Barotrauma und Dekompressionskrankheit beim Tauchen

Das Barotrauma (Druckverletzung) und die Dekompressionskrankheit (auch Taucherkrankheit oder Druckfallkrankheit genannt) sind Schäden, die man während eines Tauchgangs aufgrund der Druckveränderungen unter Wasser erleiden kann.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Was sind Barotrauma und Dekompressionskrankheit?

Barotrauma und Dekompressionskrankheit sind Schäden, die beim Tauchen auftreten können. Die Ursache ist, dass sich der Wasserdruck ändert, der den Körper umgibt. Auf Meereshöhe beträgt der normale Druck auf den Körper eine (1) Atmosphäre. Einfach ausgedrückt, ist dieser Druck das Gewicht der Partikel in der Atmosphäre über uns. In zehn Metern Tiefe ist dieser Druck aufgrund des Wassergewichts bis auf zwei Atmosphären gestiegen. In 20 m Tiefe beträgt der Druck dann drei Atmosphären, und so weiter.

Verschiedene Arten von Barotraumen

Barotrauma ist ein Sammelbegriff für alle Arten von physikalischen Schädigungen an Körpergeweben infolge von Druckunterschieden. Beispiele für davon betroffene Körperteile sind das Mittelohr, die Nasennebenhöhlen, Zahnplomben, Gedärme, Lunge und Haut.

Barotraumen treten auf, weil sich die Luft (Gas) in den Körperhöhlen an den steigenden Umgebungsdruck anpasst (verdichtet), und beim Auftauchen wieder ausdehnt (dekomprimiert). Man fühlt die Kompression während des Abtauchens als Druck in den Ohren, was beim Tauchen ganz normal ist. In ähnlicher Weise können große Druckunterschiede die Nebenhöhlen oder Zahnfüllungen betreffen. Manchmal können diese Druckunterschiede zu Schädigungen des Mittelohres oder Innenohrs führen. Diese Barotraumen sind Beispiele für zwar schmerzhafte, aber in den meisten Fällen relativ harmlose Schäden.

Manchmal können die Druckunterschiede zu einem Überdruck in der Lunge führen, wobei Luftblasen in den Blutkreislauf gelangen. Dies bezeichnet man als arterielle Embolie, da die Luftblasen mit dem Blut wandern, das gerinnen und wichtige Blutgefäße blockieren kann, wobei sie die Blutzufuhr zu Teilen des Gehirns oder des Herzens unterbrechen. Die arterielle Embolie ist eine der am meisten gefürchteten Komplikationen beim Tauchen und kann zu schweren Verletzungen und sogar zum Tod führen.

Dekompressionskrankheit

Die Dekompressionskrankheit, auch Taucherkrankheit oder Druckfallkrankheit genannt, entsteht aufgrund des Stickstoffgehalts in der Luft, von dem der Körper beim Tauchen (Tieftauchgang) höhere Mengen in Blut und Geweben aufnimmt. Im Gegensatz dazu wird der Luftsauerstoff beim Tauchen verbraucht. Beim Aufstieg wird der Stickstoff normalerweise langsam über die Lunge ausgeschieden, aber beim zu schnellen Aufstieg bilden sich Gasblasen (Stickstoffembolie) im Blut und in den Muskeln, Gelenken, der Lunge, sowie in Rückenmark, Gehirn und anderen Organen.

Wann ist die Gefahr am größten?

Insbesondere lange oder tiefe Tauchgänge und ein schneller Aufstieg erhöhen das Risiko von Schäden. Zu kurze Pausen zwischen hintereinander folgenden Tauchgängen und Flüge am ersten Tag nach dem Tauchen lassen das Risiko weiter ansteigen. Weitere Risikofaktoren sind Tauchen in kaltem Wasser, in hochliegenden Gewässern, Überanstrengung, eine schlechte Kondition, Restalkohol, zu wenig Flüssigkeitsaufnahme und Lungenerkrankungen (z. B. Asthma und COPD).

Symptome

Barotraumen und Dekompressionsschäden können zu vielfältigen Symptomen führen. Kleinere Schäden im Mittelohr oder Innenohr können unter anderem Schmerzen, Hörverlust, Klingeln in den Ohren, Schwindel, Übelkeit und Gleichgewichtsstörungen verursachen. Nebenhöhlenbeschwerden führen vor allem zu Kopfschmerzen.

Das Barotrauma der Lunge (arterielle Gasembolie) und die Dekompressionskrankheit können schwere Symptome, unter anderem in Gehirn und Rückenmark auslösen. Beispielsweise spürt man Stiche/Kribbeln in der Haut, bekommt ein Taubheitsgefühl/Gefühlsverlust, Sehstörungen, Verwirrungszustände, Bewusstseinsstörungen oder sogar ein Koma. Diese Symptome ähneln denen eines Schlaganfalls oder einer Rückenmarksverletzung und führen im schlimmsten Fall zum Tode. Schwere Lungensymptome können ebenfalls auftreten, einschließlich Schmerzen in der Brust und Atemnot. Weit verbreitet sind auch dumpfe Schmerzen in den Gelenken (in der Regel an Knie, Ellenbogen, Schulter, Knöchel) und Muskeln.

Therapie

Die Behandlung muss dem Verletzungsgrad angepasst werden. Bewusstlose Personen müssen eine Erste-Hilfe-Behandlung erhalten. Dabei bringt man die Person in die stabile Seitenlage und macht die Atemwege frei oder gibt möglicherweise eine Mund-zu-Mund-Beatmung mit Herzdruckmassage. Verletzte müssen ins Trockene gebracht werden, um eine Unterkühlung zu vermeiden. Rufen Sie 112, damit die Person so schnell wie möglich ins Krankenhaus kommt.

Bei einem schweren Barotrauma und einem Dekompressionsschaden ist eine Druckkammerbehandlung absolut notwendig. Dies bedeutet, dass die Person schnellstens in eine Druckkammer kommen muss, deren Druck einer Tiefe von 18 Metern entspricht. Dort wird der Druck allmählich in einer Weise reduziert, die einem sehr langsamen Aufstieg gleicht.

Selbst bei weniger starken Symptomen nach dem Tauchen sollte medizinischer Rat eingeholt werden. Dies hat den Grund, dass sich die Symptome noch Tage nach dem Tauchgang verschlimmern können.

Prognose

Die meisten rechtzeitig behandelten Personen werden ihre Symptome in großem Umfang los. Bleibende Schäden sind jedoch nicht auszuschließen.

In den schwersten Fällen sind die Schäden so massiv, dass die betroffene Person stirbt.

Vorbeugung von Tauchschäden

  • Folgen Sie der Dekompressions- oder Tauchtabelle und verwenden Sie einen Tauchcomputer.
  • Lassen Sie sich ausreichend Zeit zwischen Wiederholungstauchgängen.
  • Seien Sie besonders vorsichtig beim Tauchen in kalten oder hoch gelegenen Gewässern.
  • Vermeiden Sie Anstrengung, auch Stunden nach dem Tauchen.
  • Tauchen Sie nicht, wenn Sie krank oder verkatert sind.
  • Denken Sie daran, dass hohes Alter, Übergewicht, Austrocknung und niedrige Sauerstoffaufnahme das Risiko erhöhen.
  • Vermeiden Sie Flugreisen in den ersten ein bis zwei Tagen nach dem Tauchen.
  • Trinken Sie vor einem Tauchgang reichlich Wasser.
  • Personen mit Lungenerkrankungen wie Asthma oder COPD sollten nicht tauchen.
  • Tauchen Sie nicht allein.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Barotrauma und Dekompressionskrankheit. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Firth OM. Dysbarism. BMJ BestPractice, last updated Oct 23, 2012. bestpractice.bmj.com
  2. Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin. Tauchunfall. AWMF-Leitlinie Nr. 072-001, Stand 2014. www.awmf.org
  3. Hutter CD. Dysbaric osteonecrosis: a reassessment and hypothesis. Med Hypothesis 2000; 54: 589-90. PubMed
  4. Carturan D, Boussuges A, Burnet H, Fondarai J, Vanuxem P et al. Circulating venous bubbles in recreational diving: relationships with age, weight, maximal oxygen uptake and body fat percentage. Int J Sports Med 1999; 20: 410-14. PubMed
  5. Reuter M, Tetzlaff K, Hutzelmann A, Fritsch G, Steffens JC et al. MR imaging of the central nervous system in diving-related decompression illness. Acta Radiol 1997; 38: 940-4. PubMed
  6. Muth CM, Shank ES. Gas embolism. N Engl J Med 2000;342:476-482. New England Journal of Medicine
  7. MacDonald RD, O'Donnell C, Allan GM, et al. Interfacility transport of patients with decompression illness: literature review and consensus statement. Prehosp Emerg Care 2006;10:482-487. PubMed
  8. Tibbles PM, Edelsberg JS. Hyperbaric-oxygen therapy. N Engl J Med 1996; 334: 1642-7. PubMed
  9. Shupak A, Melamed Y, Ramon Y, Bentur Y, Abramovich A. Helium and oxygen treatment of severe air-diving-induced neurologic decompression sickness. Arch Neurol 1997; 54: 305-11. PubMed
  10. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Dortmund. Merkblätter und wissenschaftliche Begründungen zu den Berufskrankheiten der Anlage 1 zur Berufskrankheiten-Verordnung (BKV), zuletzt aktualisiert durch die Dritte Verordnung zur Änderung der Berufskrankheiten-Verordnung vom 22. Dezember 2014. Zugriff 24.1.2017. www.baua.de
  11. DGVU Formtexte für Ärzte: Ärztliche Anzeige bei Verdacht auf eine Berufskrankheit. www.dguv.de
  12. Mehrtens, G. Valentin, H. Schönberger, A. Arbeitsunfall und Berufskrankheit : rechtliche und medizinische Grundlagen für Gutachter, Sozialverwaltung S.878ff. Berlin: Erich Schmidt Verlag 9: Auflage, 2017.
  13. Whyte P. Decompression nillness in the tuna farm divers of South Australia. South Pacific Underwater Society Journal 2001; 31: 2-15. PubMed