Schock

Bei einem Schock handelt es sich um einen lebensbedrohlichen Zustand, der z.B. als Komplikation eines akuten Herzinfarkts, einer schweren Infektion oder eines großen Blutverlusts bzw. eines Unfalls mit Verletzung innerer Organe auftreten kann. Das Hauptproblem beim Schock ist das Versagen einer ausreichenden Durchblutung aller Organe.

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Was ist ein Schock?

Ein Schock ist ein Kreislaufversagen, das heißt ein Zustand, in dem die Durchblutung und damit die Sauerstoffversorgung nicht ausreicht, um den Bedarf aller Organe des Körpers zu decken. Die Minderdurchblutung führt zu kalter feuchter Haut (bei Fieber sind die Hände allerdings warm), einem eingeschränkten Bewusstsein bis zur Ohnmacht und/oder Verwirrtheit und einer stark verminderten oder eingestellten Urinproduktion. 

Als Blutdruck-Grenzwert für den Schock wird oft ein systolischer Wert (oberer Wert) von unter 90 mmHg angegeben bzw. ein Abfall des systolischen Wertes um 40 mmHg. Ein Schock kann aber auch bei höheren Blutdruckwerten vorliegen.

Ursachen

Es gibt mehrere Ursachen, die zu Kreislaufversagen führen können und damit einen Sauerstoffmangel in den Körperorganen auslösen. Folgende Umstände können zu einen Schock führen:

  • Herzerkrankungen mit der Folge, dass das Herz zu wenig Blut durch den Körper pumpt (z. B. bei einem akuten Herzinfarkt oder Herzrhythmusstörungen)
  • Zu geringes Blutvolumen aufgrund von Blutungen oder einer Dehydrierung (Austrocknung).
    • Blutungen können dabei durch äußere Verletzungen oder auch durch Schäden innerer Organe bedingt sein.
    • Verlust von Blutplasma oder Gewebeflüssigkeit kann auch zu verringertem Blutvolumen führen, z.B. bei großflächiger Verbrennung.
    • Erheblicher Flüssigkeitsverlust durch starkes Erbrechen oder Durchfall.
    • Hitzschlag
  • Eine Blutvergiftung wegen einer Infektion (septischer Schock) kann zu einem Schock führen, indem die Bakterien im Blut Substanzen produzieren, die für den Körper gefährliche Reaktionen auslösen.
  • Ein zu niedriger Blutzuckerspiegel aufgrund einer zu hohen Insulindosis bei Diabetes mellitus oder auch ein viel zu hoher Blutglukosepsiegel bei noch nicht erkannten Diabetes mellitus.
  • Allergische Reaktionen führen dazu, dass das Immunsystem zahlreiche Substanzen im Blut ausschüttet. Dies kann in schweren Fällen dazu führen, dass sich die Blutgefäße erweitern und infolgedessen der Blutdruck sinkt. Die Blutgefäße sind dann auch weniger dicht, sodass Blutbestandteile aus den Blutgefäßen austreten und das Blutvolumen abnimmt. Die Pumpfunktion des Herzens wird durch diese Reaktionen zusätzlich beeinträchtigt. Insgesamt kann sich daraus ein Schockzustand entwickeln, der in diesem Fall als anaphylaktischer Schock bezeichnet wird.
  • Ähnlich wie bei einer Sepsis oder Anaphylaxie beeinträchtigen auch manche Erkrankungen des Gehirns (Blutung, Verletzung) oder auch bestimmte Medikamente die normale Verteilung des Bluts im Körper, wodurch die Durchblutung gestört wird.
  • Manche Hormone haben großen Einfluss auf den Blutdruck/die Durchblutung der Organe:
    • Die akute Nebennierenrindeninsuffizienz (auch als Addison-Krise bezeichnet, da sie Patienten betrifft, die an Morbus Addison erkrankt sind) ist eine sehr seltene Erkrankung. Das Problem hierbei ist der Mangel an Hormonen, die in der Nebennierenrinde hergestellt werden (Kortisol und Aldosteron). Sie werden benötigt um zu verhindern, dass der Körper zu viel Salz und Wasser durch die Nieren verliert. Bei einem Mangel dieser Hormone nimmt durch den Salz- und Wasserverlust das Blutvolumen ab, was zu Kreislaufkollaps führen kann.
    • Schwere Unterfunktion der Schilddrüse u.a.
  • Einige Krankheiten haben zur Folge, dass sich das Herz nicht gut mit Blut füllen kann, weil der umgebende Druck zu hoch ist, z.B. eine massive Lungenembolie (Blutgerinnsel, das ein Lungengefäß verstopft) oder ein Spannungspneumothorax.

Diagnostik

Bei einer raschen Entwicklung des Schocks ist das Bewusstsein des Patienten oft wegen der verminderten Durchblutung des Gehirns eingeschränkt; dadurch ist es oft unmöglich den Betroffenen nach dem Geschehen befragen zu können. Wenn sich der Schock über einen längeren Zeitraum langsam entwickelt, ist der Patient möglicherweise erst noch wach genug, um zur Klärung der Symptome beizutragen. Es kann Schwierigkeiten bereiten, die verschiedenen Schockarten auf Grundlage der Anamnese und ärztlichen Untersuchung zu unterscheiden, weil viele Symptome trotz unterschiedlicher Ursache ähnlich sind.

Anzeichen der verschiedenen Schockarten:

  • Ein septischer Schock ist oft von Fieber und teils auch Atembeschwerden begleitet (z. B. bei Lungenentzündungen), von Magen-Darm-Symptomen (z. B. bei Blinddarmentzündungen und Entzündungen des Dickdarms), von Symptomen der Harnwege (bei Infektionen, die von den Harnwegen ausgehen) oder Kopfschmerzen / Übelkeit (bei Hirnhautentzündung/Meningitis).
  • Gleichzeitig auftretende Brustschmerzen oder ein bekanntes Risiko für eine solche Erkrankung deuten auf einen kardiogenen Schock hin (also z. B. einem durch eine Herzkrankheit bedingten Schock).
  • Bei einem durch eine Blutung ausgelösten hypovolämischen Schock berichten Patienten häufig von Erbrechen von Blut oder Blutungen aus dem Enddarm. Nach einem Unfall z.B. sind ggf. stark blutende äußere Verletzungen als Ursache zu erkennen.

Bei der ärztlichen Untersuchung hat der Patient oft eine kalte, feuchte und eventuell gefleckte Haut, möglicherweise mit Blaufärbung (Zyanose) der Lippen/Füße/Hände. Bei septischen Schockformen fühlt sich die Haut jedoch warm und trocken an. Im frühen Stadium des Krankheitsverlaufs ist der Puls teils schnell und schwach, später verlangsamt er sich meist. Der Arzt wird den Patienten sehr sorgfältig untersuchen, Puls und Blutdruck sowie die Körpertemperatur und Sauerstoffgehalt im Blut messen und versuchen zu beurteilen, ob dieser noch Urin produziert (ggf. per Blasenkatheter).

Puls, Blutdruck und Sauerstoffversorgung werden kontinuierlich überwacht. Durch spezielle Gefäßkatheter lassen sich zudem die Funktion des Herzens sowie diverse Parameter zu Blutdruck in Arterien und Venen, Sauerstoffversorgung, Flüssigkeitsverteilung im Körper etc. fortlaufend bestimmen. Dies sind für eine differenzierte Therapie des Schockzustands wichtige Parameter. 

Blutuntersuchungen können zu einer Klärung der Diagnose beitragen, ebenso ein (kontinuierliches) EKG, Röntgenaufnahmen der Lunge und ein Herz-Ultraschall oder auch ggf. speziellere Untersuchungen. 

Folgen

Das Blut transportiert Sauerstoff und Nährstoffe. Bei einem Schock erhalten die Zellen der verschiedenen Körpergewebe zu wenig Sauerstoff und Nährstoffe. Gehirn und Nieren sind besonders anfällig für eine zu geringe Durchblutung. Das Bewusstsein wird daher geschwächt und fällt schließlich ganz aus und die herabgesetzte Nierenfunktion führt dazu, dass die Urinproduktion ganz oder teilweise eingestellt wird. Der Körper versucht in einer solchen Situation, möglichst viel Blut an die wichtigsten Organe zu verteilen. Die Haut ist ein weniger wichtiges Organ und erhält daher wenig Blut, weshalb sie bei den meisten Schockformen kalt, bleich und klamm wird. Das Herz versucht, das wenige Blut schneller durch den Körper zu pumpen, weshalb der Puls zunächst steigt. Der Blutdruck ist der Druck, den das Blut auf die Wände der Blutgefäße ausübt (innerhalb der Arterien). Bei einer schlechten Blutzirkulation und einem zu geringen Blutvolumen sinkt daher der Blutdruck.

Behandlung

Kreislaufversagen erfordert eine rasche Behandlung im Krankenhaus, denn es besteht akute Lebensgefahr. Ein anaphylaktsicher Schock kann unbehandelt innerhalb von sehr kurzer Zeit (Minuten) zum Tod führen, aber auch grundsätzlich gilt: Je länger der Schock andauert, desto größer ist die Schädigung der Zellen im Körper. Diese Zellschäden können schädliche Reaktionen im Körper auslösen, die in mehreren Organen zur Bildung von Blutgerinnseln, zu Blutungen und Schwellungen führen können, ein Teufelskreislauf sozusagen. Dies kann zu einem Versagen lebenswichtiger Organe wie Herz, Niere, Lunge, Leber und Gehirn führen (sogenanntes Multiorganversagen). Die Überlebenschancen in diesem Fall sind auch trotz korrekter Behandlung gering.

Die Behandlung mit Flüssigkeit mittels Infusion (über einen Venenkatheter in die Venen) ist von zentraler Bedeutung. Darüber hinaus werden verschiedene Medikamente verabreicht, die das Herz stärken und den Blutdruck steigern. Ebenso wird Sauerstoff gegeben; in den meisten Fällen müssen die Patienten mechanisch (künstlich) beatmet werden. Ein septischer Schock erfordert eine Behandlung mit Antibiotika. Je nach anderen Schockursachen sind weitere spezifische Maßnahmen nötig, z.B. bei Blutungen Stoppen der Blutung, Bluttransfusionen, Operation bei Organverletzungen, bei Herzinfarkt eine Therapie per Herzkatheter zur Wiederherstellung der Blutversorgung oder bei einer Lungenembolie die Entfernung des Blutgerinnsels.

Weitere Informationen

  • Schock – Informationen für ärztliches Personal

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Schock. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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