Erste Hilfe am Unfallort

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Situation

  • Sie haben einen Verkehrsunfall erlebt oder kommen zu einem Unfallort.
  • Sichern Sie die Unfallstelle!
    • Fahren Sie den verunglückten Wagen falls möglich an den Fahrbahnrand und schalten Sie die Warnblinkanlage an.
    • Stellen Sie sicher, dass der Unfallort von mindestens 100 m aus sichtbar ist; stellen Sie Warndreiecke im Abstand von 100 m in beiden Richtungen vom Unfallort entfernt auf.
    • Befindet sich die Unfallstelle unmittelbar hinter einer Kurve oder einer Bergkuppe, stellen Sie das Warndreieck davor ab.
  • Notruf – 112 – alarmieren und den Anweisungen des Rettungspersonals folgen, bis der Krankenwagen am Unfallort eintrifft.
  • Ziehen Sie Ihre gelbe Warnweste an.
  • Verschaffen Sie sich einen groben Überblick über das Geschehen.
  • Achten Sie darauf, sich selbst nicht in Gefahr zu bringen, wenn Sie zum Unfallort kommen bzw. sich dort aufhalten. Überprüfen Sie die Unfallstelle auf Anzeichen von Rauch, Bränden oder gefährlichen Chemikalien.
  • Besteht unmittelbare Gefahr, dass Sie selbst zu Schaden kommen, warten Sie unbedingt, bis das Rettungspersonal – Notarzt, Polizei, evtl. Feuerwehr – eintrifft.
  • Besteht für Sie selbst keine Gefahr, leisten Sie ggf. Erste Hilfe (siehe unten).

Ihre Aufgaben

  • Eigen- und Fremdsicherung
  • Überblick verschaffen.
  • Notruf – 112 – alarmieren und den Anweisungen des Rettungspersonals folgen, bis der Krankenwagen am Unfallort eintrifft.
  • Andere um Mithilfe bitten.
  • Erste Hilfe leisten.

Erste Hilfe

  1. Eigen- und Fremdsicherung
    • Verschaffen Sie sich einen ersten Überblick und entscheiden Sie, welche Maßnahmen zur Sicherung der Unfallstelle eventuell notwendig sind.
    • Ist die Gefahrenzone gesichert, beurteilen Sie den Zustand möglicherweise verletzter Personen.
    • Gibt es Verletzte, besteht weiterhin Gefahr oder handelt es sich um einen größeren Unfall, z. B. die Kollision mehrerer Fahrzeuge oder einen Brand, alarmieren Sie den Notruf unter der Nummer 112.
  2. Zustand des/der Verletzten einschätzen.
    • Überprüfen Sie, wie viele Personen verletzt sind.
    • Beurteilen Sie, wer am schwersten verletzt ist. Kümmern Sie sich zuerst um Personen, die nicht ansprechbar sind – sie sind möglicherweise bewusstlos.
    • Führen Sie einen Notfallcheck durch.
    • Ist der Verletzte bewusstlos, bereiten Sie sich darauf vor, mit Wiederbelebungsmaßnahmen zu beginnen (Laien: Kinder/Erwachsene, ärztliches Personal: Kinder/Erwachsene)
  3. Hilfe herbeirufen.
    • Findet sich Verletzte unter den Unfallopfern, informieren Sie den Notruf unter der Nummer 112 und geben Sie an, wie viele Personen zu Schaden gekommen sind.
    • Wenn möglich, bitten Sie jemand anderen zu telefonieren, während Sie mit den Erste-Hilfe-Maßnahmen beginnen.
  4. Erste Hilfe leisten.
    • Befindet sich unter den Unfallopfern eine schwer verletzte oder bewusstlose Person, so prüfen Sie sorgfältig deren Zustand: Ist die Person ansprechbar? Atmet die Person? Lässt sich ein Puls fühlen?
    • Sorgen Sie dafür, dass der Betreffende frei atmen kann: Entfernen Sie evtl. vor dem Gesicht liegende Polster, Decken oder Ähnliches. Drücken Sie den Kopf vorsichtig nach hinten, sodass sich der Mund etwas öffnet, entfernen Sie ggf. Erbrochenes etc. aus dem Mund.
    • Aber Achtung! Bewegen Sie die Halswirbelsäule eines Verletzten möglichst nicht gegenüber dem Oberkörper (s. unten).
    • Atmet der Verletzte, so bringen Sie ihn vorsichtig in die stabile Seitenlage, sodass Speichel, Blut oder andere Flüssigkeiten aus dem Mund abfließen können und nicht in die Luftröhre gelangen.
    • Ist der Verletzte nicht ansprechbar und atmet er nicht, beginnen Sie mit Maßnahmen zur Wiederbelebung (Kinder/Erwachsene). Am besten führt ein Helfer die Beatmung, ein anderer die Herzdruckmassage durch.
    • Behandeln Sie möglichst rasch lebensbedrohliche Verletzungen wie starke Blutungen bzw. bitten Sie andere Helfer dies zu tun.
    • Bitten Sie andere Personen darum, die weniger schwer Verletzten zu versorgen oder die notwendige Ausrüstung zu besorgen (z. B. Decken zum Warmhalten). Auch diese Personen sollten beobachtet werden, weil sich ihr Zustand möglicherweise plötzlich verschlechtern kann.
  5. Überwachen der Vitalfunktionen
    • Überprüfen Sie bis zum Eintreffen des Rettungspersonals in regelmäßigen Abständen (wenige Minuten) die Vitalfunktionen der Schwerverletzten: Bewusstsein (ansprechen!), Puls und Atmung; bzw. fahren Sie möglichst bis zum Eintreffen des Notarzts mit der Wiederbelebung fort.
    • Teilen Sie dem Rettungspersonal die entsprechenden Informationen mit.

Wichtige Tipps

  • Sichern der Unfallstelle
    • Im Falle eines Autounfalls sollten Sie die Gefahrenzone in beide Richtungen mit Warndreiecken absichern. Stellen Sie die Warndreiecke mindestens 100 m von der Unfallstelle entfernt auf, bei Kurven oder Erhöhungen jeweils vor Beginn der unüberschaubaren Wegstrecke.
  • Verletzte möglichst nicht bewegen.
    • Belassen Sie die Unfallopfer möglichst an Ort und Stelle und leisten dort Erste Hilfe.
    • Bewegen Sie die Verletzten nicht, wenn es nicht unbedingt nötig ist. Ausnahme: Sie müssen die Personen außer Gefahr bringen.
    • Falls eine verletzte oder bewusstlose Person bewegt werden muss: Sorgen Sie dafür, dass Kopf und Nacken möglichst stabil bleiben und sich im Verhältnis zum Körper nicht bewegen. Stellen Sie sicher, dass die Atemwege frei sind und der Verletzte weiterhin atmet.

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen