Akute Gelenkverletzung, Verstauchung

Die sogenannte PECH-Regel umfasst die Behandlungsmaßnahmen, die bei Muskel- und Gelenkverletzungen zu ergreifen sind, um den Schaden zu begrenzen.

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Diagnostik einer Verstauchung

Eine Verstauchung (Distorsion) entsteht durch die Überdehnung eines oder mehrerer Bänder des betroffenen Gelenks. Dabei können die Gelenkbänder überdehnt (Zerrung), angerissen oder komplett durchtrennt sein.

Bei einer Gelenkverletzung kommt es in der Regel zu einer schnellen und starken Schwellung, die sehr schmerzhaft sein kann. Häufig gibt der Beschwerdegrad Aufschluss darüber, wie schwer die Verletzung ist.

Eine leichte Gelenkverletzung können Sie normalerweise selbst behandeln. Zum Ausschluss von Knochenverletzungen sollte aber eine ärztliche Untersuchung erfolgen. Zusätzliche Hinweise auf die Art der Verletzung kann eine Ultraschalluntersuchung geben. Röntgenaufnahmen können bei Verdacht auf eine Fraktur durchgeführt werden. MRT und CT sind nur in Ausnahmefällen zum Nachweis von Begleitverletzungen nötig.

Behandlung

Die Behandlungsratschläge gelten für folgende Verletzungen:

  • Bänderdehnung im Fußgelenk, z. B. durch Einknicken
  • Bänderdehnung im Knie, z. B. durch Verdrehung (Kreuzbandzerrung)
  • Verstauchung des Handgelenks, z. B. wenn man einen Fall abzufangen versucht.
  • Verstauchung eines Fingergelenks, z. B. beim Annehmen des Balls im Ballsport.

PECH-Regeln

Unterbrechen Sie die aktuelle Tätigkeit und folgen Sie in den ersten 2–4 Tagen den PECH-Regeln:

  • P – Pause
    • Das verletzte Gelenk sollte ruhiggestellt und entlastet werden.
    • Die ersten Tage nach der Verletzung sollten Sie den betroffenen Körperteil schonen, indem Sie z. B. Gehhilfen wie Krücken nutzen.
  • E – Eis
    • Das verletzte Gelenk sollte gekühlt werden. Eis oder Kältepackungen sollten niemals auf die nackte Haut gelegt, sondern stets zuvor in ein Handtuch eingewickelt werden.
    • Ist kein Eis zur Hand, kann auch ein in kaltes Wasser getränktes Handtuch zum Kühlen genutzt werden.
  • C – Compression
    • Legen Sie mithilfe eines elastischen Verbands o. Ä. einen Kompressionsverband an.
  • H – Hochlagern
    • Das verletzte Gelenk sollte erhöht gelagert werden, sodass es sich oberhalb des restlichen Körperniveaus befindet.

Unterstützende Maßnahmen

Für mindestens 5 Wochen sollte eine Schiene das verletzte Gelenk unterstützen. Dabei ist Vollbelastung möglich. Beim Sport sollte für 6 Monate eine Schiene oder ein Tape-Verband getragen werden.

Physiotherapie ist ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung und Regeneration. Eine frühzeitige Durchführung von Übungen ohne Belastung bereits in den ersten Tagen nach der Verletzung sorgt für einen schnelleren Funktionsrückgewinn.

Operation

Eine Operation ist im Normalfall nicht notwendig. Sie kann bei besonders schweren Verletzungen oder fehlendem Ansprechen auf die konservative Behandlung erforderlich werden.

Medikamente

Wenn nötig, nehmen Sie entzündungshemmende Schmerzmedikamente ein (NSAR). Diese sind sowohl rezeptfrei als auch verschreibungspflichtig erhältlich.

Prognose

Als mögliche Komplikation kann eine chronische Instabilität des betroffenen Gelenkes zurückbleiben, beispielsweise bei einer Ruptur des Außenbandes. Insgesamt ist die Prognose jedoch gut. Etwa 80 % der Patienten erreichen eine vollständige Genesung ohne bleibende Beschwerden. Bis zu 90 % der Betroffenen können nach 12 Monaten wieder ihren ursprünglichen Sport ausüben.

Weitere Informationen

Autoren

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Sprunggelenksverletzung, akute. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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