Insektenstich

Die meisten Menschen reagieren auf einen Insektenstich oder -biss nur mit leichten Symptomen. Allerdings können manche Insekten ausgedehnte Hautveränderungen hervorrufen oder bei bestehender Allergie schwere Allgemeinreaktionen verursachen.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren
qr-code_34938.png

Stiche oder Bisse von Insekten, wie Mücken, Bienen, Läusen, Flöhen oder Zecken, verursachen manchmal gar keine Symptome oder lösen nur harmlose Beschwerden wie Juckreiz und kleine Quaddeln aus. Die Reaktion kann aber auch deutlich heftiger ausfallen, mögliche Gründe hierfür sind:

  • Übertragung von Erregern über die Insekten (z. B. Borreliose durch einen Zeckenbiss); in tropischen Gebieten auch z. B. Malaria
  • Großflächiger Befall der Haut mit lokal schweren Reaktionen (z. B. Krätze)
  • Infektion der offenen Stichwunden im Verlauf mit Bakterien
  • Insektenstich im Bereich von Mund/Rachen mit lokaler starker Schwellung, die zu Atembeschwerden führt.
  • Vorliegen einer Allergie auf das entsprechenden Insektengift und schwere, evtl. lebensbedrohliche allergische Reaktion (Anaphylaxie, z. B. nach Wespenstich).

Mögliche Insekten

  • Biene, Wespe, Hummel, Hornisse, Mücke, Bremse: begrenzte oder etwas größere Hautreaktion oder allergische Reaktion
  • Flöhe (Menschenfloh, Hundefloh, Katzenfloh, selten Hühnerfloh): Viele Bisse gleichzeitig sind möglich.
  • Läuse (Kopflaus, Filzlaus)
  • Milben (z. B. Vorratsmilben), darunter auch Krätzmilbe (Skabies): Allergie oder Übertragung von Krankheitserregern 
  • Bettwanzen: Bei Befall der Wohnung oft schwierig zu bekämpfen.
  • Zecken: Übertragung von Krankheitserregern
  • Skabies (Krätze): ausgedehnter Befall möglich

Diagnostik

  • Treten Hautveränderungen wie nach einem Biss/Stich auf, ist es wichtig, den möglichen Verursacher zu identifizieren:
    • Gibt es Tiere, mit denen die betroffene Person in engem Kontakt war (Pferd, Hund, Katze, Vögel ...)?
    • Aufenthalt auf Wiesen oder im Wald (Frühjahr und Sommer)?
    • Reise ins (tropische) Ausland?
    • Aufenthalt in unhygienischen Verhältnissen?
  • Meist handelt es sich um schwache Reaktionen, die mit beschwerlichem, aber harmlosem Juckreiz einhergehen. Oft bildet sich zudem eine kleine Hautschwellung, die im Laufe von einem oder zwei Tagen wieder verschwindet.
  • Die Hautläsionen nach dem Stich oder Biss verschiedener Insekten sehen oft sehr typisch aus, etwa sichtbare „Gänge" unter der Hautoberfläche bei Krätze (Skabies).
  • Die Betroffenen können auch sehr plötzlich Husten, Atemnot, Kreislaufbeschwerden entwickeln, wenn sie eine Allergie etwa gegen Bienengift haben. Dies kann auch auftreten, ohne dass die Betroffenen den Stich bemerkt haben. Möglicherweise ist die bestehende Allergie auch noch gar nicht bekannt.
  • Husten, Atemnot und Schwellung im Bereich des Gesichts kann auch Folge einer Reaktion auf einen Insektenstich im Bereich des Rachenraums sein, auch wenn keine Allergie vorliegt.
  • Ein Insektenstich/-biss kann auch zunächst keine Beschwerden machen, dann aber einige Tagen oder sogar Wochen später zu Fieber, schmerzenden Gelenken, Hautrötung und geschwollene Lymphknoten führen (Borreliose durch Zeckenstich). Es kann auch eine Hirnhautentzündung folgen (Frühsommer-Meningoenzephalitis, FSME durch Zeckenstich).
  • Je nach Insekt und Betroffenen kann ein Insektenstich/-biss natürlich auch sofortige und verzögerte Reaktionen auslösen.

Achtung bei schweren Reaktionen

  • Der Zustand kann sich schnell verschlechtern (starke Atemnot, Bewusstlosigkeit).
  • Wenn eines oder mehrere der folgenden Symptome auftreten, rufen Sie den Notruf oder akutmedizinische Hilfe:
    • Atembeschwerden
    • Schwellungen an Lippen und Hals
    • Anzeichen einer beginnenden Ohnmacht
    • Verwirrung
    • schneller Puls
    • Blasenentwicklung auf der Haut
    • Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe.

Erste Hilfe

Allgemeine Behandlung

  1. Den Stachel wenn möglich entfernen. Diesen dabei vorsichtig wegkratzen, nicht zusammendrücken, denn der Stachel kann möglicherweise ein giftiges Sekret enthalten, und Sie riskieren, noch mehr Gift herauszudrücken.
  2. Die Einstichstelle mit kaltem Wasser, einem nassen Tuch oder Eis kühlen.
  3. Bei Stichen im Mund kann das Lutschen von Eiswürfeln die Schwellung reduzieren.
  4. Gegebenenfalls Gabe eines Antihistaminikums, falls vorhanden.
  5. Körperteil (z. B. den Unterarm) mit der Einstichstelle ruhig halten.

Bei Bewusstseinstrübung oder Atembeschwerden

  1. Sorgen Sie dafür, dass die betroffene Person frei atmen kann, beugen Sie den Kopf vorsichtig nach hinten und heben Sie das Kinn an. Lockern Sie eng sitzende Kleidung, die Person sollte aufrecht sitzen und selbst die für sie angenehmste Position wählen.
  2. Falls die Person nicht aufrecht sitzen kann: Legen Sie sie auf die Seite, am besten in die stabile Seitenlage. Achten Sie darauf, dass sie weiter atmet.
  3. Hört die Patientin/der Patient auf zu atmen: Beginnen Sie die Herz-Lungen-Wiederbelebung (Kinder/Erwachsene) mit Mund-zu-Mund-Beatmung und Herzmassage.

Bei einer allergischen Reaktion

  1. Verfügt die betroffene Person selbst über ein Allergiemedikament, sollten Sie ihr bei der Einnahme helfen. 
  2. Bei Schwindel oder Benommenheit: Legen Sie die Person hin und lagern Sie die Beine etwas höher.

Bei Stichen in Mund und Hals

  • Ein Stich im Mund oder im Hals kann gefährlich sein, weil er Schwellungen verursachen kann, die die Atemwege blockieren.
  • Bei Stich in Mund oder Hals Notruf alarmieren.
  • Wenn möglich, sollten Sie den Betroffenen einen Eiswürfel lutschen oder kleine Schlucke kaltes Wasser trinken lassen, um die Schwellung in den Atemwegen zu reduzieren.

Vorbeugung

  • Bei Aufenthalt im Freien (Zeltplatz etc.) in der warmen Jahreszeit sind lange Kleidung, Moskitonetze und Insektensprays zu empfehlen.
  • Bei einer Allergie gegen Bienen sollte man nicht barfuß über Rasen/Wiesen laufen; bei einer Allergie gegen Wespen sehr vorsichtig beim Genuss von süßen Speisen oder Getränken im Freien sein, da diese Wespen anlocken.
  • Lange Hosen und langärmelige Oberteile können beim Waldspaziergang vor einem Zeckenstich schützen; anschließend sollte man die Haut sehr genau nach einer Zecke absuchen.
  • Haustiere sind regelmäßig auf Flöhe zu untersuchen und ggf. zu behandeln.

Therapie

  • Bei einer kleinen Hautreaktion reicht oft eine kühlende Creme, evtl. mit einem Antihistaminikum gegen den Juckreiz.
  • Soforttherapie im Notfall bei allergischer Reaktion (siehe oben). Vor einer schweren Reaktion bei erneutem Stich können bestimmte Medikamente (Notfallset) schützen. Zudem gibt es insbesondere bei Insektengiftallergie die Option einer Immuntherapie (Hyposensibilisierung).
  • Bei Flöhen, Läusen, Skabies etc. stehen bestimmte Substanzen zur Verfügung, durch die diese sich abtöten lassen.
  • Hat das Insekt einen anderen Krankheitserreger übertragen, ist dieser zu behandeln.

Illustrationen

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Insektenstiche und -bisse. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Schaufelberger M, Meer A, Furger P, Derkx H et al.. Red Flags - Expertenkonsens - Alarmsymptome der Medizin. Neuhausen am Rheinfall, Schweiz: Editions D&F, 2018.
  2. Fleischmann T. Fälle Klinische Notfallmedizin - Die 100 wichtigsten Diagnosen. München, Deutschland: Elsevier, 2018.
  3. Altmeyer P. Enzyklopädie der Dermatologie. Insektenstiche (Übersicht). 2018. www.enzyklopaedie-dermatologie.de
  4. Altmeyer P. Enzyklopädie der Dermatologie. Milben. 2018. www.enzyklopaedie-dermatologie.de
  5. Altmeyer P. Enzyklopädie der Dermatologie. Läuse. 2017. www.enzyklopaedie-dermatologie.de
  6. Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie. Anaphylaxie, Akuttherapie und Management. AWMF-Leitlinie Nr. 061-025, Stand 2013. www.awmf.org
  7. Przybilla B, Ruëff F. Insektenstiche - Klinisches Bild und Management. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(13): 238–48. www.aerzteblatt.de