Fremdkörper in den Atemwegen

Ein Fremdkörper in den Atemwegen kann die Luftzufuhr blockioeren und zum Ersticken führen. Da die Betroffenen anfangs bei Bewusstsein sind und reagieren, besteht oft die Möglichkeit zur frühzeitigen, lebensrettenden Hilfe.

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"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

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Ursachen

Bei Erwachsenen

  • Erwachsene bekommen häufig etwas „in den falschen Hals“, weil das Essen nicht ausreichend gekaut wurde und sich im Rachen oder in der Luftröhre festsetzt.
  • Festes Essen wie Fleisch ist die häufigste Ursache.
  • Personen, die sich verschluckt haben, haben häufig zuvor beim Kauen geredet.
  • Alkoholeinfluss erhöht das Risiko, dass beim Essen etwas in die Luftwege gerät.
  • Dies gilt auch für Zahnprothesen, da diese ein gründliches Kauen erschweren und das natürliche Gefühl von Essen im Mund (und damit einen normalen Schluckvorgang) beeinträchtigen können.

Bei kleinen Kindern

  • Kleinkinder können sich alles Mögliche in den Mund stecken. Bei Kindern können sich auch unabhängig von den Mahlzeiten Fremdkörper im Rachen festsetzen.

Symptome und Beschwerdebilder

  • Sich zu verschlucken, d. h. Fremdkörper in die Luftwege zu bekommen, geht mit akuten Atembeschwerden und kräftigem Husten, nicht selten mit Panik einher.
  • Die Gesichtszüge der Person verziehen sich, nehmen einen panischen Ausdruck an.
  • Falls der Fremdkörper die Luftzufuhr komplett blockiert, wird die Person rot im Gesicht, die Augen treten hervor, die Atmung wird keuchend, und sie schnappt nach Luft. Kurz darauf kann die Person blau werden (wegen des Sauerstoffmangels) und das Bewusstsein verlieren.

Bewerten Sie Folgendes:

  • Fremdkörper können die Atemwege nur teilweise oder sogar komplett blockieren.
  • Wenn die Person ungehindert hustet, eine normale Hautfarbe hat und sprechen kann, besteht keine Gefahr – im schlimmsten Fall handelt es sich um eine teilweise Blockierung der Atemwege.
  • Gleicht der Husten mehr einem Keuchen und die Person wird blau, ist dies ein Anzeichen dafür, dass sie aufgrund einer kompletten Blockierung der Luftwege dabei ist zu ersticken.
  • Wenn Sie unsicher sind, kontrollieren Sie, ob der/die Betroffene sprechen kann. Falls ja, ist dies ein Zeichen dafür, dass die Luftröhre nicht komplett blockiert ist und dass Sauerstoff in die Lungen gelangt.
  • Ein typisches Zeichen dafür, dass sich eine Person verschluckt hat, ist, dass sie sich mit ausgestreckten Fingern an den Hals greift.

Behandlung

  1. Es ist wichtig, den ansprechbaren Patienten zu fragen, etwa: „Haben Sie einen Erstickungsanfall?“
    • Bei einem Patient, der antwortet, hustet und atmet, besteht keine Lebensgefahr.
    • Kann er nicht sprechen, nur schwer husten, ringt er nach Luft oder kann nicht atmen, besteht akute Lebensgefahr.
  2. Starkes Husten befördert den Fremdkörper manchmal aus der Luftröhre und nach außen. Ist das Husten aber wirkungslos, geben Sie 5 Rückenschläge:
    • Stellen Sie sich seitlich etwas hinter die Person.
    • Stützen Sie von vorne den Brustkorb mit einer Hand ab und beugen Sie die Person nach vorne.
    • Führen Sie mit dem Ballen Ihrer Hand 5 kräftige Schläge zwischen die Schulterblätter durch.
  3. Heimlich-Handgriff: Sind die Rückenschläge wirkungslos, geben Sie 5 Oberbauchstöße:
    • Stellen Sie sich hinter den Patienten und legen beide Arme um den Oberbauch.
    • Lehnen Sie den Patienten nach vorne; ballen Sie die Faust und legen Sie sie zwischen Nabel und Brustkorb.
    • Greifen Sie diese Hand mit ihrer anderen Hand und ziehen Sie kräftig nach innen und oben.
    • Wiederholen Sie dies bis zu 5-mal.
    • Falls der Fremdkörper immer noch nicht ausgeworfen wurde, fahren Sie abwechselnd mit 5 Rückenschlägen und 5 Oberbauchstößen fort.
  4. Tasten Sie nicht blind mit dem Finger den Mundraum eines Kindes ab. Versuchen Sie den Fremdkörper zu orten und versuchen Sie nur dann, ihn zu entfernen, wenn Sie ihn sehen können.

Bei Kindern unter 1 Jahr: wach, aber mit deutlichen Atembeschwerden

  1. Legen Sie das Kind auf den Bauch über Ihren Arm, sodass der Kopf nach unten hängt.
    1. Klopfen Sie mit der Handfläche 5-mal fest zwischen die Schulterblätter.
    2. Drehen Sie das Kind auf den Rücken und führen Sie mit zwei Fingern fünf schnelle/feste Kompressionen in der Mitte des Brustkorbs zwischen den Brustwarzen aus.
    3. Öffnen Sie den Mund des Kindes und versuchen Sie, Fremdkörper zu entfernen.
  2. Falls das Kind nach wie vor nicht atmet oder schreit, aber bei Bewusstsein ist:
    1. Wiederholen Sie fünf Schläge auf den Rücken und fünf Brustkompressionen, bis sich der Fremdkörper löst, oder bis der Patient das Bewusstsein verliert.
    2. Legen Sie das Kind mit dem Kopf nach unten über Ihr Knie. Legen Sie eine Hand auf den Rücken und eine Hand unter Brust und Magen des Kindes, wenn Sie das Kind zum Wechsel zwischen Rückenschlägen und Brustkompressionen wenden.
  3. Bei Bewusstlosigkeit:
    1. Beginnen Sie mit HLW mit 30:2 – 2 Atemspenden und 30 Herzdruckmassagen.
    2. Prüfen Sie vor jedem Durchgang mit 2 Atemspenden, ob Fremdkörper im Mund erkennbar sind.
  4. Falls das Kind spricht oder schreit:
    1. Suchen Sie nach Fremdkörpern im Mund.
    2. Legen Sie das Kind auf die Seite.

Bei Kindern unter 1 Jahr: bewusstlos

  1. Holen Sie Hilfe, rufen Sie 112
  2. Beginnen Sie die Mund-zu-Mund-Beatmung:
    1. Den Kopf nach hinten überstrecken.
    2. Beatmen Sie zweimal vorsichtig und kontrollieren Sie, ob sich der Brustkorb hebt
    3. Falls der Patient weiterhin bewusstlos ist, beginnen Sie mit der Herzdruckmassage
      • Mit Wiederbelebung weitermachen (30:2), wobei zwischen 2 Atemspenden und 30 Herzdruckmassagen gewechselt wird. (Bei 2 Helfern gilt ein Verhältnis von 15:2)
      • Prüfen Sie vor jedem Durchgang mit 2 Atemspenden, ob sich Fremdkörper im Mund befinden.

Bei Kindern über 1 Jahr: wach, aber mit deutlichen Atembeschwerden

  1. Falls der Patient effektiv husten kann, halten Sie das Kind unter Aufsicht und ermuntern Sie es, weiter zu husten.
  2. Falls der Patient nicht hustet oder spricht (aber bei Bewusstsein ist):
    • Geben Sie fünf Schläge auf den Rücken zwischen die Schulterblätter. Kleine Kinder liegen auf dem Bauch auf Ihrem Schoß, größere Kinder oder Erwachsene stehen leicht nach vorne gebeugt (falls möglich).
  3. Falls der Patient weiterhin nicht atmet, hustet oder schreit:
    • Stellen Sie sich hinter den Patienten, legen Sie Ihre Arme um den obersten Teil seines Bauchs, ballen Sie die eine Hand zur Faust und legen Sie die andere darüber, drücken Sie schnell und kräftig fünfmal nach oben unter das Zwerchfell (Heimlich-Manöver).
    • Wechseln Sie zwischen fünf Schlägen auf den Rücken und fünf Kompressionen des Magens, bis sich der Fremdkörper löst oder der Patient bewusstlos wird.
    • Entfernen Sie die Fremdkörper, die Sie im Mund des Patienten erkennen können.
  4. Falls der Patient das Bewusstsein verliert:
    1. Rufen Sie den Notarzt (112)
    2. Beginnen Sie mit der Herzdruckmassage (keine Kompressionen des Magens) und führen Sie eine herkömmliche HLW durch (30:2).
    3. Zwei Atemspenden gefolgt von 30 Herzdruckmassagen:
      • Prüfen Sie vor jedem Durchgang mit zwei Atemspenden, ob sich Fremdkörper im Mund befinden.
    4. Fahren Sie damit fort, bis Hilfe kommt.

Bewusstlosigkeit bei Kindern über einem Jahr und Erwachsenen

  • Holen Sie Hilfe, rufen Sie 112.
  • Legen Sie den Patienten auf den Rücken. Sorgen Sie dafür, dass die Atemwege frei sind, indem Sie den Kopf leicht nach hinten strecken und das Kinn anheben.
  • Prüfen Sie, ob der Patient normal atmet. Entfernen Sie sichtbare Fremdkörper aus dem Mund.
  • Falls der Patient nicht normal atmet:
    • Starten Sie Wiederbelebung mit 30 Herzdruckmassagen und 2 Atemspenden (30:2). Sind 2 Helfer zur Stelle, kann bei Kindern <8 Jahren ein Verhältnis von 15:2 angewendet werden.
    • Prüfen Sie vor jedem Durchgang mit 2 Atemspenden, ob sich Fremdkörper im Mund befinden.

Heimlich-Manöver, an Ihnen selbst ausgeführt

  • Platzieren Sie Ihre Faust etwas oberhalb des Bauchnabels.
  • Greifen Sie die Faust mit der anderen Hand und führen Sie eine ruckartige Bewegung nach oben in Richtung Magen aus, bis sich der Fremdkörper löst.
  • Alternativ können Sie sich nach vorne über die Lehne eines Stuhls beugen, um die gleiche Wirkung zu erzielen.

Rufen Sie 112 an!

  • Falls das Heimlich-Manöver missglückt, müssen Sie unmittelbar 112 anrufen, um medizinische Hilfe anzufordern.
  • Lassen Sie die Person nicht unbeaufsichtigt.
  • Auch wenn Sie aufgeregt sind, ist es wichtig, dass Sie versuchen, am Telefon beherrscht und effizient zu bleiben. Folgende Checkliste sollten Sie im Kopf haben:
    1. Geben Sie an, wer anruft und von wo.
    2. Was ist passiert?
    3. Genauer Ortsangabe, ggf. Treffpunkt vereinbaren.
    4. Missverständnisse vermeiden, lassen Sie sich Ihre Meldung bestätigen.

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Literatur

  1. Deutscher Rat für Wiederbelebung. Reanimation 2015 - Leitlinien kompakt. Ulm 2015 www.grc-org.de

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Medizinjournalistin, Bremen