Herz-Lungen-Wiederbelebung bei einer erwachsenen Person

Informieren Sie sich darüber, wie Sie HLW bei einem Erwachsenen ausführen.

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"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

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Was ist HLW?

  • Herz-Lungen-Wiederbelebung ist eine Kombination aus Herzdruckmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung.
  • Die Herzlungenwiederbelebung wird bei bewusstlosen Personen eingesetzt, die weder atmen noch einen Puls haben. Sie sorgt dafür, dass sauerstoffreiches Blut zum Gehirn und zu anderen lebenswichtigen Organen gelangt, bevor mithilfe einer umfassenderen medizinischen Behandlung wieder ein normaler Herzrhythmus und eine normale Atemfunktion erreicht werden können.
  • Herzdruckmassage
    • Die Herzdruckmassage ersetzt den ausgebliebenen Herzschlag
    • Die Kompressionen tragen dazu bei, dass Gehirn, Lungen und Herz mit Blut versorgt werden.
    • Die Herzdruckmassage wird in Kombination mit der Mund-zu-Mund-Beatmung in einem Verhältnis von 30:2 ausgeführt.
  • Atemspende
    • Durch die Mund-zu-Mund-Beatmung werden die Lungen des Bewusstlosen mit Luft gefüllt und dadurch seine Organe mit Sauerstoff versorgt.

Wann soll eine Wiederbelebung durchgeführt werden?

  • Bei Personen, die bewusstlos sind, also nicht auf Ansprechen oder Anfassen reagieren und nicht atmen.

Kontrollieren Sie Folgendes:

  • Merken Sie sich die Kombination BAA, die angibt, welche Parameter Sie zuerst kontrollieren müssen: B- Bewusstlos, A - Atemwege, A- Atmung
  • B – Bewusstlos
    • Ist der Patient ansprechbar?
      • Fassen Sie die Person an und rufen Sie „Hallo, hörst du mich?"
      • Kneifen Sie die Person in den Arm, um zu sehen, ob sie auf Schmerzen reagiert.
  • A – Atemwege
    • Sind die Atemwege der Person durch Fremdkörper blockiert?
      • Kontrollieren Sie dies, indem Sie den Mund der Person öffnen.
      • Entfernen Sie eventuelle Fremdkörper oder Erbrochenes aus Mund und Rachen.
      • Falls es Ihnen nicht gelingt, evtl. Fremdkörper zu entfernen, können Sie das so genannte Heimlich-Manöver einsetzen: Positionieren Sie sich hinter der Person, legen Sie Ihre geballte Faust zwischen deren Nabel und Brustbeinspitze. Umfassen Sie Ihre Faust mit der anderen Hand und ziehen Sie Ihre Hände schnell und hart nach oben, sodass der Fremdkörper aus den Luftwegen „heraus katapultiert“ wird. Siehe auch Fremdkörper in den Atemwegen.
  • A – Atmung
    • Atmet die Person?
      • Kontrollieren Sie die Atemgeräusche, indem Sie Ihr Ohr über den Mund der/des Betroffenen halten. Falls die Person atmet, können Sie auf diese Art den Luftstrom spüren.
      • Kontrollieren Sie, ob sich der Brustkorb hebt und senkt.
      • Es kann schwierig sein, den Puls zu fühlen, daher sollten Sie als nicht geschulte Person hierfür keine wertvolle Zeit verschwenden.

Wie gehen Sie vor?

  • Rufen Sie Hilfe herbei.
  • Wenn der Verdacht besteht, dass die Person sich an der Halswirbelsäule verletzt hat (z.B. Sturz gegen den Kopf), soll sie möglichst nicht bzw. nur mit großer Vorsicht bewegt werden. Kopf und Rumpf dürfen nicht gegeneinander bewegt werden, da sonst größere Verletzungen der Wirbelsäule auftreten können.
  • Legen Sie die Person falls möglich auf den Rücken auf eine feste Unterlage.
    • Überstrecken Sie den Kopf der Person nach hinten
    • Heben Sie deren Kinn an
      • Dies kann dazu führen, dass die Atmung wieder einsetzt
      • Vorsicht beim Bewegen des Kopfs, wenn Verdacht auf Verletzungen des Nackens besteht
    • Lose Gegenstände, Essen, Schleim oder Zahnprothesen entfernen.
  • Beginnen Sie mit der Herzdruckmassage vor der Atemspende.

Herzdruckmassage

  • Bei fehlender Atmung oder bei bewusstlosen Personen, die nicht auf Ansprache oder Anfassen reagieren, beginnen Sie mit HLW – zuerst mit der Herzdruckmassage:
    1. Knien Sie sich neben den Arm der Person
    2. Legen Sie Ihre Hände übereinander auf den Brustkorb wie auf der Abbildung zu sehen
    3. Drücken Sie den Brustkorb entschlossen 5–6 cm gerade nach unten ein und lassen Sie anschließend los. Halten Sie die Arme gerade, dies erleichtert das Herunterdrücken.
    4. Drücken Sie 30-mal in einem Takt, der ca. 100 Kompressionen pro Minute entspricht (30 Kompressionen dauern ca. 18 Sekunden). Zählen Sie laut mit, damit Sie immer wissen, wie viele Herzdruckmassagen Sie bereits ausgeführt haben.

Mund-zu-Mund-Beatmung

  • Wird durchgeführt, falls die Person nicht atmet, obwohl Sie für freie Atemwege gesorgt haben.
    1. Legen Sie die eine Hand auf die Stirn der Person und überstrecken Sie deren Kopf nach hinten.
    2. Drücken Sie die Nasenflügel der Person mit zwei Fingern zusammen, wie auf der Abbildung zu sehen.
    3. Heben Sie das Kinn mit der anderen Hand an.
    4. Entfernen Sie sichtbare Fremdkörper oder Zahnprothesen.
    5. Atmen Sie ein und umschließen Sie mit Ihren Lippen den Mund der Person.
    6. Blasen Sie Luft ein, bis sich deren Brustkorb hebt. Blasen Sie mit gleichmäßiger Kraft etwa 1–2 Sekunden ein.
    7. Lösen Sie den Mund, damit die Luft wieder austreten kann
    8. Blasen Sie erneut Luft ein.
    9. Nach 2 Atemspenden führen Sie wieder 30 Herzdruckmassagen durch.

Kombinierte Herzdruckmassage – und Atemspende

  • Es werden fortlaufend 30 Herzdruckmassagen gefolgt von 2 Atemspenden durchgeführt (30:2).
  • Dies ist anstrengend. Wenn zwei Retter vor Ort sind, sollte der eine die Atemspende und der andere die Herzdruckmassage ausführen. Wechseln Sie sich ab, bevor Sie ermüden, am besten alle drei Minuten
  • Fahren Sie mit der HLW fort, bis der Rettungsdienst eintrifft oder die Person von alleine zu atmen beginnt.

Ist ein Defibrillator vorhanden, schließen Sie das Gerät an, aktivieren es und folgen der Ansage.

Wenn die Person zu atmen beginnt

  • Lassen Sie sie zunächst eine Minute auf dem Rücken liegen, damit Sie die HLW, falls erforderlich, schnell fortsetzen können.
  • Falls die Person eine Minute lang normal atmet, muss sie in die stabile Seitenlage gebracht und sorgfältig überwacht werden (denken Sie an BAA), bis der Rettungsdienst eintrifft.

Illustrationen

Literatur

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Medizinjournalistin, Bremen