Sportverletzungen in der Leichtathletik

Die häufigsten Leichtathletik-Verletzungen sind Muskelzerrungen, Sehnenentzündungen und Verletzungen der Gelenkbänder.

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Die Leichtathletik umfasst ein breites Spektrum an Disziplinen: von schnellen kraftvollen Sprints bis Ausdauerläufen über einen längeren Zeitraum. Man unterscheidet daher zwischen akuten Verletzungen und Überlastungsschäden. Diese Verletzungen sind ebenso breit gefächert wie die einzelnen Sportarten der Leichtathletik.

Wer ist am meisten gefährdet?

Leichtathletikverletzungen machen bei Kindern und Jugendlichen rund 8 % aller Sportverletzungen aus, knapp die Hälfte entsteht bei Ballsportarten.1 Auch im Erwachsenenalter spielen Handball und Fußball für die Häufigkeit von Sportverletzungen eine deutlich größere Rolle als die Leichathletik.2

Welche Verletzungen sind am häufigsten?

Überlastungsschäden machen 50–80 % aller Sportverletzungen aus. Sie treten am häufigsten bei den Ausdauersportarten – wie Laufen über lange Distanzen – auf. Akute Überlastungen umfassen Verstauchungen, Zerrungen, die Verdrehung des Knies usw.

Nicht weniger als 40 % aller Verletzungen in der Leichtathletik betreffen den Knöchel oder Fuß. Ein erheblicher Anteil der Verletzungen betrifft darüber hinaus die Hüfte, die Oberschenkel und Waden. Dabei ist der überwiegende Teil der Leichtathletikverletzungen als leicht einzustufen.

Überlastungsschäden

Ein Überlastungsschaden ist nicht unbedingt auf eine zu große akute Belastung zurückzuführen, sondern die relative Belastung überfordert über einen größeren Zeitraum hinweg das Gewebe. Oft reicht die Trainingsgrundlage für Muskeln und Sehnen nicht aus, um einer plötzlichen starken Belastung bzw. einer ungewohnten Bewegung standzuhalten. Jede ungewohnte Bewegung bedeutet Stress für das beteiligte Gewebe und somit eine Verletzungsgefahr. Das größte Risiko für einen Überlastungsschaden ist eine bereits durchgemachte Verletzung. Wird nach einer Verletzung das Gewebe zu stark, zu früh oder zu oft wieder belastet oder werden zu wenige Ruhepausen eingelegt, so kann es nicht vollständig ausheilen und wird schnell erneut verletzt. Überlastungsschäden sind also häufig auf ungeeignetes Training zurückzuführen. Die Belastung wird als Summe der Menge (Dauer, Belastungsfaktoren von außen, Häufigkeit) und der Intensität definiert.

Weitere Informationen über spezifische Verletzungen finden Sie in den folgenden Artikeln:

Bänderverletzungen

Bänderzerrungen oder -risse treten am häufigsten an der Außen- oder Innenseite des Knöchels und an den Seiten des Kniegelenks auf. Die Verletzung entsteht häufig in Verbindung mit einer Überdehnung oder Verdrehung des Knöchels, wenn der Fuß falsch aufkommt. Die Genesungsdauer liegt zwischen einigen Tagen und mehr als einem halben Jahr (Kreuzbandverletzungen). Ist ein Gelenkband erst einmal überdehnt oder gerissen, besteht danach ein höheres Risiko einer erneuten Verletzung, was wiederum zu einer chronischen Instabilität der Bänder führen kann.

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Bänder des Sprunggelenks, Außenansicht
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Bänder des Sprunggelenks, von hinten
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Knie, Kreuzband
 

Weitere Informationen über die verschiedenen Verletzungen finden Sie in den folgenden Artikeln:

Zerrungen

Zerrungen treten am häufigsten an Oberschenkel, Unterschenkel und in der Leistengegend auf. Muskelfaserrisse treten oft in Verbindung mit einem schnellen Spurt, plötzlichem Abbremsen oder einem abrupten Richtungswechsel auf. Sie entstehen häufiger, wenn die Muskeln vor dem Wettkampf oder Training nicht sorgfältig genug aufgewärmt wurden. Die Verletzungen sind in der Regel bald wieder verheilt, in einigen Fällen, beispielsweise bei Verletzung der rückseitigen Oberschenkelmuskulatur, kann es jedoch bis zu einem Monat oder länger dauern, bis der Sport wieder ausgeübt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in den Artikeln:

Oberkörper

Schultern und Rücken sind vor allem bei Wurfsportarten verletzungsgefährdet. Die Werferschulter ist auf eine Überlastung der Sehnenansätze der Schultermuskulatur zurückzuführen. Bei einer Werferschulter sollte der Trainingsumfang verringert werden (weniger Würfe), und es sollten alternative Trainingsformen gesucht werden, die die Muskulatur stärken, ohne die akuten Beschwerden zu verschlimmern.

Rückenbeschwerden sind in der gesamten Bevölkerung weit verbreitet, sie kommen bei Leichtathleten nicht häufiger vor. Meist gehen sie auch ohne besondere Behandlung innerhalb von wenigen Wochen wieder zurück.

Weitere Informationen über Oberkörperverletzungen finden Sie in den folgenden Artikeln:

Vorbeugende Maßnahmen

  • Halten Sie Ihre technische Ausrüstung auf einem Laufendem.
  • Bewegen Sie sich in deutlich markierten Bahnen.
  • Halten Sie auf Laufbahnen und -strecken bei Geschwindigkeitstraining und Wettkämpfen einen sicheren Abstand zum Publikum.
  • Beachten Sie die Spielregeln bei Staffel- und sonstigen Läufen mit dichtem Läuferfeld.
  • Halten Sie ausreichenden Sicherheitsabstand zum Aufschlagsektor bei Wurfsportarten.
  • Schirmen Sie den Wurfbereich beim Hammerwerfen ab.
  • Verwenden Sie ausreichend gepolsterte Matten beim Hochsprung und eine gut präparierte, weiche Sprunggrube beim Weitsprung.
  • Vermeiden Sie scharfe und harte Gegenstände auf den Laufbahnen und in den Aufschlagsektoren der Wurfdisziplinen.
  • Vermeiden Sie vorstehende Metall- und Holzteile in Richtung der Laufbahnen und Aufschlagsektoren der Wurfdisziplinen.
  • Wählen Sie sichere Trainingsbereiche beim Training außerhalb von Leichtathletikanlagen, vor allem beim Training im Umfeld von motorisiertem Verkehr aus.
  • Intensives Aufwärmtraining und Dehnen ist eine Grundvoraussetzung!
  • Wählen Sie das sportliche Niveau (Schwierigkeitsgrad, Intensität), das zu Ihrem Trainingsniveau passt.
  • Vermeiden Sie explosive und kraftfordernde Disziplinen, wenn Ihre Muskulatur nicht ausreichend trainiert ist.
  • Hohe Priorität hat das Erlernen der korrekten Technik.
  • Erst die Technik einüben, dann allmählich den Krafteinsatz steigern.
  • Sorgen Sie für ausreichend rasche und angemessen durchgeführte Erste-Hilfe-Maßnahmen.
  • Sorgen Sie nach Verletzungen für eine gute Rehabilitation zur Wiederherstellung der Körperfunktionen.

Weitere Informationen

Literatur

  1. Woller T, Ellsäßer G, Bühligen U. Sportverletzungen im Kindes- und Jugendalter. Daten der europäischen Injury Database (IDB) für die Unfallprävention. Dtsch Z Sportmed. 2014; 65: 242-247. www.zeitschrift-sportmedizin.de
  2. Henke T, Luig P, Schulz D. Sportunfälle im Vereinssport in Deutschland. Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz June 2014, Volume 57, Issue 6, pp 628-637 (http://link.springer.com/article/10.1007/s00103-014-1964-x). www.sicherheitimsport.de

 Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen