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Bewusstlosigkeit bei Personen über 8 Jahren

Nachfolgend wird beschrieben, was Sie tun sollten, wenn eine Person über 8 Jahren das Bewusstsein verliert.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

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Hintergrund

  • Bei einigen Verletzungen oder Erkrankungen kann es zu Benommenheit, Verwirrung oder Bewusstlosigkeit kommen.
  • Wenn eine (nicht schlafende) Person nicht wach und aufmerksam ist, kann sie nur vorübergehend benommen oder ganz ohne Bewusssein sein; alle Abstufungen zwischen diesen beiden Extremen sind ebenfalls möglich.
  • Ist eine Person nicht bei vollem Bewusstsein, sollten Sie jede noch so geringe Veränderung des Zustands beobachten, besonders wenn sich der Zustand verschlechtert – es kann jeden Moment zur Bewusstlosigkeit kommen.
  • Besteht der Verdacht auf eine Verletzung der Halswirbelsäule oder des Rückenmarks, sollte der Betroffene nach Möglichkeit in der Position liegen bleiben, in der Sie ihn aufgefunden haben. Wenn Sie den Patienten in die stabile Seitenlage bringen müssen, sorgen Sie dafür, dass sich Kopf und Nacken beim Drehen möglichst in stabiler Position zum Rest des Körpers befinden.

Diagnostik

  • Wie Sie eine bewusstlose Person erkennen:
    • Schütteln Sie den Betroffenen vorsichtig an den Schultern, kneifen Sie ihn leicht in die Wange und fragen Sie ihn laut und deutlich: „Wie geht es Ihnen?“
    • Falls der Patient keine Reaktion zeigt, bitten Sie eine weitere Person, den Notarzt unter der Nummer 112 zu alarmieren. Falls Sie alleine sind, rufen Sie selbst den Notarzt.

Bei Bewusstlosigkeit:

  • Atmet der Betroffene? Prüfen Sie bis zu 10 Sekunden lang, ob eine normale Atmung vorhanden ist, indem Sie Folgendes beobachten.
    • Bewegt sich der Brustkorb?
    • Können Sie Atemgeräusche hören?
    • Fühlen Sie den Atem des Betroffenen an Ihrer Wange, wenn Sie sich dicht über seinen Mund beugen?
  • Wenn der Patient atmet:
    • Untersuchen Sie den Bewusstlosen auf äußere Verletzungen.
    • Schauen Sie nach, ob er eine Notfallkarte o. ä. bei sich trägt, die über eine eventuelle Grunderkrankung wie Epilepsie oder Diabetes mellitus Aufschluss gibt.
  • Atmet der Patient nicht, beginnen Sie sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen (siehe unten).

Erste Hilfe

Falls der Patient nicht atmet:

  • Alarmieren Sie den Notruf unter der Nummer 112 (falls noch nicht geschehen). Am besten macht dies eine 2. Person und Sie selbst kümmern sich weiter um den Patienten.
  • Wenn möglich, legen Sie den Patienten vorsichtig auf den Rücken auf eine feste Unterlage  (falls der Verdacht auf eine Verletzung der Halswirbelsäule besteht, darf die Halswirbelsäule im Verhältnis zum Körper nicht in eine andere Position gebracht werden).
  • Machen Sie die Atemwege frei, indem Sie den Kopf vorsichtig nach hinten überstrecken.
  • Entfernen Sie eventuelle Fremdkörper, Essen, Schleim, lose Zähne oder Zahnersatz aus Mund und Rachen des Patienten.
  • Legen Sie anschließend eine Hand auf die Stirn des Patienten und heben mit der anderen das Kinn an.
      • Möglicherweise setzt die Atmung nach diesen Maßnahmen von allein wieder ein.
      • Falls der Verdacht auf eine Verletzung der Halswirbelsäule besteht, sollten Sie den Kopf nicht überstrecken.
      • Atmet der Patient wieder, bringen Sie ihn in die stabile Seitenlage und bleiben so lange beobachtend dabei, bis der Notarzt eintrifft.
  • Beginnt der Patient nicht zu atmen, starten Sie mit der Herzdruckmassage, und zwar mit 30 Kompressionen (Herz-Lungen-Wiederbelebung, siehe unten).
  • Unter der Notrufnummer 112 kann Ihnen in der Regel eine Person mündliche Instruktion zur Atemspende, Herzdruckmassage und Verwendung eines Defibrillators (falls vorhanden) geben.

Herzdruckmassage

  • Der Patient liegt auf dem Rücken auf einer möglichst festen Unterlage.
  • Gehen Sie neben dem Betroffenen auf die Knie.
  • Legen Sie Ihre Hände mit den Handballen übereinander etwa mittig zwischen den Brustwarzen auf den Brustkorb und verschränken Sie die Finger ineinander.
  • Dies ist am einfachsten, wenn Sie störende Kleidung zuvor entfernen.
  • Üben Sie dann senkrecht mit gestreckten Armen von oben nach unten Druck aus, indem Sie Ihr Gewicht nach vorn verlagern, sodass der Brustkrob des Patienten um 5–6 cm eingedrückt wird.
  • Lösen Sie den Druck wieder, aber behalten Sie die Hände an Ort und Stelle. Achten Sie darauf, dass Ihre Finger nicht auf dem Brustkorb liegen (nur der Handballen selbst).
  • Führen Sie 30 Brustkorbkompressionen hintereinander durch, etwa zwei pro Sekunde und zählen Sie laut mit.
  • Starten Sie dann 2 Atemspenden (siehe unten); setzen Sie Atemspende und Herzdruckmassage im Verhältnis 2:30 fort, bis das Rettungspersonal eintrifft oder der Betroffene das Bewusstsein wiedererlangt oder Sie selbst erschöpft sind.
  • Wenn Sie als Ersthelfer zu zweit sind, kann einer die Beatmung übernehmen, während der andere die Herzdruckmassage durchführt.
  • Wechseln Sie sich zwischendurch ab, damit die Qualität der Wiederbelebungsmaßnahmen nicht leidet, weil einer erschöpft ist. Tauschen Sie etwa jede dritte Minute.
  • Falls Sie als Ersthelfer alleine sind und keine Mund-zu-Mund-Beatmung vornehmen können, sollten Sie nur die Herzdruckmassage durchführen.
  • Falls ein Defibrillator-Gerät zur Verfügung steht, aktivieren Sie es und kleben Sie die Pads auf, ohne die Thoraxkompressionen lange zu unterbrechen. Sind mehrere Ersthelfer zur Stelle, sollten die Wiederbelebungsmaßnahmen so lange fortgesetzt werden, bis das Gerät einsatzbereit ist. Folgen Sie den Anweisungen des Geräts: falls es keine Empfehlung zur Schockabgabe abgibt, setzen Sie mit den eigenen Wiederbelebungsmaßnahmen fort. 

 

Stabile Seitenlage 4

Mund-zu-Mund-Beatmung (Atemspende)

  • Legen Sie eine Hand auf die Stirn des Betroffenen, überstrecken Sie den Kopf und verschließen Sie mit Daumen und Zeigefinger die Nase des Patienten.
  • Heben Sie mit der anderen Hand sein Kinn an und entfernen Sie eventuelle Fremdkörper aus der Mundhöhle (falls nicht schon geschehen).
  • Atmen Sie selbst ein und legen Sie Ihre Lippen eng um den Mund des Betroffenen. Blasen Sie gleichmäßig über etwa 1 bis 2 Sekunden Luft in seinen Mund und beobachten Sie, ob der Brustkorb sich hebt. Entfernen Sie anschließend Ihren Mund, damit die Luft wieder entweichen kann. Wiederholen Sie den Vorgang.

Wenn sich der Brustkorb nicht hebt:

  • Versuchen Sie, den Kopf des Betroffenen etwas weiter zu überstrecken. Hebt sich der Brustkorb noch immer nicht, versuchen Sie es weiter bis zu fünf Mal.
  • Sollte sich der Brustkorb weiterhin nicht bewegen, kann dies darauf hinweisen, dass ein Fremdkörper die Atemwege blockiert. Folgen Sie in diesem Fall den Anweisungen unter Fremdkörper in den Atemwegen.

 

Falls der Patient atmet:

  • Bringen Sie den Betroffenen in die stabile Seitenlage (siehe Abb. unten).
  • Rollen Sie ihn vorsichtig auf die Seite.
  • Überstrecken Sie den Kopf wieder, sodass die Atemwege frei sind und der Betroffene ungehindert atmen kann.
  • Legen Sie eine Hand so unter das Kinn, dass der Kopf des Patienten nicht wieder nach vorn kippt.
  • Ziehen Sie das obere Knie nach vorn, sodass der Betroffene nicht auf den Bauch oder auf den Rücken zurückrollt.
  • Kontrollieren Sie, ob er noch immer selbständig atmet und bleiben Sie bei ihm, bis Hilfe eintrifft.

 

 

Herzdruckmassage

Illustrationen

Weiterführende Informationen

Alarmieren des Notrufs (112)

  • Auch wenn Sie aufgeregt sind, sollten Sie beim Telefonat versuchen ruhig zu bleiben und besonnen zu reagieren. Folgende Checkliste sollten Sie im Kopf haben:
  1. Geben Sie an, wer anruft und von wo.
  2. Was ist passiert?
  3. Genaue Ortsangabe, ggf. Treffpunkt vereinbaren.
  4. Warten Sie ab, bis Ihr Gesprächspartner die Meldung bestätigt hat, um Missverständnisse zu vermeiden.

Quellen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen