Alkohol- und Arzneimittelvergiftung

Die Einnahme größerer Mengen an Alkohol und Medikamenten kann schwerwiegende körperliche und psychische Folgen haben. Hier können Sie erfahren, wie Sie bei akuten Vergiftungen mit Erste-Hilfe-Maßnahmen zur Lebensrettung beitragen können.

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"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

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https://toxinfo.ch

Hintergrund

  • Die Einnahme größerer Mengen an Alkohol und Medikamenten kann schwerwiegende körperliche und psychische Folgen haben.
  • Betroffene können stürzen und sich verletzen.
  • Wenn Betroffene nicht bei vollem Bewusstsein sind, besteht die Gefahr, dass sie erbrechen, das Erbrochene einatmen und ersticken.
  • Weil Alkohol und bestimmte Medikamente die Blutgefäße der Haut erweitern, kommt es zu Wärmeverlust und die Betroffenen erleiden eine Unterkühlung (Hypothermie).
  • Auch wenn die Betroffenen nach Alkohol riechen, muss das nicht das grundlegende Problem sein. Veränderungen des körperlichen und psychischen Zustands sind möglicherweise auch auf einen Schlaganfall, Herzinfarkt, Insulinschock oder epileptischen Anfall zurückzuführen.
  • Zentral stimulierende Substanzen wie Amphetamin („Speed“, „Whizz“), Kokain oder Crack können zu Halluzinationen, Ruhelosigkeit und Erregung, Herzinfarkt, lebensbedrohlichem Hitzschlag, Bluthochdruck, Krämpfen und Kreislaufstörungen führen.

Typische Symptome und Erscheinungsbilder:

  • Geruch nach Alkohol
  • Koordinationsschwierigkeiten, Verwirrung
  • Gerötetes Gesicht
  • Tiefe, laute Atemzüge
  • Bei Bewusstlosigkeit kann die Atmung flach und der Puls schwach sein.
  • Bei der Einnahme stimulierender Substanzen kann die Körpertemperatur erhöht sein und es können andere Anzeichen für einen Hitzschlag vorliegen.

Erste-Hilfe-Maßnahmen

  • Decken Sie die betroffene Person ab.
    • Sorgen Sie falls möglich dafür, dass die Person an einem warmen Ort bequem sitzen oder liegen kann.
    • Decken Sie Betroffene mit einer Decke oder einem Mantel ab, um sie gegen Auskühlung zu schützen.
  • Suchen Sie nach einer Erklärung für die Situation.
    • Halten Sie nach leeren Medikamentenverpackungen Ausschau, um herauszufinden, welche Substanzen eingenommen wurden.
    • Falls die betroffene Person erbrochen hat, nehmen Sie eine Probe, damit sie bei Bedarf analysiert werden kann.
  • Behandeln Sie mögliche Verletzungen.
  • Begleiten Sie die Person.
    • Rufen Sie bei Bedarf ärztliche Hilfe, wenn nötig, über den Notruf 112.
    • Kontrollieren Sie regelmäßig lebenswichtige Funktionen wie das Bewusstsein, den Puls und die Atmung, bis Hilfe kommt.

Konsum stimulierender Substanzen

  • Stimulierende Drogen wie Ecstasy und Kokain können zu Hyperaktivität und unter Umständen auch zu Halluzinationen, Erschöpfung und Überhitzung führen.
  • Der Konsum von Amphetamin führt zu euphorischer Übererregung, bei größeren Dosen auch zu Halluzinationen, hohem Blutdruck, Krämpfen und Durchblutungsstörungen.
  • Falls Betroffene Hilfe benötigen:
    • Beugen Sie einer Überhitzung vor und bringen Sie Betroffene an einen kühlen Ort.
    • Decken Sie Betroffene nicht mit einer Decke ab, da sich sonst die Körpertemperatur erhöht.
    • Bei einer schweren Überhitzung müssen Betroffene ruhiggestellt werden und es muss eine entsprechende Behandlung eingeleitet werden.

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Alkoholvergiftung. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Statistisches Bundesamt, Behandlungen aufgrund akuter Intoxikationen (akuter Rausch durch Alkohol). Wiesbaden. Zugriff 16.2.2016. www.destatis.de
  2. Kraus L, Rehm J. Schätzung alkohol-attribuierbarer Morbidität und Mortalität in Deutschland: Trends und Vergleich zwischen den Jahren 2006 und 2012. Kurzbericht. Drogenbeauftragte der Bundesregierung. Berlin, 2015. www.drogenbeauftragte.de
  3. Mayo-Smith MF, Beecher LH, Fischer TL et al. Management of alcohol withdrawal delirium. An evidence-based practice guideline. Arch Intern Med 2004; 164: 1405-12. PubMed
  4. Amato L, Minozzi S, Vecchi S, Davoli M. Benzodiazepines for alcohol withdrawal. Cochrane Database of Systematic Reviews 2010, Issue 3. Art. No.: CD005063. DOI: 10.1002/14651858.CD005063.pub3. DOI