Sportverletzungen beim Fußball

Die Hälfte der Verletzungen im Fußball ist auf Kollisionen oder den Versuch zurückzuführen, den Gegner vom Ball zu trennen. Die häufigsten Verletzungsarten sind Bandverletzungen, Zerrungen und Knochenbrüche.

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Wer ist am meisten gefährdet?

Der Fußballsport ist bei Männern der unfallträchtigste Sport, bei Frauen steht Fußball an fünfter Stelle der unfallträchtigsten Sportarten. Von den etwa 2 Millionen Sportunfällen, die jährlich ärztliche betreut werden, entfallen etwa 8 % bei Frauen und 59 % bei Männern auf Fußball.1

Welche Verletzungen sind am häufigsten?

Die häufigste Verletzungsart bilden Verstauchungen der Gelenke mit oder ohne Verletzung der Bänder. Viele Bandverletzungen werden nicht akut erkannt, sondern erst im Rahmen einer späteren Kontrolle. Eine von fünf Verletzungen beim Fußball ist ein Knochenbruch. Die mit Abstand meisten Verletzungen betreffen erwartungsgemäß die Beine, wobei die Knöchel bzw. die Füße am häufigsten beteiligt ist.

Bänderverletzungen

Zerrungen oder Bänderrisse treten am häufigsten an der Außen- oder Innenseite des Knöchels und den Seiten des Kniegelenks auf. Die Verletzung entsteht oft in Verbindung mit Verstauchungen, Tritten oder einem Verdrehen des Knöchels, wenn der Fuß falsch aufkommt. Die Genesungsdauer bei derartigen Verletzungen erstreckt sich von wenigen Tagen bis hin zu mehr als einem halben Jahr (z. B. bei Kreuzbandverletzungen). Ist ein Gelenkband erst einmal überdehnt oder gerissen, besteht danach ein höheres Risiko einer erneuten Verletzung, die wiederum zu einer chronischen Instabilität der Bänder führen kann.

Nähere Informationen über die einzelnen Arten von Bänderverletzungen:

Zerrungen

Zerrungen treten häufig an Oberschenkel, Unterschenkel und in der Leistengegend auf. Muskelfaserrisse treten meist in Verbindung mit einem schnellen Spurt, plötzlichem Abbremsen, einem abrupten Richtungswechsel oder dem Stoß eines harten Schusses auf. Sie entstehen häufiger, wenn die Muskeln vor dem Spiel oder Training nicht sorgfältig genug aufgewärmt wurden. Die betroffenen Bereiche sind in der Regel bald wieder geheilt, in einigen Fällen, beispielsweise bei Verletzung der rückseitigen Oberschenkelmuskulatur, kann es jedoch bis zu einem Monat oder länger dauern, bis der Spieler wieder eingesetzt werden kann.

Weitere Informationen zu Zerrungen:

Knochenbrüche (Frakturen)

Ursachen für Knochenbrüche beim Fußballspielen sind häufig Zusammenstöße, Tritte, Stürze, Verdrehungen und falsches Aufkommen. Längere Überlastungen können zu Ermüdungsbrüchen (Stressfrakturen) führen. Frakturen sind oft mit langen Ausfallzeiten verbunden.

Nähere Informationen über die häufigsten Frakturen:

Meniskusverletzung

Der Meniskus besteht aus zwei Knorpelscheiben, die als Stoßdämpfer innerhalb des Kniegelenks fungieren. In diesen Knorpelscheiben können im Zusammenhang mit drehenden Kniegelenksbewegungen Risse auftreten, häufig infolge des Versuchs den Gegner vom Ball zu trennen und bei Täuschungsmanövern. Aktive Fußballer müssen bei Meniskusverletzungen in der Regel operiert werden, dabei können u. a. zerstörte Knorpelstücke entfernt werden.

Nähere Informationen über Meniskusverletzungen:

Kreuzbandverletzungen

Das Kniegelenk hat zwei starke Kreuzbänder, das vordere und das hintere Kreuzband. Ein Kreuzband kann beim Fußball infolge einer Überdehnung des Kniegelenks oder einer Drehbewegung des Knies reißen. Die Verletzung kann mit und ohne Kontakt mit einem anderen Spieler auftreten, beispielsweise bei Täuschungsmanövern, beim Aufkommen oder beim Versuch, den Gegner vom Ball zu trennen und wenn sich das Bein am Boden verhakt. Bei aktiven Fußballspielern werden Kreuzbandverletzungen in der Regel operiert. Danach ist eine lange Rehabilitation erforderlich, sodass häufig von mindestens sechs Monaten ausgegangen werden muss, bis der Spieler wieder eingesetzt werden kann.

Nähere Informationen über Kreuzbandverletzungen:

Sehnenentzündungen

Eine Überlastung über einen längeren Zeitraum oder eine plötzliche Bewegung können die Sehnen und Sehnenansätze verletzen. Fußballer sind besonders anfällig für Verletzungen der Leistengegend. Solche Verletzungen erfordern Entlastung und Ruhe sowie eine Rehabilitation in Form von speziellen Bewegungs- und Kräftigungsübungen.

Nähere Informationen über relevante Sehnenverletzungen:

Verschiedene Verletzungen

Fußballer können darüber hinaus eine Vielzahl weiterer Verletzungen erleiden, zum Beispiel:

Vorbeugende Maßnahmen

Vorbereitung des Spielfeldes

  • Harte, scharfe Gegenstände müssen vom Spielfeld und dessen unmittelbarer Umgebung entfernt werden.

Berücksichtigung des Untergrunds

  • Bei Spielen auf Eis sollten geeignete Schuhe mit Schraubstollen verwendet werden, um Stürze und Aufprallverletzungen zu vermeiden.
  • Auf lange Eisspikes sollte jedoch unter dem vorderen Teil der Sohle verzichtet werden, um die Verletzungsgefahr beim Spieler selbst sowie bei Mit- und Gegenspielern zu verringern. Bei der Nutzung von Stollen und Spikes müssen Manöver zur Trennung des Gegners vom Ball mit Umsicht erfolgen.
  • Beim Spiel auf glatten Kunstrasenflächen sollte die Ausrüstung Verletzungen, die durch Reibung auf dem Untergrund entstehen können (Brandverletzungen), vorbeugen.

Spielregeln

  • Die Spielregeln müssen klar formuliert sein und deutliche Grenzen für aggressives Verhalten aufzeigen.
  • Der Schiedsrichter muss die Spielregeln überwachen und eingreifen, bevor eine Situation, in der offensichtlich Druck aufgebaut wird, zu einer Verletzung führt.

Persönliche Voraussetzungen

  • Eine gute Trainingsgrundlage und ein gutes Aufwärmtraining sind besonders wichtig.
  • Krafttraining bietet einen guten Schutz vor Verletzungen an den Gelenken/Bändern.
  • Die Bestimmungen hinsichtlich der Spielzeit für die jüngeren Jahrgänge müssen eingehalten werden (ebenso für die übrigen Altersklassen).

Allgemeine Maßnahmen

  • Die Spieler sollten über die Möglichkeiten der Vorbeugung von Verletzungen geschult werden.
  • Es ist für die Sicherstellung einer qualifizierten ärztlichen Betreuung zu sorgen.
  • Am Unfallort muss korrekte Erste Hilfe geleistet werden.
  • Eine gute Rehabilitation nach Verletzungen beugt erneuten Verletzungen vor.

Weitere Informationen

Literatur

  1. Henke T. Sportunfälle. Gesundheitsberichte NRW. Bielefeld 2003. www.lzg.nrw.de

Autoren

  • Marie-Christine Fritzsche, Ärztin, Freiburg