Lebensmittelinfektion und Lebensmittelvergiftung

Schwere Lebensmittelinfektionen sind in der Regel auf verdorbene Lebensmittel zurückzuführen, die mit Bakterien verunreinigt sind, die unter Umständen Giftstoffe produziert haben.

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Was ist eine Lebensmittelinfektion?

Nahrungsmittel können mit Bakterien, Giftstoffen, Parasiten, Viren oder Chemikalien verunreinigt sein und so zu einer Magen-Darm-Infektion führen. Alle Lebensmittel enthalten geringe Mengen an Bakterien. Werden Lebensmittel jedoch falsch behandelt, nicht ausreichend gegart oder falsch gelagert, können sich so große Mengen an Bakterien bilden, dass dadurch Krankheiten verursacht werden. Eventuell können die Bakterien auch Giftstoffe produzieren, die zu einer Lebensmittelvergiftung führen.

Erkrankte Personen oder symptomfreie Träger von Krankheitserregern können diese auf Lebensmittel übertragen.

Die Symptome einer Lebensmittelinfektion richten sich nach der Quelle der Verunreinigung. In der Regel kommt es innerhalb weniger Stunden nach der Einnahme des verunreinigten Lebensmittels zu Durchfall, Übelkeit, Bauchschmerzen und mitunter Erbrechen. Gelegentlich tritt auch Fieber auf.

Wenn Sie verdorbene Lebensmittel zu sich genommen haben, hängt es von der Art des Erregers, der verzehrten Menge, Ihrem Alter und Ihrem Gesundheitszustand ab, ob und wie schwer Sie erkranken.

Risikogruppen sind:

  • Ältere Menschen: Mit steigendem Alter reagiert das Immunsystem nicht mehr so schnell und effektiv auf Krankheitserreger.
  • Säuglinge und Kleinkinder: Ihr Immunsystem ist noch nicht vollständig entwickelt.
  • Menschen mit chronischen Erkrankungen: Menschen, die z. B. an Diabetes oder Autoimmunerkrankungen leiden oder sich einer Chemotherapie oder Bestrahlung unterziehen, können eine geschwächte Immunreaktion aufweisen.

Eine Lebensmittelvergiftung tritt innerhalb von wenigen Stunden bis Tagen auf und klingt für gewöhnlich innerhalb von 24 Stunden ab.

Erste Hilfe

Wenn Sie eine Lebensmittelvergiftung erleiden:

  • Gönnen Sie sich Ruhe und nehmen Sie reichlich Flüssigkeit zu sich (Wasser, Tee, Apfelsaftschorle, Brühe).
  • Ggf. können Sie auch fertige Elektrolytlösungen aus der Apotheke trinken.
  • Nehmen Sie keine Mittel gegen Durchfall ein, da sich dadurch die Ausscheidung der Erreger aus Ihrem Körper verzögern kann.
  • Die Erkrankung klingt für gewöhnlich von selbst ab.

Nehmen Sie akutmedizinische Hilfe in Anspruch, falls

  • Sie unter schweren Symptomen leiden, z. B. wässriger Durchfall, dem sich innerhalb von 24 Stunden Blut beimischt.
  • Sie einer Risikogruppe angehören (s. o.).
  • Sie weitere schwere Symptome haben, z. B. Sehstörungen oder Muskelschwäche.
    • Botulismus ist eine sehr seltene, lebensbedrohliche Erkrankung, die auf die Einnahme eines Giftstoffes zurückzuführen ist, der von bestimmten Bakteriensporen in Lebensmitteln gebildet wird. Am häufigsten kommen diese in hausgemachten, eingeweckten Lebensmitteln und Räucherfisch vor. Die Symptome treten meist 12–36 Stunden nach Verzehr des verdorbenen Lebensmittels in Erscheinung und können sich in Form von Kopfschmerzen, Sehstörungen, Muskelschwäche und eventuell Lähmungen äußern.

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Lebensmittelvergiftung/Gastroenteritis. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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