Wie funktioniert die Wiederbelebung?

Bei einem Atem- und Kreislaufstillstand kommt es im Körper zum Sauerstoffmangel. Das Gehirn reagiert auf einen Sauerstoffmangel besonders empfindlich. Es drohen ernste Hirnschäden oder gar der Tod, wenn die Sauerstoffversorgung nicht rechtzeitig wieder gewährleistet ist.

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Sauerstoffmangel

Bei einer bewusstlosen, verletzten Person können Atmung und Kreislauffunktion beeinträchtigt sein. Dadurch werden sämtliche Zellen des Körpers nur unzureichend mit Sauerstoff versorgt. In einem solchen Fall verringern sich die Überlebenschancen innerhalb weniger Minuten dramatisch. Mithilfe der Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW) kann die Sauerstoffversorgung aufrechterhalten werden, bis das Rettungspersonal vor Ort ist. Die HLW besteht aus folgenden Maßnahmen:

  • dem Freihalten der Atemwege,
  • der Atemspende mittels Mund-zu-Mund-Beatmung und
  • der Herzdruckmassage zur Aufrechterhaltung der Kreislauffunktion.

WICHTIG: Sobald Sie einen bewusstlosen Menschen auffinden, der nicht mehr atmet, rufen Sie den Notruf 112 oder beauftragen einen 2. Helfer damit, während Sie mit der Wiederbelebung beginnen.

Atemwege freihalten

Bei einer Bewusstlosigkeit ist die gesamte Muskulatur erschlafft, weshalb die Zunge nach hinten fallen und die Atemwege blockieren kann. Dadurch wird die Atmung deutlich erschwert oder sogar völlig verhindert – der Bewusstlose droht zu ersticken. Indem Sie seinen Kopf nach hinten neigen und das Kinn anheben, wird die Zunge verlagert und versperrt die Luftröhrenöffnung nicht mehr. Wenn der Betroffene nicht eigenständig atmet (kein Atem zu spüren), beginnen Sie mit der Atemspende.

Atemspende

Die Luft, die wir ausatmen, enthält rund 16 % Sauerstoff, also 5 % weniger als die Luft, die wir einatmen. Mithilfe der Mund-zu-Mund-Beatmung können Sie Luft in die Atemwege einer bewusstlosen Person „pressen“, die immer noch einen recht hohen Sauerstoffgehalt aufweist. In den Lungenbläschen (Alveolen) der Lunge angekommen, wird der Sauerstoff mittels Gasaustausch an das Blut in den feinen, die Lungenbläschen umgebenden Blutgefäßen (Kapillaren) abgegeben. Das sauerstoffreiche Blut wird anschließend über das Herz in den Körperkreislauf befördert und an die Zellen des Körpers abgegeben.

Bei der Atemspende sollten Sie Ihre ausgeatmete Luft langsam, aber mit Druck etwa 1–2 Sekunden in die Luftröhre des Betroffenen blasen, bis sich dessen Brustkorb hebt. Haben Sie einen bewusstlosen, nicht atmenden Menschen vor sich, sollten Sie zunächst 30 Herdruckmassagen vornehmen (s. unten), danach 2 Atemspenden – und in diesem Rhythmus fortfahren .

Kreislauffunktion wiederherstellen

Herzkompression

Hört das Herz auf zu schlagen, so kommt es zu einem Kreislaufstillstand. Es wird kein sauerstoffreiches Blut mehr in den Körperkreislauf gepumpt und die Sauerstoffversorgung lebenswichtiger Organe wie des Gehirns kommt zum Erliegen. Die Herzdruckmassage funktioniert wie eine mechanische Pumpe, die dafür sorgt, dass trotz funktionslosem Herz weiterhin eine gewisse Menge Blut durch den Kreislauf strömt. Wenn Sie auf die untere Hälfte des Brustbeins senkrecht Druck ausüben, werden Brustkorb und Herz komprimiert und das im Herzen befindliche Blut in den Körperkreislauf gepresst. Nimmt der Druck ab, so hebt sich der Brustkorb wieder und das Herz füllt sich erneut mit Blut. Auf diese Weise gewährleistet die Herzdruckmassage, dass sämtliche Bereiche des Körpers zumindest mit einer geringen Menge an Sauerstoff versorgt werden. Diese, wenn auch minimale, Sauerstoffversorgung kann einer bewusstlosen Person das Leben retten.

Durchführung: Wie auf dem Foto zu sehen, kniet sich der Helfer neben den Brustkorb der bewusstlosen Person. Diese sollte auf einer harten Unterlage liegen. Der Helfer legt beide Handflächen übereinander auf das Brustbein und drückt in schnellem Rhythmus (etwa 100-mal pro Minute) den Brustkorb eines Erwachsenen 5–6 cm herunter (bei Kindern entsprechend weniger) (Bewusstlosigkeit bei Kindern). 

Um Atemspende und Herzdruckmassage optimal zu verbinden, sollte der Helfer mit 30 Herzdruckmassagen beginnen. Daran schließen sich 2 Atemspenden an. Dabei ist zu prüfen, ob sich der Brustkorb des Patienten hebt, Luft also tatsächlich in dessen Lungen strömen kann. Anschließend sollte wieder 30-mal Druck auf das Herz ausgeübt werden (Verhältnis von 2 Atemspenden zu 30 Herzdruckmassagen). Ist ein zweiter Helfer anwesend, sollte einer die Herzdruckmassage ausführen, der andere die Atemspende – bei Kindern gilt dann ein Verhältnis von 15:2; ansonsten weiterhin 30:2.

Ist ein Defibrillator vorhanden, schließen Sie das Gerät an, aktivieren es und folgen der Ansage.

Beginnt der Betroffene zu atmen, stoppen Sie die Maßnahmen und beobachten ihn; ansonsten fahren Sie fort, bis der Notarzt kommt.

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Medizinjournalistin, Bremen