Frakturbehandlung, mögliche Komplikationen

Die meisten Patienten haben bei der Behandlung einer Fraktur keine größeren Probleme. Dennoch ist es ratsam, über mögliche Komplikationen informiert zu sein, um diesen vorbeugen zu können oder sie rechtzeitig zu erkennen, damit eine frühe geeignete Therapie möglich ist.

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Verschiedene Arten von Frakturen (Knochenbrüchen)

Die meisten Frakturen sind die Folge eines Unfalls. Die Heilung einer Fraktur ist davon abhängig, wie schwer diese war und wodurch sie verursacht wurde. Natürlich spielt auch die Art der Therapie eine bedeutende Rolle. Eine Fraktur kann oft auf einem Röntgenbild erkannt werden. Man unterscheidet zwischen mehreren Arten von Frakturen. Einige der häufigsten sind:

  • Offene Fraktur. Ein Fraktur, bei der Knochenfragmente so durch die Haut ragen, dass der Knochen freigelegt wird. Die Infektionsgefahr ist hierbei hoch und man ergreift verschiedene Maßnahmen, um Komplikationen zu verhindern.
  • Geschlossene Fraktur. Dies ist die am häufigsten auftretende Fraktur; hier ist die Haut über der Bruchstelle unversehrt, also ist der Bruch vor Keimen von außen geschützt. Bei solchen Frakturen können die Knochenenden stark gegeneinander verschoben sein oder noch fast so stehen wie beim gesunden Knochen.
  • Knochenfissur (Haarriss, Spaltfraktur). Dabei handelt es sich ebenfalls um eine Fraktur, die jedoch nur einen dünnen Riss verursacht und nicht zu einer Verschiebung der Knochenteile gegeneinander führt. Der Knochen befindet sich also an der gleichen Position wie vorher, die Beschwerden sind meist nur mäßig ausgeprägt.
  • Ermüdungsfraktur. Eine Ermüdungsfraktur ist ein Bruch, der aufgrund wiederholter Belastungen des Knochens auftritt. Dabei entstehen zunächst mehrere kleine „Mikrofrakturen" im Knochen. Wenn sich viele von diesen Mikrofrakturen gebildet haben, können sie in der Summe zu einer großen Fraktur führen. Diese Art von Fraktur findet man beispielsweise bei Sportlern, bei denen bestimmte Knochen großen Belastungen ausgesetzt sind (z. B. Knochen im Mittelfuß).
  • Fraktur infolge einer Grunderkrankung (pathologische Fraktur). Diese Art Fraktur wird durch einen Stoß oder eine Belastung verursacht, die normalerweise nicht ausreicht, um einen gesunden Knochen zu schädigen. Die Fraktur entsteht also aufgrund einer Krankheit des Knochens. Häufige Ursachen sind Osteoporose oder ein Tumor im Knochen.

Therapie und Prognose

Wenn Sie eine Fraktur – und keine Fissur – haben, muss der Knochen, wenn nötig, wieder in seine Ursprungslage gebracht werden. Das heißt, die Knochenteile müssen bestmöglich zueinander ausgerichtet werden, bevor der betroffene Arm oder das betroffene Bein eingegipst werden kann. Manchmal müssen die Knochenteile mit Schrauben, Nägeln, Metallstiften oder einer Metallplatte zusammengehalten werden, damit sie überhaupt wieder zusammenwachsen können. In diesem Fall erfolgt eine Operation.

Nach der Heilung hat eine Bruchstelle nicht die gleiche Stärke wie zuvor, aber mit der Zeit wird bei jungen Menschen der Knochen meist (fast) wieder so stabil wie zuvor bzw. ausreichend stabil für die meisten Aktivitäten sein. Es gibt viele Faktoren, die die Heilung eines Knochens beeinflussen (Alter, Frakturstelle, Komplexität des Schadens bzw. ggf. Beteiligung anderer Gewebe an der Verletzung usw.). Da sich grundsätzlich die Stabilität des Knochens jedoch je nach körperlicher Belastung, möglicher Begleitkrankheiten, evtl. Vitamin- und Mineralstoffmangel und  dem Alter fortwährend ändert, ist es wichtig, auch nach der Knochenheilung auf ausreichend Sport und eine ausgewogene Ernährung zu achten. Knochengewebe wird vom Körper eher stabilisiert, wenn es Belastung ausgesetzt ist (Schwerkraft in den Beinen beim Joggen, Seilspringen sowie Krafttraining in den Armen). Mehrwöchige Ruhepausen führen hingegen vor allem bei älteren Menschen recht rasch zu verminderter Stabilität des Knochens.

Komplikationen bei der Frakturbehandlung

Die meisten Patienten haben bei der Behandlung einer Fraktur keine größeren Probleme. Es ist aber trotzdem ratsam, mögliche Komplikationen zu kennen, damit man diesen vorbeugen bzw. die notwendigen Maßnahmen einleiten kann, bevor ein irreparabler Schaden entsteht. Zunächst ist es wichtig, sich darüber zu informieren, ob durch die Verletzung, die zur Fraktur führte, auch andere Gewebe geschädigt wurden. Dies können z. B. Blutgefäße, Sehnen, Bänder, Haut, Nerven oder manchmal auch andere Organe sein (Lungengewebe bei einem Rippenbruch). Auf die Heilung dieser Strukturen ist ebenfalls besonders zu achten. Aber auch bei einer Fraktur ohne Begleitverletzungen können während der Heilung Probleme auftreten.

  • Infektionen in der Bruchstelle oder unter dem Gips. Dieses Risiko besteht vor allem bei offenen Frakturen, also wenn der Knochen die Haut verletzt hat. Diese Frakturen werden daher oft zunächst offen (also ohne Gips) versorgt. Aber auch bei vorhandenem Gips muss dieser bei zunehmenden Schmerzen und Beschwerden im Bereich der Bruchstelle entfernt werden, um das Risiko einer Infektion einschätzen und Maßnahmen zur antiseptischen (keimabtötenden) Behandlung einleiten zu können. Bevor der Gips in solchen Fällen ganz abgenommen wird, schneiden die Ärzte auch manchmal zunächst nur ein kleines Fenster in den Gips, um sich die Haut ansehen zu können. Später wird dieses Fenster wieder verschlossen. 
  • Kompartmentsyndrom. Es handelt sich um ein Phänomen, das auftreten kann, wenn der Gips ist zu eng ist. Das Weichgewebe unter dem Gips wird zusammengedrückt und die Blutversorgung wird dadurch schlechter. Dies kann Gewebeschäden in Muskeln und Sehnen verursachen und ohne sofortige Behandlung zu permanenten Schäden führen. Wenn Sie starke Schmerzen, Taubheit, Kribbeln oder Kälte spüren, bei blasser oder blau verfärbter Haut und bei Bewegungsschwierigkeiten in den Gelenken in der Nähe des Gipses sollten Sie sich sofort mit einem Arzt in Verbindung setzen. Man kann schweren Schäden vorbeugen, indem man den Gips löst oder aufschneidet.
  • Druckgeschwür. Druckgeschwüre können entstehen, wenn der Gips zu stark gegen die Haut reibt oder drückt. Ein Druckgeschwür ist leicht zu erkennen, und man kann dem Wundwerden mit Polsterung und Kunststoff entgegenwirken. Um solchen Problemen vorzubeugen, wird an bestimmten Stellen stets ein Polster angebracht; zudem wird unter dem Gips ein Stoffschlauch gezogen, um die Haut zu schützen. Häufig wird ein Gips auch zunächst noch etwas offen gelassen, um einer möglichen Schwellung des Gewebes Platz zu geben, und erst in einem zweiten Schritt ganz geschlossen.
  • Blutgerinnsel. Immer wenn eine Extremität über längere Zeit kaum bewegt wird (wie bei einem eingegipsten Bein), besteht die Gefahr, dass sich Blutgerinnsel in den Gefäßen vor Ort bilden. Diese können sich dort lösen und zu einer Embolie führen, d. h. mit dem Blutstrom mitgerissen werden und dann im Verlauf in einem kleineren Blutgefäß stecken bleiben und die Durchblutung stoppen (Beispiel Lungenembolie). Deshalb ist die Vorbeugung solcher Gerinnsel (Thromben) durch Heparinspritzen oder Tabletten sehr wichtig. 
  • Schlechte Frakturheilung. Wenn die Fraktur falsch zusammenwächst, sind eine Fehlstellung des Knochens und eine Funktionseinschränkung im verletzten Arm oder Bein möglich. Ein weiteres Problem entsteht, wenn die Knochenenden nicht wieder zusammenwachsen. Dieses Problem muss oft chirurgisch gelöst werden. Manche Frakturen heilen auch langsamer als erwartet. Bei älteren Menschen dauert die Heilung einer Fraktur länger als bei Kindern und Jugendlichen. In einigen Fällen müssen die Betroffenen länger Gips tragen als zunächst prognostiziert wurde.
  • Wachstumsstörungen. Bei Kindern besteht das Risiko von Wachstumsstörungen im betroffenen Körperteil. Dies gilt insbesondere, wenn die Fraktur durch die sogenannte Wachstumsfuge (Epiphysenfuge) verläuft. Dies kann dazu führen, dass die verletzte Extremität im Vergleich zur anderen weniger wächst.
  • Arthrose. Nach einer Fraktur können Rheuma und Arthrose in den betroffenen Gelenken auftreten. Wenn sich die Fraktur bis in die Gelenkfläche erstreckt, kann die eigentlich glatte Gelenkfläche beeinträchtigt werden. Dies kann Symptome einer Arthrose verursachen. Die Stabilisierung mit Gips kann in einigen Fällen zur Verknöcherung und Steifheit im Gelenk führen. Auch die Knorpel der Gelenke können beschädigt werden, was zu Gelenkschmerzen und Funktionseinschränkung führt.
  • Reflexdystrophie oder regionales Schmerzsyndrom. Dies ist eine seltene und schmerzhafte Erkrankung, die nach einer Verletzung auftreten kann. Eventuell ist dieser Zustand Teil des Kompartmentsyndroms. Was diesen Zustand verursacht und wie er am besten behandelt werden kann, ist noch nicht bekannt. Es gibt jedoch eine Reihe von sinnvollen Maßnahmen zur Therapie.

Nach der Heilung des Knochens

Eine gut ausgeheilte Fraktur hinterlässt in der Regel eine dauerhafte, aber leichte Schwäche an der Bruchstelle. Diese Schwäche bemerken die Betroffenen jedoch kaum. Wenn Sie Verletzungen und Belastungen der Bruchstelle in der Zeit vermeiden, in der Sie den Gips tragen, verbessern Sie Ihre Heilungschancen. Damit das Gewebe im Bereich des Gipsverbandes nicht anschwillt, ist es sinnvoll, regelmäßig die eingegipste Extremität hochzulagern. Trotz Gips sind Bewegungen unverletzter Gelenke und Knochen der verletzten Extremität meist wichtig, um die Beweglichkeit zu erhalten. Man kann z. B. die Finger des gebrochenen Arms regelmäßig bewegen und trainieren. Lassen Sie sich hier von einem Physiotherapeuten genau beraten, damit Sie sich nicht überlasten oder ungünstige Bewegungen ausführen. Hier werden Sie auch Ratschläge dazu erhalten, wie Sie nach erfolgter Heilung die Muskeln der betroffenen Extremität am besten wieder trainieren.

Sollten Sie nach Ausheilung der Fraktur trotzdem noch Beschwerden spüren, müssen Sie Ihren Arzt darüber informieren. Nicht jeder Bruch verheilt perfekt, aber mit guter Unterstützung lässt sich vieles verbessern.

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen