Herz-Lungen-Wiederbelebung bei Kindern und Säuglingen

Nachfolgend wird beschrieben, wann und wie Sie die Herz-Lungen-Wiederbelebung bei einem Kind durchführen sollen.

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"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

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Definition

  • Säuglinge sind Kinder unter 1 Jahr
  • Als Kinder gelten Kinder ab 1 Jahr bis zur Pubertät (Bewertung nach Ermessen)
  • Die Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW) setzt sich aus Herzdruckmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung zusammen.

Diagnostik bei Bewusstlosigkeit

  • Das Kind ist bewusstlos, wenn es
    • keine Reaktion zeigt, wenn es vorsichtig an den Schultern geschüttelt oder laut angesprochen wird.

Bei Bewusstlosigkeit

  • Atmet das Kind?
    • Prüfen Sie durch Sehen, Hören oder Fühlen bis zu 10 Sekunden lang:
      • Bewegt sich der Brustkorb?
      • Hören Sie auf Atemgeräusche.
      • Prüfen Sie, ob Sie den Atem des Kindes an Ihrer Wange fühlen können.

Behandlung

  1. Atemspende durch fünfmalige Mund-zu-Mund-Beatmung
  2. Brustkorbkompression (Herzdruckmassage): 15 Mal den Brustkorb um ca. ein Drittel der Höhe eindrücken (4 cm beim Säugling) und dann komplett wieder entlasten.
  3. Mund-zum-Mund-Beatmung: 2-mal, beim Säugling über Mund und Nase, beim Kind nur über den Mund.
  4. Kombinierte Herzdruckmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung (im Verhältnis 15:2 fortsetzen)1

Wenn das Kind nicht atmet

  • Rufen Sie Hilfe herbei bzw. lassen Sie eine andere Person den Notruf (112) wählen. 
  • Sorgen Sie dafür, dass die Atemwege frei sind.
    • Beugen Sie den Kopf nach hinten und heben Sie das Kinn an.
    • Atmet das Kind bereits oder beginnt es selbständig zu atmen, bringen Sie es in die stabile Seitenlage.
    • Halten Sie das Kind warm und bleiben Sie bei dem Kind, überwachen Sie die Atmung, bis das Kind aufwacht und weiterversorgt wird.
  • Wenn das Kind nicht atmet
    • Säuglinge: Ein Fremdkörper kann die Ursache sein. Öffnen Sie den Mund und säubern den Rachenraum, wenn Sie einen Fremdkörper sehen können  (Fremdkörper in den Atemwegen), siehe unten. Wenn sich keine Wirkung zeigt, beginnen Sie mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung.
    • Kinder: Beginnen Sie mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung. Falls sich nach der Atemspende der Brustkorb nicht hebt, könnte ein im Hals steckender Fremdkörper die Ursache sein: Öffnen Sie den Mund und säubern Sie den Rachen, falls Sie einen Fremdkörper sehen können (Fremdkörper in den Atemwegen), siehe unten.

Herz-Lungen-Wiederbelebung

  • Dieses Vorgehen gilt sowohl bei Säuglingen als auch bei Kindern.
  • Vorbereitung
    • Legen Sie das Kind flach auf eine harte Unterlage.
    • Entfernen Sie alle Kleidung vom Brustkorb.
  • Gehen Sie neben dem Kind auf die Knie und starten Sie die Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW).
    • Beginnen Sie mit 5 Atemspenden.

Mund-zu-Mund-Beatmung

  • Säuglinge
    • Halten Sie den Kopf in neutraler Position und heben Sie das Kinn an.
    • Legen Sie Ihren Mund auf Mund und Nase des Kindes.
    • Lassen Sie Ihre Atemluft vorsichtig 5 Mal in Mund und Nase des Kindes strömen. Der einzelne Atemstoß sollte etwa 1 Sekunde dauern und sofort beendet werden, sobald sich der Brustkorb hebt. Kontrollieren Sie, ob sich der Brustkorb bewegt.
  • Kinder
    • Beugen Sie den Kopf vorsichtig nach hinten, und heben Sie das Kinn an.
    • Halten Sie dem Kind die Nase zu und legen Sie Ihren Mund auf den Mund des Kindes.
    • Führen Sie die Beatmung mit der Standard-Mund-zu-Mund-Technik durch.
    • Der einzelne Atemstrom sollte etwa 1 Sekunde dauern und beendet werden, sobald sich der Brustkorb hebt.

Wenn sich der Brustkorb nicht bewegt

  • Wenn sich der Brustkorb nicht bewegt, ist das ein Anzeichen dafür, dass die Atemwege verstopft sind; das Kind kann etwas im Hals feststecken haben (Fremdkörper in den Atemwegen).
  • Säubern Sie den Hals und die Mundhöhle mit dem Finger, wenn Sie einen Fremdkörper im Rachen sehen können.
  • Falls ohne Erfolg: 
    • Kinder: Klopfen Sie auf den Rücken oder geben Sie einen Stoß auf den Bauch.
    • Säuglinge: Geben Sie einen Stoß auf den Brustkorb. Versuchen Sie es erneut mit 5 Atemspenden.

Brustkorbkompressionen

  • Anschließend führen Sie im Wechsel 15 Brustkorbkompressionen (Frequenz: 100–120 pro Minute) und 2 Atemspenden durch. Führen Sie die HLW im Verhältnis 15:2 so lange fort, bis das Rettungspersonal eintrifft und die Reanimation übernimmt oder das Kind das Bewusstsein wiedererlangt.
  • Technische Informationen
    • Bei der Herzdruckmassage wird der Brustkorb um etwa ein Drittel heruntergedrückt (komprimiert).
    • Säuglinge
      • Drücken Sie mit zwei Fingerspitzen (Zeigefinger und Mittelfinger) auf den Brustkorb (empfohlene Technik bei einem Ersthelfer) oder umfassen Sie den Brustkorb des Säuglings mit beiden Händen und üben mit den Daumen Druck auf den Brustkorb aus (empfohlene Technik bei mehreren Ersthelfern). Der Brustkorb sollte sich um etwa 4 cm senken, dann wieder heben.
    • Kinder über 1 Jahr
      • Führen Sie die Herzdruckmassage bei Kleinkindern mit dem Handballen einer Hand durch (Ein-Hand-Technik für Kleinkinder). Bei größeren Kindern nutzen Sie beide Hände (Zwei-Hand-Technik, wie beim Erwachsenen). Üben Sie mit ausgestreckten Armen Druck auf den Brustkorb aus, sodass dieser sich um etwa 5 cm bzw. ein Drittel der Brustkorbhöhe senkt. Nach jedem Druck sollte der Brustkorb sich wieder heben. 
  • Rufen Sie, falls nötig, den Notarzt.
    • Fahren Sie mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung eine Minute lang fort, bevor Sie, falls nötig, das Kind verlassen, um Hilfe zu rufen (Telefon 112).
    • Nehmen Sie die Herz-Lungen-Wiederbelebung wieder auf.

Automatisierter externer Defibrillator (AED)

  • Wie bei Erwachsenen kann auch bei Kindern ein AED (Defi) verwendet werden, falls ein solches Gerät zur Verfügung steht.
  • Bei Kindern zwischen 1 und 8 Jahren stehen spezielle Paddles für Kinder zur Verfügung (reduzierte Stromleistung).
  • Nach Anschluss des Geräts und Ableitung des Herzschlags erhalten Sie als Nutzer automatisch Informationen zum weiteren Vorgehen.
  • Falls ein elektrischer Stoß ausgelöst werden soll, sollte danach für 2 Minuten die Herz-Lungen-Wiederbelebung fortgeführt werden. 
  • Dann sollte erneut der Herzrhythmus durch das Gerät überprüft werden.
  • Falls kein elektrischer Stoß ausgelöst werden soll, fahren Sie mit den Wiederbelebungsmaßnahmen (15:2) fort. 

 Wenn das Kind normal atmet

  • Holen Sie Hilfe.
  • Legen Sie das Kind in die stabile Seitenlage und überwachen Sie die Atmung, bis ein Krankenwagen/Arzt eintrifft.
  • Halten Sie das Kind warm.

Illustrationen

Mund-zu-Mund-Methode, Beatmungstechnik

1. Wie Sie den Patienten in die stabile Seitenlage bringen

2. Wie Sie den Patienten in die stabile Seitenlage bringen

3. Wie Sie den Patienten in die stabile Seitenlage bringen

4. Stabile Seitenlage

Kinn anheben, Luftwege öffnen

Notruf

Wenn Sie die 112 anrufen

Auch wenn Sie aufgeregt sind, ist es wichtig, dass Sie versuchen, am Telefon beherrscht und effizient zu bleiben. Folgende Checkliste sollten Sie im Kopf haben:

  1. Geben Sie an, wer anruft und von wo.
  2. Was ist passiert?
  3. Genaue Ortsangabe, ggf. Treffpunkt vereinbaren.
  4. Lassen Sie sich Ihre Meldung von der Person, mit der Sie sprechen, bestätigen, um Missverständnisse zu vermeiden.

Weitere Informationen

Literatur

  1. Kitamura T, Iwami T, Kawamura T, et al. Conventional and chest-compression-only cardiopulmonary resuscitation by bystanders for children who have out-of-hospital cardiac arrests: a prospective, nationwide, population-baesd cohort study. Lancet 2010; 375: 1347-54. PubMed

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med. Bremen