung
    • Magenschmerzen
    • Muskelschwäche
    • Knochenschmerzen
    • Müdigkeit, Kraftlosigkeit
    • Depression
    • Konzentrationsstörungen, Verwirrtheit, Bewusstseinsstörungen, Koma
    • Demenz.
  • Symptome von anderen Organen:
    • Schmerzen durch Nierensteine
    • Starke Bauchschmerzen aufgrund von akuter Pankreatitis
    • Knochenschmerzen
    • Großer Durst und große Mengen Harn (über 10 Liter pro Tag)
    • Symptome einer zugrunde liegenden Krebserkrankung.

Ärztliche Untersuchung

  • Der Arzt wird nach Anzeichen einer zugrunde liegenden Erkrankung suchen und in der Regel eine allgemeine Untersuchung durchführen.
  • Es werden weitere Blutuntersuchungen durchgeführt, um einerseits zu kontrollieren, dass der zu hohe Kalziumspiegel auch bei einer erneuten Untersuchung nachgewiesen werden kann und um andererseits nach der zugrunde liegenden Ursache zu suchen.
  • Andere Untersuchungen, die relevant sein können, sind Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen und möglicherweise eine Szintigrafie.

Weitere Informationen

Autoren

  • Caroline Beier, Dr. med. Fachärztin für Allgemeinmedizin, Hamburg

 

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Hyperkalzämie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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