Muschelvergiftung

Miesmuscheln gelten als Delikatesse. Viele Menschen glauben, dass selbst geerntete Muscheln am allerbesten schmecken. Selbstverständlich sollen Sie Ihr Essen genießen. Halten Sie sich jedoch an die offiziellen Verzehrempfehlungen für Blaumuscheln, damit es zu keiner Vergiftung kommt.

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Miesmuscheln oder Blaumuscheln gehören zur Familie der Mytiloida. Ihre Schalen sind blau bis braunschwarz auf der Außenseite sowie hellblau und weiß auf der Innenseite. Das Verbreitungsgebiet der Miesmuschel erstreckt sich über einen großen Teil der europäischen Küstengewässer, vom weißen Meer in Russland bis zur Atlantikküste Südfrankreichs. Viele erachten die Muscheln als besondere Delikatesse, die zu allen Jahreszeiten geerntet und verzehrt werden kann.

Hin und wieder wird jedoch vor der Ernte und dem Verzehr der Miesmuscheln gewarnt, da die Muscheln Gifte enthalten können. Bei diesen Toxinen handelt es sich hauptsächlich um die Algengifte „Diarrhetic Shellfish Poisoning-Toxin“ (= DSP-Toxin), ein Diarrhö-Toxin, und um das „Paralytic Shellfish Poisoning-Toxin“ (PSP-Toxin), ein Neurotoxin (Nervengift). Zudem ist auch ein Algentoxin namens „Amnesic Shellfish Poisoning-Toxin“ (ASP-Toxin) bekannt, das ebenfalls als Neurotoxin gilt und die Gehirnzellen schädigen sowie einen dauerhaften Gedächtnisverlust hervorrufen kann.1

Lähmungsgift

Das am meisten gefürchtete Toxin ist möglicherweise das PSP-Toxin, das Lähmungserscheinungen hervorrufen kann. Schlimmstenfalls kann es zur Atemlähmung und damit zum Tod führen.

Diese Toxine können sich zeitweise in Miesmuscheln befinden, weil sich die Miesmuscheln von Planktonalgen (Phytoplankton) ernähren. Die Muscheln ernähren sich, indem sie die Algen aus dem Meerwasser herausfiltern. Einige Algentypen können Gifte enthalten, die auf diese Weise von den Muscheln aufgenommen wird. Die Muscheln werden dadurch nicht geschädigt. Sie speichern aber diese Giftstoffe in ihrem Muschelfleisch, das dadurch für den Verzehr ungeeignet ist. Diese Toxine können zu jeder Jahreszeit auftreten.

Sie sind nicht am Geschmack erkennbar

Die Toxine sind weder geruchlich noch geschmacklich wahrnehmbar und lassen sich auch nicht durch Kochen oder Einfrieren entfernen. Wer sich mit dem DSP-Toxin vergiftet, muss mit einer Erkrankungsdauer von zwei bis vier Tagen rechnen. Wer sich erbricht, gesundet in der Regel schneller als Personen mit Durchfall (Diarrhö). Der Ausprägungsgrad der Symptomatik hängt von der verzehrten Muschelmenge ab.

Bei der Einnahme von PSP-Toxin kommt es vor allem in den Armen, Beinen und um den Mund zu einem Taubheitsgefühl. Außerdem empfindet die betroffene Person ein Schwebegefühl und Gleichgewichtsprobleme.

Miesmuschelwarnung

Giftige und ungiftige Miesmuscheln können sich dicht nebeneinander befinden. Selbst an ein- und derselben Stelle können giftige und ungiftige Exemplare nebeneinander existieren. Sobald Sie nach dem Verzehr von Miesmuscheln Vergiftungserscheinungen durch das PSP-Toxin (einem Nervengift) verspüren, sollten Sie die 112 anrufen. Bei der Einnahme von DSP-Toxin, das zu Durchfall führt, erfolgt in der Regel keine Behandlung. Es ist wichtig, dass die Patienten ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen.

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln

 

Quellen

Literatur

  1. U.S. National Office for Harmful Algal Blooms. Human Illness Associated with Harmful Algae. Woods Hole, MA (USA) 2007. www.whoi.edu