Schädelfraktur

Eine Schädelfraktur ist ein Bruch im Schädelknochen (Kranium).

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Was ist eine Schädelfraktur bzw. ein Schädelbruch?

Eine Schädelfraktur ist der Bruch des Schädelknochens (Kranium). Es gibt drei Haupttypen von Schädelfrakturen: die Längsfraktur an der Kopfseite (lineare Fraktur), die Biegungsfraktur, bei dem der Schädel eingedrückt wird (Impressionsfraktur), und die Fraktur der Schädelbasis (Schädelbasisbruch). Eine Schädelfraktur betrachtet man als infiziert (kontaminiert), wenn die umgebende Haut gerissen ist oder wenn sich die Fraktur auf Nebenhöhlen oder Mittelohr erstreckt.

Schädelfrakturen sind bei großen Kopfverletzungen relativ häufig, insbesondere bei Kindern. Lineare Frakturen kommen am häufigsten vor.

Was kann bei einer Schädelfraktur getan werden?

Eine Schädelfraktur entsteht meistens infolge eines plötzlichen, starken Schlags auf den Kopf. Neben einer Fraktur kann eine solche auf den Kopf ausgeübte Gewalt zu Gehirnerschütterung, Hirnverletzung, Verletzung von Nervenfasern und Blutungen in oder um das Gehirn führen. Linearfrakturen bergen das Risiko von Brüchen und Rissen in den Blutgefäßen; daher ist diese Art von Bruch die häufigste Ursache für ein Epiduralhämatom. Schädelbasisbrüche können die Blutgefäße auch verletzen, wobei häufig Schäden an den Hirnnerven entstehen, die zur Hirnhautentzündung führen können.

Der Schweregrad der Kopfverletzung variiert je nach dem Umfang weiterer Schäden, die zur Schädelfraktur hinzukommen. Leichte Verletzungen können eine vorübergehende Verwirrung und Kopfschmerzen verursachen, während schwere Kopfverletzungen tödlich sein können.

Diagnose

Die Symptome bei einer Fraktur können variieren: Manche Patienten leiden lediglich unter leichten Kopfschmerzen, während andere bewusstlos werden oder sogar versterben. Bei einem Schädelbasisbruch kann eine klare Flüssigkeit aus der Nase oder Ohren austreten, was auf eine Leckage der Hirnflüssigkeit (Zerebrospinalflüssigkeit) hindeutet. Rotgesprenkelte Schwellungen rund um die Augen, auch Brillenhämatom genannt, deuten ebenfalls auf einen Schädelbasisbruch hin. Ein Hörverlust deutet auf einen Bruch des Gehörknöchelchens, Blutungen im Mittelohr oder Beschädigungen des achten Hirnnervs hin. Der Verlust des Geruchssinns und des Sehvermögens lassen auf Schäden an der Geruchsnerven und Sehnerven schließen. Doppelbilder und Sehstörungen können durch Schäden an Hirnnerven verursacht werden, die zu den Augenmuskeln führen, oder eine Orbitabodenfraktur bedeuten.

Bei linearen Frakturen spürt der Patient oft nur wenige Symptome. Wenn Blutgefäße im Inneren des Schädels gerissen sind, können sie Epiduralhämatome bilden. Typisch für ein Epiduralhämatom ist, dass die Symptome innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Verletzung zunehmen, manchmal dramatisch.

Als Standarduntersuchung setzt man die Computertomografie ein, die eine bessere Diagnose als konventionelles Röntgen ermöglicht. Die Untersuchung liefert auch Informationen über mögliche Hirnschäden.

Therapie

Die meisten Schädelfrakturen können konservativ durch viel Ruhe und Abwarten behandelt werden. Patienten mit kleinen linearen Frakturen oder sogenannten Impressionsfrakturen, wo ein Stück Knochen eingedrückt wurde, können, wenn keine Anzeichen von Hirnschäden vorliegen, nach einer bestimmten Beobachtungszeit nach Hause entlassen werden. Bei Anzeichen von schweren Verletzungen muss die verletzte Person in der akuten Phase stabilisiert werden und die Therapie läuft darauf hinaus, die Entwicklung von Komplikationen zu verhindern.

Eine eventuelle chirurgische Behandlung erfolgt, wenn es der jeweilige Zustand erfordert. Bei offene Wunden, Auslaufen von Gehirnflüssigkeit und Blutungen ist eine sofortige Operation notwendig. Modernen Operationstechniken erlauben heute die Behandlung vieler Komplikationen, die bei einer Schädelfraktur auftreten können.

Prognose

Schädelfrakturen umfassen alles von völlig unkomplizierten Verletzungen bis hin zu Verletzungen mit lebensbedrohlichen Komplikationen. Blutungen im Inneren des Schädels sind die häufigste Komplikation bei einer Schädelfraktur. Über ein Viertel aller Erwachsenen mit Schädelfraktur bekommen einen Bluterguss (Hämatom) infolge einer Blutung. Andere Komplikationen sind die mögliche Leckage von Gehirnflüssigkeit, Meningitis, Hirnthrombose, Schäden an Hirnnerven sowie Epilepsie.

Die Heilungschancen hängen vom Ausmaß der Verletzung ab. Bei leichteren Verletzungen und bei Kindern bestehen meist gute Heilungschancen. Faktoren, die die Heilungschancen negativ beeinflussen, sind große Verletzungen, längere Bewusstlosigkeit und Komplikationen innerhalb des Schädels.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Schädelfraktur. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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