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Bewusstlosigkeit bei Kindern unter 8 Jahren

Nachfolgend wird beschrieben, was Sie tun sollten, wenn ein Kind unter 8 Jahren das Bewusstsein verliert.

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Hintergrund

  • Bei einigen Verletzungen oder Erkrankungen kann es zu Benommenheit, Verwirrtheit oder Bewusstlosigkeit kommen.
  • Ein (nicht schlafendes) Kind, das nicht wach und aufmerksam ist, kann nur vorübergehend benommen oder aber bewusstlos sein; alle Abstufungen zwischen diesen beiden Extremen sind ebenfalls möglich.
  • Ist ein Kind nicht bei vollem Bewusstsein, sollten Sie jede noch so geringe Veränderung des Zustands beobachten, besonders wenn sich der Zustand verschlechtert – es kann jeden Moment zur Bewusstlosigkeit kommen.
  • Besteht der Verdacht auf eine Verletzung der Halswirbelsäule oder des Rückenmarks, sollte das Kind nach Möglichkeit in der Position liegen bleiben, in der Sie es aufgefunden haben. Wenn Sie das Kind in die stabile Seitenlage (s. unten) bringen müssen, sorgen Sie dafür, dass sich Kopf und Nacken beim Drehen möglichst in stabiler Position zum Rest des Körpers befinden.

Diagnostik

  • Wie Sie ein bewusstloses Kind erkennen:
    • Das Kind zeigt keine Reaktion, wenn Sie seine Hand nehmen oder das Kind vorsichtig z.B. an der Schulter rütteln, und reagiert auch nicht auf lautes Ansprechen.

Falls das Kind bewusstlos ist:

  • Versuchen Sie, die Atemwege frei zu machen: Legen Sie eine Hand auf die Stirn des Kindes und drücken den Kopf leicht nach hinten und fassen Sie dann vorsichtig an die Kinnspitze und heben diese etwas an.
  • Achten Sie darauf, nicht versehentlich das weiche Gewebe unterhalb des Kinns einzudrücken (v.a. bei Säuglingen ist besondere Vorsicht geboten).
  • Falls diese Manöver nicht erfolgreich sind, schieben Sie den Unterkiefer des Kindes leicht vor, indem Sie von beiden Seiten mit dem Zeige- und Mittelfinger an die Kiefergelenke fassen und diese leicht nach vorne bewegen.
  • Bei Verdacht auf eine Verletzung der Halswirbelsäule bewegen Sie nur den Unterkiefer des Kindes etwas nach vorne.
  • Sind die Atemwege offen, schauen Sie kurz, ob Flüssigkeit oder Erbrochenes im Mund zu sehen ist und entfernen Sie dies ggf. Dann prüfen Sie, ob das Kind atmet:
  • Prüfen Sie bis zu 10 Sekunden lang, ob eine normale Atmung vorhanden ist, indem Sie Folgendes beobachten.
    • Bewegt sich der Brustkorb?
    • Können Sie Atemgeräusche hören?
    • Fühlen Sie den Atem des Kindes an Ihrer Wange?
  • Falls Sie sich unsicher sind, gehen Sie davon aus, dass das Kind nicht atmet.
  • Atmet das Kind nicht, bitten Sie jemanden, den Notarzt (112) zu rufen oder rufen Sie selbst den Notarzt und beginnen danach möglichst rasch mit der Atemspende.

Erste Hilfe

Falls das Kind nicht atmet:

  • Beginnen Sie mit 5 Atemspenden (Mund-zu-Mund-Beatmung):
    • Überstrecken Sie den Kopf des Kindes leicht, indem Sie eine Hand auf die Stirn legen und mit der anderen das Kinn vorsichtig hochziehen.
    • Bei kleinen Kindern (<1 Jahr) umschließen Sie mit Ihren Lippen Mund und Nase des Kindes. Bei größeren Kindern verschließen Sie die Nase mit Daumen und Zeigefinger der einen Hand und legen Ihre Lippen nur um den Mund des Kindes.
    • Blasen Sie vorsichtig je 1 Sekunde lang in den Mund des Kindes und prüfen Sie, ob der Brustkorb sich hebt. Atmen sie selbst wieder ein und beatmen das Kind erneut (5-mal).
      • Bewegt sich der Brustkorb nicht, kann dies darauf hinweisen, dass die Atemwege blockiert sind – das Kind hat möglicherweise einen Fremdkörper in den Atemwegen.
      • Entfernen Sie eventuelle Fremdkörper, in dem Sie Hals und Mundhöhle des Kindes mit einem Finger reinigen, und versuchen Sie es erneut mit 5 Atemspenden.
  • Achten Sie auf mögliche Lebenszeichen des Kindes (Atemzug, Husten, Würgereiz, Bewegungen). 
  • Überprüfen Sie maximal 10 s den Zustand des Kindes: Lebenszeichen? Ist ein Puls zu fühlen? Atmung?
  • Sind Lebenszeichen festzustellen, beatmen Sie weiter, bis das Kind selbstständig atmet und überwachen es dann. Falls kein Verdacht auf eine Verletzung der Halswirbelsäule besteht, legen Sie es in die stabile Seitenlage.
  • Bemerken Sie keine Lebensziechen, starten Sie die Herzdruckmassage.
    • Dieses Vorgehen gilt sowohl bei Säuglingen als auch bei Kindern.
    • Vorbereitung:
      • Legen Sie das Kind flach auf einen festen Untergrund.
      • Machen Sie den Brustkorb des Kindes frei.
    • Gehen Sie neben dem Kind auf die Knie und starten Sie die Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW).
      • Führen Sie 15 Brustkorbkompressionen (Frequenz: ca. 100 pro Minute) durch (Technik s. unten); anschließend 2 Atemspenden. Führen Sie die HLW im Verhältnis 15:2 solange fort, bis das Rettungspersonal eintrifft und die Reanimation übernimmt oder das Kind das Bewusstsein wiedererlangt oder Sie erschöpft sind.
      • Falls 2 Ersthelfer anwesend sind, kann einer die Herzdruckmassage durchführen und der andere beatmen. In diesem Fall gilt auch ein Verhältnis von 15:2.
    • Technische Informationen:
      • Bei der Herzdruckmassage wird der Brustkorb bei Kindern <1 Jahr um etwa 4 cm, bei Kindern zwischen 1 und 8 Jahren um etwa 5 cm heruntergedrückt (komprimiert). Grundsätzlich sollte sich der Brustkorb um etwa ein Drittel seiner Höhe senken.
      • Säuglinge:
        • Drücken Sie mit zwei Fingerspitzen (Zeigefinger und Mittelfinger) auf den Brustkorb (empfohlene Technik bei einem Ersthelfer) oder umfassen Sie den Brustkorb des Säuglings mit beiden Händen und üben mit den Daumen Druck auf den Brustkorb aus (empfohlene Technik bei mehreren Ersthelfern).
      • Kinder über 1 Jahr:
        • Führen Sie die Herzdruckmassage bei Kleinkindern mit dem Handballen einer Hand durch (Ein-Hand-Technik für Kleinkinder).
        • Setzen Sie den Handballen am unteren Ende des Brustbeins auf und heben Sie dabei die Finger an, damit Sie nicht zusätzlich großflächig auf die Rippen drücken. Bei größeren Kindern nutzen Sie beide Hände (Zwei-Hand-Technik, wie beim Erwachsenen).

Wenn das Kind wieder selbständig atmet

  • Alarmieren Sie den Notruf, falls noch nicht geschehen.
  • Bringen Sie das Kind in die stabile Seitenlage (siehe unten) und überwachen Sie die Atmung, bis das Rettungspersonal oder der Notarzt eintrifft.
  • Halten Sie das Kind warm.

Illustrationen

Mund-zu-Mund-Beatmung

1. Wie Sie den Patienten in die stabile Seitenlage bringen

2. Wie Sie den Patienten in die stabile Seitenlage bringen

3. Wie Sie den Patienten in die stabile Seitenlage bringen

4. Stabile Seitenlage

Wie Sie eine leichtere Atmung ermöglichen

Weiterführende Informationen

Alarmieren des Notrufs (112)

  • Auch wenn Sie aufgeregt sind, sollten Sie beim Telefonat versuchen ruhig zu bleiben und besonnen zu reagieren. Folgende Informationen benötigt der Rettungsdienst von Ihnen:
  1. Wer ruft an, und von wo?
  2. Was ist passiert?
  3. Seien Sie bei der Ortsangabe so genau wie möglich, vereinbaren Sie bei Bedarf einen Treffpunkt.
  4. Warten Sie ab, bis Ihr Gesprächspartner die Meldung bestätigt hat, um Missverständnisse zu vermeiden.

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen