Sexualisierte Gewalt

Zusammenfassung

  • Definition:Sexualisierte Gewalt ist ein Oberbegriff, der ein breites Spektrum von sexuellen Handlungen abdeckt, die gegen den Willen einer Person verstoßen.
  • Häufigkeit:In einer aktuellen deutschen Studie berichteten 5% der befragten Jugendlichen, 1,2% der Frauen und 0,6% der Männer über irgendeine Form sexueller Gewalterfahrungen in den letzten 12 Monaten.
  • Symptome:Die Symptome variieren je nach dem, wie viel Zeit seit den Übergriffen vergangen ist, und abhängig von den individuellen Umständen. Akute Belastungsreaktionen sind normal. Die Schwere der Verletzungen und Schädigungen variiert.
  • Befunde:Eine medizinische und rechtsmedizinische Untersuchung (medizinische Untersuchung mit Spurensicherung) ist angezeigt, wenn die Betroffene dies wünscht bzw. die Tat zur Anzeige bringen möchte.
  • Diagnose:Proben sollten im Hinblick auf HIV, Syphilis, Hepatitis, Chlamydien, Mykoplasmen und Gonorrhoe entnommen werden, eine Schwangerschaft sollte ausgeschlossen werden. Drogentests und Spurensicherung im Rahmen der rechtsmedizinischen Untersuchung.
  • Behandlung:Behandlung von Verletzungen und sexuell übertragbaren Krankheiten, Vorbeugen einer potenziellen Schwangerschaft. Die Patienten sollten juristische Beratung sowie psychosoziale Beratung und Unterstützung erhalten.

Allgemeine Informationen

Definition

  • Die Begriffe "sexuelle und sexualisierte" Gewalt bezeichnen die gleichen Handlungen wie „sexueller Missbrauch“ und werden in der Fachpraxis und in der Wissenschaft häufig anstelle von „sexuellem Missbrauch“ verwendet.1
    • Die Formulierung „sexuelle Gewalt“ stellt heraus, dass es sich um Gewalt handelt, die mit sexuellen Mitteln ausgeübt wird.
    • Der Begriff „sexualisierte Gewalt“ geht noch einen Schritt weiter und verdeutlicht, dass bei den Taten Sexualität funktionalisiert, also benutzt wird, um Gewalt auszuüben.
    • In Deutschland wird jedoch eher der Begriff „sexueller Missbrauch“ in der breiten Öffentlichkeit, in den Medien und von vielen Betroffenen verwendet.
    • Auch das Strafgesetzbuch spricht von sexuellem Missbrauch.
  • Sexualisierte Gewalt ist ein Oberbegriff, der ein breites Spektrum von sexuellen Handlungen abdeckt, die gegen den Willen einer Person verstoßen.
    • Berühren/Anfassen, Masturbation, versuchtes und/oder vollendetes Eindringen in Körperöffnungen mit dem Penis, mit einem Finger oder Gegenstand.
    • Sexuelle Handlungen ohne direkten körperlichen Kontakt.
    • Auf das Opfer kann auf verschiedene Weise Zwang ausgeübt werden: körperlich durch Gewaltmittel und Kraftausübung, psychisch durch Drohungen, Druckmittel, Drogen, Manipulation, Ausnutzung einer Macht- oder Autoritätsposition.
  • Sexualisierte Gewalt lässt sich auf unterschiedliche Weise kategorisieren:
    • Alter beim Übergriff (Kinder, Jugendliche, Erwachsene, ältere Menschen)
    • Beziehung zwischen Opfer und Täter (z. B. fremd, bekannt, vertraut)
    • Häufigkeit (ist es einmal oder mehrmals zu Übergriffen gekommen)
    • Lebenssituation (lebt das Opfer weiterhin in einer Beziehung, in der es zu Übergriffen kommt).
  • Vergewaltigung
    • Eine Vergewaltigung liegt vor, wenn der Täter mit dem Opfer den Beischlaf vollzieht, ähnliche sexuelle Handlungen am Opfer vornimmt oder an sich vom Opfer vornehmen lässt, die das Opfer besonders erniedrigen. Dies gilt insbesondere, wenn diese Handlungen mit einem Eindringen in den Körper verbunden sind. Auch die Ausübung von Gewalt auf das Opfer und die Überwindung von Widerstand durch Drohung oder das Mitführen einer Waffe werden berücksichtigt.
  • Das deutsche StGB regelt die Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und verschiedene Sexualstraftaten im Detail.
    • Aufgrund der schwierigen rechtlichen Abgrenzung der einzelnen Straftaten sollte ärztliches Personal oder Pflegepersonal den Begriff der Vergewaltigung sowie Erklärungen usw. in der Anamnese vermeiden. Dagegen sollte versucht werden, den Ablauf des Vorfalls möglichst konkret zu erfassen.
  • Sexualisierte Gewalt gegenüber Kindern
    • Ein Kind wird sexualisierter Gewalt ausgesetzt, wenn es in sexuelle Handlungen einbezogen wird, denen es aufgrund körperlicher, seelischer, geistiger oder sprachlicher Unterlegenheit nicht zustimmen kann.2
    • Sexueller Missbrauch an und mit Kindern unter 14 Jahren ist in Deutschland immer strafbar. Eine Anzeigepflicht gibt es nicht. Dennoch sind vor allem Eltern und andere Bezugspersonen verpflichtet, im Missbrauchsfall Hilfe zu leisten.1
  • Zur Dokumentation von Verletzungen oder Spurensicherung siehe Rechtsmedizinische Untersuchung

Diagnostik

Therapie

Verlauf, Komplikationen und Prognose

Verlaufskontrolle

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Patienteninformation