Histaminvergiftung/Histaminintoleranz

Etwa 1 % der Gesamtbevölkerung entwickelt nach dem Verzehr von histaminhaltigen Lebensmitteln eine Art allergische Reaktion. Dies wird als Histaminintoleranz bezeichnet. Die Symptome können an eine Vergiftung denken lassen, verschwinden aber in der Regel nach einigen Stunden von selbst wieder.

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Was ist eine Histaminintoleranz?

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Eine Histaminintoleranz (also Unverträglichkeit) ist durch eine Reaktion des Körpers auf eine hohe Menge an Histamin in Nahrungsmitteln bedingt. Histamin ist ein Botenstoff im Körper, der akute Reaktionen wie Hautausschlag, Juckreiz und Magenbeschwerden in Verbindung mit allergischen Reaktionen auslöst. Bei einer allergischen Reaktion, z. B. gegen Gräserpollen, setzt der Körper selbst sehr viel Histamin frei. Dies verursacht die entsprechenden Symptome wie Niesen, Augenjucken oder auch Kreislaufbeschwerden. Bei einer Histaminintoleranz hingegen wird das Histamin von außen durch den Verzehr von Lebensmitteln zugeführt. Die Beschwerden werden durch eine Überempfindlichkeitsreaktion auf Histamin verursacht. In der Regel entwickeln sich eher nur mäßig starke Symptome, die leicht mit anderen allergischen Reaktionen und Schalentiervergiftungen verwechselt werden können.

Insgesamt leidet etwa 1 % der Gesamtbevölkerung an einer Histaminintoleranz, es sind überwiegend Frauen mittleren Alters betroffen. Bekannt sind auch lokale Ausbrüche, z. B. in Großküchen, nach dem Verzehr stark histaminbelasteter Nahrung. Die Symptome reichen von leichtem Juckreiz, laufender Nase, brennendem Gefühl im Rachen über Übelkeit und Erbrechen bis zu Hustenanfällen und Blutdruckabfall.

Ursachen

Histamin wird im Körper aus der Aminosäure Histidin gebildet und von 2 verschiedenen Enzymen wieder abgebaut. Es gibt mehrere Ursachen für eine erhöhte Zufuhr von Histamin: 

  • Bestimmte Bakterien können Histamin produzieren. Daher enthalten manche Lebensmittel enthalten aufgrund ihrer Produktion relativ viel Histamin. Dazu gehören z. B. lange gereifter/gelagerter Käse, Rotwein(-essig) oder Sauerkraut.
  • Sind Nahrungsmittel mit diesen Bakterien kontaminiert, enthalten sie ebenfalls hohe Mengen an Histamin. Typisch ist dies für fehlerhaft gekühlten bzw. verarbeiteten Fisch, Thunfisch, Makrele, Sardinen etc. in Dosen. Kochen oder Braten zerstört das Histamin nicht. Auch Salami oder Schinken können kontaminiert sein.
  • Manche Gemüsesorten enthalten natürlicherweise viel Histamin: Aubergine, Spinat und Tomatenketchup.
  • Sehr viele Nahrungsmittel können im Körper vermehrt Histamin freisetzen. Dazu gehören Zitrusfrüchte, Schokolade (Kakao), Nüsse, Weizenkeime, Papaya, Erdbeeren, Ananas, Tomaten, Alkohol (Azetaldehyd), Fisch, Schalentiere, Lakritz, Gewürze und manche Zusatzstoffe.
  • Sehr viele Medikamente fördern ebenfalls die Freisetzung von Histamin im Körper. Beispiele sind verordnungsfreie Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen, verschreibungspflichtige stärkere Schmerzmittel, Narkose-/Betäubungsmittel, manche Antibiotika, einige blutdrucksenkende Wirkstoffe. Falls Sie den Verdacht haben, auf Histamin empfindlich zu reagieren, lassen Sie sich von Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin beraten, da die Liste entsprechender Medikamente sehr lang ist.
  • Einige Nahrungsmittel verlangsamen oder hemmen den Abbau von Histamin im Körper, was dann zu einer hohen Belastung führen kann. Dazu gehören Mate-Tee, schwarzer Tee, Farbstoffe und Alkohol.
  • Auch andere Faktoren können die Histaminfreisetzung im Körper deutlich erhöhen: Stress bzw. starke Aufregung, Sport, chronische Krankheiten (z. B. Nierenfunktionsstörungen) oder Infektionen.

Symptome und Diagnostik

Der Zeitraum vom Zeitpunkt des Verzehrs der verdorbenen Speisen bis hin zur Erkrankung, die Inkubationszeit, kann von Minuten bis meist 4 Stunden variieren. Bei den meisten Menschen zeigen sich die Symptome innerhalb von 15–60 Minuten. Anzeichen sind: Schwellungen im Mundraum, Brennen in Mund und Rachen, Hautreaktionen mit Rötung und Kribbeln, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Kopfschmerzen. In einigen Fällen kann die Intoleranz Asthmaanfälle oder einen Blutdruckabfall mit Schwindel/Benommenheit und beschleunigtem Puls auslösen. Der Zustand dauert in der Regel weniger als 6 Stunden an, in Ausnahmefällen bleiben die Symptome jedoch einige Tage bestehen. Todesfälle sind nicht bekannt.

Da zum einen „echte“ Allergien, zum anderen auch viele verschiedene andere Krankheiten mit den genannten Symptomen einhergehen, ist es für den Arzt oder die Ärztin oft nicht einfach, schnell die richtige Diagnose zu stellen. Hilfreich ist es, ein Nahrungstagebuch zu führen, in dem Sie über einige Tage oder Wochen genau notieren, was Sie gegessen haben und wann welche Beschwerden aufgetreten sind. Aus diesen Informationen lässt sich oft ableiten, ob eine Histaminintoleranz besteht. Besteht der Verdacht, kann der Arzt/die Ärztin Sie über eine vorübergehende Nahrungsumstellung informieren: Dabei werden zunächst für etwa 2 Wochen nur histaminarme Nahrungsmittel verzehrt und anschließend die Ernährung schrittweise wieder vielfältiger. Im Verlauf lässt sich oft erkennen, welche Nahrungsmittel Sie zukünftig vermeiden sollten.

Wichtig ist es dabei, auch auf auslösende Medikamente und andere Faktoren (Stress, Sport etc.) zu achten.

Lässt sich keine klare Diagnose stellen, so ist ggf. die Überweisung zu einem anderen Facharzt notwendig.

Therapie

Es ist in der Regel keine Therapie erforderlich. Die Erkrankung vergeht innerhalb weniger Stunden von selbst. Gegen stärkere Beschwerden helfen Antihistaminika, wie sie auch gegen Heuschnupfen oder andere allergische Reaktionen verschrieben werden. Ihre Wirkung tritt meist innergalb von 30 Minuten ein. Falls Sie für eine bestimmte Zeit (z. B. im Urlaub) nicht so genau auf Ihre Ernährung achten können, kann die Ärztin/der Arzt die Antihistaminika auch vorbeugend für einen längeren Zeitraum verordnen.

Vorbeugend ist bei der Nahrungsmittelzubereitung natürlich auf geeignete Lagerung und Hygiene zu achten. Im Falle eines „Ausbruchs“ ist es notwendig, die Nahrungsquelle zu identifizieren und Maßnahmen zur Prävention weiterer Krankheitsfälle zu initiieren.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Histamin-Intoleranz. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Zopf Y, Baenkler H-W, Silbermann A, Hahn EG, Raithel M. Differentialdiagnose von Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(21): 359-70. doi:10.3238/arztebl.2009.0359 DOI
  2. Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie e.V. Vorgehen bei Verdacht auf Unverträglichkeit gegenüber oral aufgenommenem Histamin. AWMF-Leitlinie Nr.061 - 030, Stand 2016. www.awmf.org
  3. Mainz L et al. Die verschiedenen Gesichter der Histaminintoleranz. Dtsch Arztebl 2006; 103(51–52): A 3477–83. www.aerzteblatt.de