Kalziumspiegel, erniedrigter

Ein zu niedriger Blutkalziumspiegel kann ein Anzeichen für eine Grunderkrankung sein. Hier finden Sie eine Übersicht über die häufigsten Ursachen.

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Was versteht man unter einem niedrigen Kalziumspiegel?

Über Kalzium

  • Kalzium ist ein im Körper vorkommendes chemisches Element. Der Körper eines durchschnittlichen Erwachsenen enthält etwa 1–1,4 kg Kalzium. Davon bestehen 98 % aus im Skelett eingelagerten Kalziumsalzen.
  • Kalzium kommt auch im Blut vor – die Kalziumkonzentration im Blut spiegelt teilweise den Kalziumstoffwechsel im Knochen und Körper wider.
  • Kalzium ist ein wichtiger Baustein des Skeletts. Kalzium ist auch äußerst wichtig für die ordnungsgemäße Funktion einer Reihe verschiedener Zelltypen im Körper, einschließlich Nervenzellen und Muskelzellen.
Schilddrüse (Thyreoidea)
Nebenschilddrüsen, Parathyroidea

Definition

  • Hypokalzämie bedeutet, dass der Kalziumwert im Blut zu niedrig ist. Der normale Kalziumspiegel im Blut beträgt 2,15–2,50 mmol/l, bei einer Hypokalzämie liegt der Wert jedoch unter 2,15 mmol/l (oder ionisiertes Serumkalzium unter 1,15 mmol/l). Bitte beachten Sie hier aber auch immer die Referenzwerte des Labors, mit dem Ihr Arzt zusammenarbeitet. 

Häufigkeit

  • Zu niedrige Kalziumwerte kommen selten vor.

Welche Symptome treten bei einem niedrigen Kalziumspiegel auf?

  • Am häufigsten treten leichtere und mitunter auch schwerere Muskelkrämpfe auf.
  • Es können auch Herzrhythmusstörungen auftreten.

Was können die Ursachen sein?

  • Hypoparathyreoidismus
    • Funktionsbeeinträchtigung der Nebenschilddrüsen.
    • Es kann sich hierbei um eine angeborene Erkrankung handeln (sehr selten) oder als Folge von Operationen oder Strahlentherapie des Halses auftreten.
    • Akute Hypokalzämie kann Muskelkrämpfe und Reizbarkeit verursachen, während es bei dem chronischen Leiden zu Schwäche, Persönlichkeitsveränderungen und Angstzuständen kommen kann.
  • Schwerer Vitamin-D-Mangel
    • Menschen, die den ganzen Körper bedeckende Kleidung tragen und sich selten dem Sonnenlicht aussetzen, laufen eher Gefahr als andere, da Vitamin D unter Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet wird. 
    • Schwerer Vitamin-D-Mangel kann zu Hypokalzämie führen.
    • Ursachen für den Mangel an Vitamin D sind eine verringerte Nahrungsaufnahme, wenig Sonnenlicht, Erkrankungen der Leber und Galle, Darmerkrankungen mit verminderter Nährstoffaufnahme.
  • Unterernährung
    • Führt zu einer geringen Aufnahme von Kalzium und Vitamin D.
    • Es liegen oft andere Symptome für Mangelerscheinungen und Fehlernährung vor, die auf der Ursache oder dem Grad der mangelnden Nährstoffaufnahme aus dem Verdauungstrakt beruhen.
  • Chronisches Nierenversagen
    • Ein niedriger Kalziumwert ist eines von vielen Anzeichen für chronisches Nierenversagen.
    • Der Zustand entwickelt sich im Laufe der Zeit; das Krankheitsbild ist von Müdigkeit, Übelkeit, möglicherweise Gewichtsverlust sowie Juckreiz geprägt.
  • Akute Pankreatitis
    • Häufige Ursachen sind Alkoholmissbrauch, Gallensteine oder Virusinfekte. Manchmal unbekannte Ursache.
    • Schmerzen in der Bauchmitte, manchmal strahlen die Schmerzen nach hinten zum Rücken, eventuell hoch in die linke Schulter, Patienten ziehen es oft vor, nach vorne gebeugt zu sitzen.
    • Akute Erkrankung, bei der ein niedriger Kalziumwert oft einer von vielen abweichenden Werten ist.
  • Medikamenteninduziert
    • Verschiedene Medikamente können zu Hypokalzämie führen, wie beispielsweise einige Epilepsiemedikamente (Phenytoin, Phenobarbital), Chemotherapeutika (z. B. Cisplatin, 5-Fluorouracil).
  • Andere ernste Erkrankungen
    • Verschiedene Krebserkrankungen 

Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?

  • Oft wird ein niedriger Kalziumwert in Zusammenhang mit der Untersuchung einer anderen schweren Erkrankung gefunden. Ausgeprägte Muskelkrämpfe können ein Grund sein, den Kalziumspiegel im Serum zu überprüfen.
  • Ihr Arzt wird die für die weitere Untersuchung und Behandlung erforderlichen Maßnahmen ergreifen.

Wie geht der Arzt vor?

Anamnese

Der Arzt wird Ihnen eventuell folgende Fragen stellen:

  • Wenn der Kalziumspiegel akut gesunken ist, kann der Arzt fragen, ob Sie folgende Beschwerden hatten:
    • Kribbeln und Taubheitsgefühl in den Händen und eventuell um den Mund herum
    • Muskelkrämpfe
    • Ruhelosigkeit, Unruhe
    • Depression
  • Wenn der niedrige Kalziumspiegel langsam entstanden ist, können folgende Symptome auftreten:
    • Müdigkeit
    • Muskelkrämpfe
    • Muskelschmerzen
    • Reizbarkeit, Depression, Verwirrung
  • Wurden Sie am Hals operiert oder wurde eine Strahlentherapie oder Radiojodtherapie des Halses durchgeführt?
  • Nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein?
    • Welche? Harntreibende Medikamente? Gegen Epilepsie?
  • Hoher Alkoholkonsum?
  • Leiden Sie an anderen Erkrankungen?
    • Nierenversagen?
    • Krankheiten, die zu einer Beeinträchtigung der Nährstoffaufnahme führen können – Durchfall? Andere Verdauungsprobleme?
    • Akute Pankreatitis?
    • Bösartige Erkrankungen – Gewichtsabnahme?
    • Andere Hormonstörungen?
  • Haben andere Familienmitglieder einen niedrigen Kalziumspiegel?

Ärztliche Untersuchung

  • Der Arzt wird Sie auf Anzeichen von anderen Erkrankungen untersuchen, z. B. Nieren, Knochen, Darm, und führt in den meisten Fällen eine allgemeine körperliche Untersuchung durch.
  • Der Arzt wird auch den Hals untersuchen.
  • Der Arzt wird Blutuntersuchungen durchführen, um verschiedene Blutwerte, Nierenfunktion und Leberfunktion zu untersuchen.

Überweisung an einen Spezialisten oder ein Krankenhaus

  • Oft zeigt sich die Grunderkrankung deutlich – zum Beispiel chronisches Nierenversagen, eine vor kurzem durchgeführte Halsoperation oder Strahlentherapie, akute Pankreatitis – und Sie erhalten eine Überweisung an einen Facharzt oder an ein Krankenhaus.
  • Auch wenn die Diagnose unklar ist, wird der Hausarzt Sie in der Regel an einen Spezialisten oder ein Krankenhaus überweisen.

Weitere Informationen

Autoren

  • Caroline Beier, Dr. med., Fachärztin für Allgemeinmedizin, Hamburg

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Hypokalzämie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Michels TC, Kelly KM. Parathyroid disorders. Am Fam Physician 2013; 88: 249-57. American Family Physician
  2. Hastbacka J, Pettila V. Prevalence and predictive value of ionized hypocalcemia among critically ill patients. Acta Anaesthesiol Scand 2003; 47: 1264-9. PubMed
  3. Cooper MS, Gittoes NJL . Diagnosis and management of hypocalcaemia . BMJ 2008; 336: 1298-1302. PubMed
  4. Shoback D. Clinical practice. Hypoparathyroidism. N Engl J Med. 2008;359(4):391–403. www.ncbi.nlm.nih.gov
  5. Deutsche Gesellschaft für Kinderendokrinologie und -diabetologie (DGKED). Hypoparathyreoidismus. AWMF Leitlinie. Nr. 174-005. S1. 2016. www.awmf.org
  6. Schaeffler A. Substitutionstherapie nach Operationen an Schilddrüse und Nebenschilddrüse. Deutsches Ärtzeblatt 2010; 107(47): 827-34. www.aerzteblatt.de
  7. Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. Drug Safety Mail 2017-42. 30.11.2017 – Hyperkalzämie durch Überdosierung mit Vitamin D www.akdae.de