Opioidvergiftung

Opioidvergiftungen kommen bei drogenabhängigen Menschen häufig vor. In Deutschland sterben jährlich ca. 1.000 Menschen an Rauschgiftüberdosierungen, hauptsächlich durch Heroin. Durch schnell durchgeführte, lebensrettende Erste-Hilfe-Maßnahmen und die Gabe eines Gegengifts können viele vor dem Tod gerettet werden.

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Eine Opioidvergiftung ist eine akute Erkrankung, die auf eine übermäßige Aufnahme von Betäubungsmitteln (Opioide) zurückzuführen ist. Sie kann durch eine Überdosierung von Morphin, Fentanyl, Methadon, Buprenorphin, Tramadol, Oxycodon, Heroin oder anderen Opioiden verursacht werden. Eine Überdosierung sollte nicht mit Entzugserscheinungen verwechselt werden, die bei Menschen mit Drogen- oder Medikamentenabhängigkeit auftreten, wenn sie den Konsum unterbrechen.

Die Dosis, bei der Vergiftungserscheinungen auftreten, ist von Person zu Person unterschiedlich, da sich bei langfristiger Anwendung von Opioiden eine Toleranz entwickelt. Besonders hoch ist das Risiko für eine Überdosierung nach einem Zeitraum ohne Einnahme.

Häufigkeit

Jährlich sterben in Deutschland mehr als 1.000 Menschen mit Drogenabhängigkeit, die große Mehrheit infolge einer Überdosis von Heroin. Der Anteil der männlichen Rauschgifttoten betrug 2014 rund 85 %. Der Altersdurchschnitt aller Drogentoten lag im selben Jahr bei knapp über 38 Jahren.
Selten tritt eine Opioidvergiftung auch bei der Behandlung von Schmerzen mit opioidhaltigen Medikamenten auf.

Symptome

Symptome einer Opioidvergiftung sind beeinträchtigtes Bewusstsein, Kreislaufstörungen und verengte Pupillen. Der Puls verlangsamt sich und die Atmung wird geschwächt, in einigen Fällen kann es zu Herzstillstand oder Atemstillstand kommen. Blaue Nägel und blaue Lippen sind auf eine unzureichende Sauerstoffzufuhr im Blut zurückzuführen. Andere mögliche Symptome sind Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Lungenödem und Krämpfe.

Menschen mit einer Opioidvergiftung reagieren in der Regel nicht darauf, wenn Sie ihren Namen rufen oder sie kräftig schütteln.

Therapie

Lebensrettende Erste-Hilfe-Maßnahmen sind darauf angelegt, die lebenswichtigen Vitalfunktionen, wie Atmung und Kreislauf, zu erhalten. Ansonsten ist es das Ziel der Therapie, den Grad der Vergiftung zu senken, deren Wirkungsdauer zu verkürzen und eventuelle Komplikationen zu behandeln.

Wenn die Vergiftung durch eine übermäßige Einnahme von opioidhaltigen Tabletten hervorgerufen wurde, kann medizinische Kohle gegeben oder eine Magenspülung durchgeführt werden.

Als Gegenmittel wird Naloxon eingesetzt. Es kann die Wirkung des Opiats hemmen, indem es an die Opioidrezeptoren im Körper bindet. Naloxon wird unmittelbar und langsam in die Blutbahn gespritzt. Die Wirkung sollte nach 30–60 Sekunden einsetzen und für 1–4 Stunden anhalten. Die Dosis kann alle 3–4 Minuten wiederholt werden, bis sich die Atmung normalisiert. Naloxon dient auch als Diagnosetest. Wenn die Patienten nach 10 mg Naloxon keine Reaktion zeigen, ist es sehr unwahrscheinlich, dass die Symptome allein durch Opiate ausgelöst wurden.

Die Wirkung von Naloxon endet früher als die Wirkung der Opiate, sodass die Patienten eine „erneute“ Opioidvergiftung bekommen können, wenn die Wirkung des Naloxons nachlässt. Die Patienten müssen daher beobachtet und die Naloxon-Behandlung ggf. wiederholt werden. Das Risiko einer „erneuten“ Opioidvergiftung wird gesenkt, wenn zunächst eine Dosis Naloxon in den Muskel verabreicht wird.

Bei der Gabe von Naloxon sollte berücksichtigt werden, dass bei Patienten mit Drogenabhängigkeit ein Risiko für Entzugserscheinungen besteht. Normalerweise ist es möglich, die Herabsetzung der Atmung umzukehren, ohne dabei starke Entzugserscheinungen auszulösen, indem die Dosis schrittweise angepasst und die Wirkung des Opioids nicht vollständig umgekehrt wird.

Die Patienten müssen hinsichtlich der Atemfunktion, des Kreislaufs und des Bewusstseins genau überwacht werden. Nach der Verabreichung von Naloxon sollten die Patienten mindestens 6 Stunden nach der letzten Dosis symptomfrei sein, bevor die Überwachung beendet wird. In manchen Fällen werden die Patienten zusätzlich beatmet.

Prognose

Eine schwere Überdosierung kann zu Koma und plötzlichem Tod führen. Atemstillstand und Herzstillstand können dauerhafte Hirnschäden verursachen. Bei manchen Patienten entwickelt sich eine Niereninsuffizienz.

Zwei entscheidende Faktoren für die Prognose sind der Schweregrad der Atemlähmung und der Zeitraum, der bis zum Beginn einer Wiederbelebung vergangen ist. Die Symptome einer Überdosierung mit Opioiden werden durch die gleichzeitige Einnahme anderer beruhigender Substanzen, wie Alkohol und Benzodiazepine, verstärkt. Bei den meisten tödlichen Überdosierungen wird Heroin oder Morphin zusammen mit anderen Substanzen eingenommen.

Weitere Informationen

Autoren

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Opioidvergiftung. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Drogenbeauftragte der Bundesregierung. Zahlen der Drogentoten/Rauschgiftlage 2014. Berlin, Presseinformation vom 21.4.2015 www.drogenbeauftragte.de
  2. Miller M, Barber CW, Leatherman S. Prescription Opioid Duration of Action and the Risk of Unintentional Overdose Among Patients Receiving Opioid Therapy. JAMA Intern Med 2015. doi:10.1001/jamainternmed.2014.8071 DOI