Verschluckter Fremdkörper bei Kindern

Besonders Kleinkinder im Alter von sechs Monaten bis drei Jahren stecken viel in den Mund. Auch größere Kinder verschlucken manchmal versehentlich oder auch absichtlich einen Fremdkörper. In vielen Fällen wird dieser ohne Komplikationen wieder ausgeschieden; solche Fremdkörper können aber auch zu ernsten Problemen führen.

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In vielen Fällen gelangt ein verschluckter Fremdkörper (etwa ein Stück Holz oder eine Plastikkugel) durch die Speiseröhre in den Verdauungstrakt und wird problemlos wieder ausgeschieden. Mitunter kann es aber passieren, dass ein Fremdkörper in der Speiseröhre stecken bleibt. In seltenen Fällen können auch weiter unten im Magen-Darm-Trakt Probleme auftreten. Laut amerikanischen Forschungsergebnissen kommt es bei weniger als einem Prozent der Kleinkinder, die einen Fremdkörper verschluckt haben, zu schwerwiegenden Komplikationen. Schätzungen zufolge bleiben etwa 40 % der Vorfälle, in denen Fremdkörper verschluckt werden, unentdeckt. In vielen Fällen zeigen die betroffenen Kleinkinder keinerlei Symptome. Dies ist etwa bei der Hälfte der Kinder der Fall, die nachweislich einen Fremdkörper verschluckt haben.

Auch wenn das Risiko für Komplikationen bei scharfkantigen Objekten erhöht ist, durchwandern selbst diese den Verdauungstrakt oftmals ohne Probleme. Vor Einführung der Endoskopie (Untersuchungsmethode, bei der ein dünnes, biegsames Rohr über die Speiseröhre eingeführt wird, das mit einer Lichtquelle und einer Kamera versehen ist) gelangten 93–99 % der stumpfen Objekte völlig unproblematisch durch den Magen-Darm-Trakt, ein chirurgischer Eingriff war nur in etwa 1 % der Fälle erforderlich. Heutzutage wird in 10–20 % der Fälle eine Endoskopie durchgeführt und der verschluckte Fremdkörper im Zweifelsfall entfernt.

Probleme können nämlich zum einen große Fremdkörper machen, wenn sie stecken bleiben, oder scharfe, die Verletzungen verursachen können. Zudem gibt es auch kleine gefährliche Fremdkörper, die möglichst schnell entfernt werden sollten, z. B. Batterien in der Speiseröhre oder mehrere Magnete.

Ein Fremdkörper, der den Magen-Darm-Trakt durchläuft, gelangt der Reihe nach durch folgende Organe: Rachen, Speiseröhre, Magen, Zwölffingerdarm, Dünndarm, Dickdarm und Enddarm.

Symptome

Fremdkörper, die die Speiseröhre problemlos durchwandert haben, rufen normalerweise keine Symptome hervor. Bleibt ein verschlucktes Objekt in der Speiseröhre stecken, kann dies ebenfalls ohne Beschwerden einhergehen oder aber zu Symptomen wie Erbrechen, Würgen, andauerndem Speichelfluss, Schluckbeschwerden, Atembeschwerden mit pfeifenden Atemgeräuschen oder generelle Reizbarkeit und Verhaltensauffälligkeiten führen.

Gerade Kinder mit Behinderungen oder geistiger Retardierung verschlucken oft versehentlich Fremdkörper, können dann aber nicht erklären, was passiert ist. Daher gilt es, diese mögliche Ursache für Auffälligkeiten wie vermehrten Speichelfluss, Unruhe, Nervosität etc. in Betracht zu ziehen. Größere Kinder verschlucken Fremdkörper gelegentlich auch absichtlich, möglicherweise auch in suizidaler Absicht. 

Hat das Kind Atemprobleme, hustet oder kann nicht mehr sprechen, so ist der Gegenstand wahrscheinlich in die Luftröhre gelangt. Hier besteht Lebensgefahr; Hinweise hierzu finden sich unter Fremdkörper, Atemwege.

Mögliche Komplikationen

In der Regel kommt es nur selten zu Komplikationen. In einigen wenigen Fällen kann es allerdings passieren, dass ein verschluckter Fremdkörper die Wand der Speiseröhre durchstößt (perforiert) oder verätzt. Es handelt sich um einen lebensbedrohlichen Zustand. Im Magen-Darm-Trakt kann es ebenso zu Perforationen oder Verätzungen kommen. Typische Symptome sind Fieber, Bauchschmerzen und Empfindlichkeit. Ein Fremdkörper, der über längere Zeit in der Speiseröhre festsitzt, kann beim Kind Unbehagen hervorrufen und wiederkehrende Lungenentzündungen sowie bleibende Schäden in der Speiseröhre nach sich ziehen.

Ist der Darm durch einen Fremdkörper blockiert (Obstruktion), führt dies zu einem aufgeblähten Bauch, der schmerzt und empfindlich ist. Am häufigsten bleiben Fremdkörper in folgenden Bereichen des Verdauungstrakts stecken: unterer Teil des Schlundes, mittleres Drittel der Speiseröhre, unterer Schließmuskel der Speiseröhre, Magenausgang (Pförtner), Übergang zwischen Dünn- und Dickdarm (Blinddarm).

Mehrere Magnete können durch ihre magnetische Anziehung zu schweren Schäden der Wände des Verdauungstrakts führen. Liegen zwei Batterien nahe beieinander, kann Strom fließen und das Gewebe verletzen. Zudem können aus Batterien auch Lauge oder andere gefährliche Substanzen austreten. 

Diagnostik

Viele Arten von Fremdkörpern sind auf einem Röntgenbild nicht zu erkennen, weil sie durch die Röntgenstrahlen nicht abgebildet werden. Fremdkörper aus Holz, Kunststoff und Glas sowie Fischgräten und kleine Knochensplitter sind auf den Röntgenbildern z. B. oft nicht erkennbar oder in Essensresten „versteckt". Trotzdem steht eine Röntgenuntersuchung bei den Untersuchungsmaßnahmen normalerweise an erster Stelle. Die meisten Fremdkörper, die Probleme bereiten können, sind nämlich im Röntgenbild darzustellen. Bei Verdacht auf einen verschluckten Fremdkörper und Beschwerden des Patienten werden daher in der Regel Röntgenbilder vom Hals-, Brust- und oberen Bauchbereich erstellt werden. Allerdings ist v. a. bei Kindern die Strahlenbelastung durch das Röntgen zu bedenken; daher wird der Arzt das Risiko dieser Untersuchung gegen den erwarteten Nutzen sorgfältig abwägen.

Eine Möglichkeit, per Röntgenuntersuchung auch Materialien darzustellen, die durch Röntgenstrahlen selbst nicht abgebildet werden (die also nicht röntgendicht sind), ist die sogenannte Kontrastmitteluntersuchung. Dabei trinkt das Kind eine Flüssigkeit, die im Röntgenbild sichtbar ist. Werden gleich anschließend Röntgenbilder gemacht, sind üblicherweise Speiseröhre und Magen ausgekleidet mit dem im Röntgenbild sichtbaren Kontrastmittel. Mögliche Aussparungen können dann auf einen Fremdkörper hindeuten. Diese Untersuchung ist jedoch in den meisten Fällen nicht nötig, weil die üblichen Röntgenbilder und andere Untersuchungen ausreichen. 

Die Spiegelung (Endoskopie, siehe oben) von Rachen, Speiseröhre und Magen dient zum einen dazu, den Fremdkörper noch genauer zu lokalisieren, zum anderen lassen sich viele Fremdkörper während dieser Untersuchung bereits entfernen. Daher kommt dieses Verfahren bei Kindern mit verschlucktem Fremdkörper häufig zum Einsatz. 

Auch mithilfe der Computertomografie (CT) und der Magnetresonanztomografie (MRT) können solche Objekte nachgewiesen werden, was aber bei Kindern sehr selten nötig ist.

Behandlung

Hat Ihr Kind etwas verschluckt, sollten Sie in jedem Fall einen Arzt zu Rate ziehen. Die folgenden Angaben sind ungefähre Empfehlungen; der behandelnde Arzt wird im Einzelfall mit Ihnen das Vorgehen besprechen. Hat das Kind deutliche Beschwerden wie starke Schmerzen, heftiges andauerndes Würgen oder Ähnliches, so ist sofort eine Therapie erforderlich. 

Fremdkörper, die in der Speiseröhre festsitzen

Bei Verdacht auf einen in der Speiseröhre festsitzenden Fremdkörper wird im Falle eines unauffälligen Röntgenbefunds eine Endoskopie durchgeführt, sofern diese Untersuchungsmethode zugänglich ist. Andernfalls wird der Arzt gemeinsam mit einem Magen-Darm-Spezialisten (Facharzt für Gastroenterologie) evtl. die Möglichkeit eines Röntgenbildes mit Kontrastmittel erwägen.

Hat ein Kind ein scharfkantiges oder spitzes, nicht röntgendichtes Objekt (z. B. eine Fischgräte) verschluckt, wird der Arzt zuerst den Schlund mithilfe eines sogenannten Laryngoskops untersuchen. Ist der Befund trotz anhaltender Beschwerden unauffällig, wird anschließend eine Endoskopie der Speiseröhre und des Magens durchgeführt. Kleine Knopfzellbatterien (z. B. von einem Taschenrechner) und scharfkantige Objekte müssen so schnell wie möglich aus der Speiseröhre entfernt werden. Auch Magnete, v .a. wenn es mehrere sind, können schnell zu bleibenden Schäden führen und werden möglichst rasch entfernt. Die meisten anderen Fremdkörper können entweder auch entfernt werden oder man kann die weitere Passage durch den Darm unter ärztlicher Kontrolle abwarten.

Bei stumpfen Objekten in der Speiseröhre kann meist einige Stunden abgewartet werden, ehe eingegriffen werden muss. Gelangt der Gegenstand nicht von allein in den Magen, sollte er endoskopisch entfernt werden. Münzen zählen zu den Objekten, die häufig von Kleinkindern verschluckt werden. Die Behandlungsmethode der Wahl ist in diesem Fall ebenfalls die Endoskopie.

Fremdkörper, die unterhalb der Speiseröhre festsitzen

Auch wenn sehr viele Fremdkörper, die die Speiseröhre passiert haben, ungehindert durch den Magen-Darm-Trakt gelangen und ausgeschieden werden, empfehlen Experten, zumindest scharfkantige Objekte möglichst endoskopisch zu entfernen, ehe sie den Zwölffingerdarm passiert haben. Andere Fremdkörper werden häufig regelmäßig mittels Röntgenkontrolle beobachtet. Bewegt sich der fragliche Fremdkörper nicht innerhalb von wenigen Tagen, sollte eine chirurgische Entfernung in Erwägung gezogen werden, falls dies per Endoskopie nicht (mehr) möglich ist. Wie lange abgewartet werden kann, ist jedoch abhängig von den Beschwerden und dem verschluckten Gegenstand ganz unterschiedlich.

Bei größeren Objekten, die den Zwölffingerdarm noch nicht passiert haben, empfehlen Ärzte je nach Größe des Gegenstands und Alter des Kindes eine endoskopische oder auch chirurgische Entfernung, um Problemen im Darm vorzubeugen. 

Auch bei Magneten, die sich endoskopisch nicht entfernen ließen, ist Vorsicht geboten. Einzelne Magnete können in der Regel belassen werden, bis sie von selbst ausgeschieden wurden. Sind jedoch mehrere Magnete im Magen verblieben, sind eine regelmäßig Kontrolle in der Klinik oder auch eine chirurgische Entfernung angezeigt.

Verschluckte Knopfzellbatterien, die schon in den Magen gelangt sind, sollten bei einer Größe von >2 cm bei Kindern unter 5 Jahren möglichst rasch entfernt werden. Bei älteren Kindern kann man 24–48 Stunden abwarten; erst wenn die Batterie dann immer noch im Magen liegt, sollte sie entfernt werden. 

Nachkontrolle 

Häufig wird der verschluckte Fremdkörper trotz gründlicher Stuhlkontrolle durch die Eltern nicht gefunden, sondern unbemerkt ausgeschieden. Aus dem Grund wird mitunter eine Röntgenaufnahme mit Kontrastmittel empfohlen, wenn sich ein nicht röntgendichter Gegenstand 1–2 Wochen nach dem Verschlucken noch nicht wieder angefunden hat. Bei Kindern, die keine Symptome aufweisen und ein relativ ungefährliches Objekt verschluckt haben, ist dies in der Regel nicht erforderlich.

 

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken. Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Fremdkörper, verschluckter. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Wissenschaftlicher Arbeitskreis Kinderanästhesie (WAKKA) der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI). Interdisziplinäre Versorgung von Kindern nach Fremdkörperaspiration und Fremdkörperingestion. AWMF-Leitlinie 001-031, Stand 2015. www.awmf.org
  2. Ambe P, Weber SA, Schauer M et al. Verschluckte Fremdkörper bei Erwachsenen. Dtsch Arztebl Int 2012. www.aerzteblatt.de
  3. Furlano RI, Sokollik C, Köhler H. Fremdkörper-Ingestionen im Kindes- und Jugendalter. Paedriatica 2016. www.swiss-paediatrics.org
  4. Winkler U, Henker J, Rupprecht E. Fremdkörperingestionen im Kindesalter. Dtsch Arztebl 2000. www.aerzteblatt.de