Sportverletzungen beim Skispringen

Sportverletzungen sind in dieser Disziplin sehr selten. Ihre Häufigkeit wird stark überschätzt.

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Wer ist am meisten gefährdet?

Das Ausmaß der Verletzungen ist beim Skispringen sehr gering und wird im Vergleich zu anderen Wintersportarten erheblich überschätzt. Sicherheit hat beim Skispringen eine hohe Priorität. In den vergangenen Jahrzehnten wurde das Gesundheitsrisiko noch einmal weiter reduziert. Nach sportmedizinischen Studien kam es bei österreichischen Nachwuchsspringern / Weltcupspringern zu etwa 64 / 42 Stürzen mit 4 bzw. 2 Verletzungen pro 10.000 Sprüngen.1

Skispringen ist zwar mit einem höheren Risiko verbunden als Skilanglauf, die Verletzungsgefahr im Vergleich zu den alpinen Disziplinen ist jedoch wesentlich geringer. Ein Abfahrtsläufer erreicht deutlich höhere Geschwindigkeiten als ein Skispringer. Die Geschwindigkeit beim Absprung liegt etwa bei 90 km/h und der Landungsbereich ist flach und gut präpariert, während der Abfahrtsläufer bei einem Sturz über 140 km/h schnell sein kann und auf steilem, teils unebenem Gelände unterwegs ist.

Welche Verletzungen sind am häufigsten?

Die Hälfte aller bei den Weltcupspringern analysierten Sturzereignisse waren
auf Fehler in der Flugphase zurückzuführen. Ein Viertel aller Sturzereignisse konnten auf Fehler in der Landephase zurückgeführt werden. In der Absprung- und Auslaufphase verletzten sich demgegenüber mit 14,3 % und
10,7 % die wenigsten Springer. Bei den Junioren dagegen war die Landephase mit 52,4 % aller Stürze die unfallträchtiges Phase, gefolgt von der Flugphase (23.8%), der Absprungphase (14.3%) und der Auslaufphase mit 9.5%1

Prellungen ohne schwerwiegende Folgen sind mit etwa 50% der Verletzungen am häufigsten, gefolgt von Brüchen (39%) und Kopfverletzungen mit Gehirnerschütterung (22%).1

Der Anteil schwerer Verletzungen ist beim Skisprung deutlich abnehmend. Dies wird unter anderem auf eine verbesserte Präparierung der Schanze zurückgeführt. Die moderne Sprungtechnik führt zudem zu niedrigeren Geschwindigkeiten und somit weniger Druck bei der Landung, was sich im Sinne einer Vorbeugung von Verletzungen vorteilhaft auswirkt. Die meisten verletzten Skispringer tragen keine bleibenden Schäden davon und sind nach der Rehabilitation in der Lage, ihre Karriere fortzusetzen.

Vorbeugende Maßnahmen

Ausrüstung und Gestaltung der Skisprungschanze

  • Stabile Anlaufspur
  • Gut präparierte Aufsprungbahn und fester, gleichmäßiger Auslauf
  • Korrektes Schanzenprofil
  • Entfernen aller festen Elemente in der Anlaufspur, am Schanzentisch und an Aufsprungbahn und Auslauf, die zu Verletzungen führen können
  • Beachtung der Windverhältnisse
  • Wahl der Schanzengröße und des sonstigen Schwierigkeitsgrades nach den persönlichen Fähigkeiten
  • Aufwärmraum am Anlauf
  • Verantwortungsvolle Wettkampfleitung/Jury
  • Nutzung sicherer Bindungen Überprüfen der Bindungen vor jedem Sprung

Maßnahmen zur Verringerung der Verletzungsgefahr

  • Nutzung eines zugelassenen Helms
  • Nutzung von Sprunganzug und Handschuhen, die im Fall eines Sturzes gegen Abschürfungen und Verbrennungen schützen. Dies ist besonders wichtig bei Kunststoffschanzen.
  • Korrekte Einstellung der Bindungen, so dass diese sich bei einem Sturz öffnen
  • Gutes Aufwärmtraining, Warmhalten des Körpers vor dem Sprung

Behandlung im Falle eines Sturzes

  • Qualifiziertes Gesundheitspersonal
  • Angemessene Erste-Hilfe- und Transportausrüstung
  • Hubschrauber beim Skifliegen
  • Qualifizierte Erste Hilfe

Weiterführende Informationen

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Literatur

  1. Goertzen M, Nalbach H, Gürtler R. Analyse der Verletzungsproblematik im Nordischen Skisprung. Dtsch Z Sportmed 2001; 52(1): 15-20 www.zeitschrift-sportmedizin.de

 

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln