Schwere Schädel-Hirn-Verletzung

Eine schwere Schädel-Hirn-Verletzung (Schädel-Hirn-Trauma) kann lebensbedrohlich sein und erfordert die möglichst schnelle Behandlung durch einen Notarzt.

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Hintergrund

  • Die meisten Schädel-Hirn-Verletzungen sind leicht und können ambulant behandelt werden.
  • In einigen Fällen kann es durch einen Schlag auf oder gegen den Kopf bzw. einen Unfall/Sturz allerdings zu einem Schädelbruch und/oder einer Gehirnerschütterung kommen.
  • Nach einem Sturz/Schlag auf den Kopf können Blutungen innerhalb des Schädels auftreten, also an den Hirnhäuten oder im Hirngewebe, wodurch sich der Druck im Gehirn dramatisch erhöht. Symptome infolge dieser Blutungen können sofort, aber auch verzögert auftreten.
  • Durch die Verletzung kann ein offenes Schädeltrauma resultieren, bei dem Blutungen durch die verletzte Schädeldecke zu sehen sind. Aber auch bei unverletztem Schädelknochen und Kopfhaut sind schwere Schäden des Gehirns möglich (geschlossene Hirnverletzung).
  • Ein schweres Schädel-Hirn-Trauma ist lebensbedrohlich.
  • Bei einer Person mit mittelschwerer bis schwerer Schädel-Hirn-Verletzung besteht immer auch der Verdacht auf eine Verletzung der Halswirbelsäule und des Rückenmarks.
  • Alarmieren Sie umgehend den Notruf unter der Nummer 112, wenn Sie eines der typischen Symptome bei einem Verletzten beobachten.

Überprüfen Sie den Verletzten auf folgende Symptome und Anzeichen

  • War oder ist der Betroffene ohne Bewusstsein? Wenn ja, wie lange?
  • Ist der Betroffene ansprechbar und orientiert oder wirkt er desorientiert/verwirrt?
  • Klagt der Verletzte über Kopfschmerzen, Schwindel, Sehstörungen, Nackenschmerzen und/oder Übelkeit und Erbrechen?
  • Tritt Blut oder eine andere Flüssigkeit aus Ohren, Nase, Augen oder Mund aus?
  • Finden sich Hämatome rund um die Augenlider oder Blutungen im weißen Teil des Augapfels?
  • Blutet die Kopfhaut? Sind geschwollene oder weiche/eingedrückte Stellen zu tasten (vorsichtig tasten!)?
  • Liegen Verletzungen vor, durch die das Schädelinnere zu erkennen ist?
  • Sind die Pupillen vergrößert oder ungleichmäßig groß?
  • Ist der Puls ungewöhnlich langsam oder deutlich beschleunigt? Atmet der Verletzte regelmäßig?

Wann sollte der Notruf (112) alarmiert werden?

  • Es liegen stark blutende Wunden am Kopf oder im Gesicht oder tastbare starke Schwellungen am Schädel nach einem Sturz/Schlag auf den Schädel vor.
  • Der Verletzte weist einen veränderten Bewusstseinszustand auf, selbst wenn dies nur vorübergehend der Fall ist.
  • Der Bereich rund um die Augen ist dunkel bzw. bläulich verfärbt.
  • Der Verletzte atmet nicht, es ist kein Puls zu fühlen.
  • Der Verletzte ist verwirrt.
  • Es liegen Gleichgewichtsprobleme bzw. Schwindel vor. Der Betroffene erbricht.
  • Der Verletzte hat einen Krampfanfall gehabt oder krampft immer noch.
  • Der Verletzte kann einen Arm oder ein Bein nicht bewegen (Lähmung).
  • Selbst wenn diese Symptome nicht vorliegen, sollten Sie einen Notarzt rufen, wenn Sie einen Verletzten finden, der eine Kopfverletzung hat und Sie sich nicht sicher sind, wie schwer diese ist.

Erste Hilfe bei akutem Schädel-Hirn-Trauma

  • Bei Verdacht auf eine Schädelverletzung ist häufig auch die Halswirbelsäule mit Rückenmark betroffen. Daher ist es wichtig, den Patienten möglichst nicht zu bewegen, damit weitere Schäden am Rückenmark vermieden werden. Ist es dennoch nötig, den Patienten umzulagern, muss darauf geachtet werden, die Halswirbelsäule gegenüber dem Körper/Kopf nicht zu bewegen. 
  • Legen Sie den Verletzten hin, möglichst mit leicht erhöhtem Kopf und Oberkörper.
  • Falls der Verletzte schlecht atmen kann, machen Sie die Atemwege frei: Gehen Sie hinter dem Kopf des Betroffenen auf die Knie, legen Sie Ihre Hände auf beiden Seiten des Kopfes unter den Kieferwinkel und heben Sie den Kiefer an, ohne den Nacken des Verletzten dabei zu bewegen.
  • Stillen Sie eventuelle Blutungen mit einem Verband oder einem sauberen Stück Stoff.
  • Überwachen Sie den Bewusstseinszustand des Verletzten.
  • Hört der Verletzte auf zu atmen, sollten Sie umgehend mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen (Kinder/Erwachsene)

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Schädel-Hirn-Trauma. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie. Schädel-Hirn-Trauma im Erwachsenenalter. AWMF-Leitlinie Nr. 008-001, Stand 2015. www.awmf.org
  2. Gesellschaft für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin. Das Schädel-Hirn-Trauma im Kindesalter. AWMF-Leitlinie Nr. 024-018, Stand 2011. www.awmf.org
  3. Kuppermann N, Holmes JF, Dayan PS, et al, for the Pediatric Emergency Care Applied Research Network (PECARN). Identification of children at very low risk of clinically-important brain injuries after head trauma: a prospective cohort study. Lancet 2009; 374: 1160-70. PubMed
  4. Hamilton M, Mrazik M, Johnson DW. Incidence of delayed intracranial hemorrhage in children after uncomplicated minor head injuries. Pediatrics 2010; 126: e33-39. www.ncbi.nlm.nih.gov
  5. Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie. Polytrauma / Schwerverletzten-Behandlung. AWMF-Leitlinie Nr. 012-019, Stand 2016. www.awmf.org
  6. af Geijerstam JL, Oredsson S, Britton M; OCTOPUS Study Investigators. Medical outcome after immediate computed tomography or admission for observation in patients with mild head injury: randomised controlled trial. BMJ 2006; 333: 465. www.ncbi.nlm.nih.gov
  7. Norlund A, Marké LÅ, af Geijerstam JL et al. Cost comparison of immediate computed tomography or admission for observation after mild head injury: randomised controlled trial. BMJ 2006; 333: 469-71. www.jstor.org
  8. Undén J, Ingebrigtsen T, Romner B. Scandinavian guidelines for initial management of minimal, mild and moderate head injuries in adults: an evidence and consensus-based update. BMC Med 2013; 11: 50. PubMed
  9. Stubbe H, Wölfer J. Schädel-Hirn-Trauma bei Erwachsenen. Intensivmedizin up2date 8, 2012. www.thieme.de