Elektrische Verbrennungen

Durch Stromunfälle kann es zu schwersten Verbrennungen kommen, insbesondere bei Hochspannungsunfällen. Rufen Sie sofort ärztliche Hilfe über den Notruf 112. Entfernen Sie die betroffene Person falls möglich von der Stromquelle, achten Sie aber unbedingt darauf, nicht selbst einen elektrischen Schlag zu erleiden.

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Elektrische Verbrennung – was ist das?

Eine elektrische Verbrennung sieht oberflächlich möglicherweise geringfügig aus, kann sich aber tief ins Gewebe unter der Haut erstrecken. Wenn eine große Strommenge durch den Körper fließt, kann dies zu Muskelkrämpfen, schweren inneren Verbrennungen, zu Herzrhythmusstörungen oder zum Herzstillstand führen. Durch die entstehende Wärme entstehen Hautverbrennungen. In manchen Fällen werden die Betroffenen durch den elektrischen Schlag weggeschleudert oder sie stürzen, was wiederum zu Knochenbrüchen und anderen Verletzungen führen kann.

Der Kontakt mit Hochspannung (> 1.000 Volt) ist oft tödlich.

Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Unfällen mit Niedrigstrom

Unfälle mit Strom < 1.000 Volt entstehen oft im Haushalt bzw. bei üblichen Stromleitungen.

  1. Verständigen Sie den Notarzt unter 112 und geben Sie an, dass es sich um einen Elektrounfall handelt.
  2. Solange Sie auf den Notarzt warten, gelten folgende Erstmaßnahmen:
  3. Sehen Sie sich genau um und berühren Sie die betroffene Person zunächst nicht.
    • Die verletzte Person kann immer noch in Kontakt mit der Stromquelle stehen, und wenn Sie sie berühren, können Sie selbst einen elektrischen Schlag erleiden.
    • Wenn möglich, schalten Sie die Stromquelle aus (oder ziehen Sie den Stecker).
  4. Wenn Sie den Strom nicht ausschalten können (gilt nur bei Niedrigstrom-Unfällen):
    • Versuchen Sie, die Stromquelle mithilfe nichtleitender Gegenstände vom Betroffenen zu trennen, z. B. mit einem dicken Holzstück. Niemals metallische Gegenstände verwenden!
    • Stellen Sie sich dabei gleichzeitig auf trockenes, isolierendes Material wie eine Gummimatte, zusammengerollte Zeitungen oder ein Buch. Ziehen Sie z. B. zusätzlich dicke Gummihandschuhe an.
  5. Sobald die betroffene Person von der Stromquelle getrennt ist, kontrollieren Sie die Atmung.
    • Wenn die Person nicht atmet oder wenn die Atemwege blockiert sind, beginnen Sie die Herz-Lungen-Wiederbelebung (Kinder/Erwachsene).
  6. Sorgen Sie für Kühlung.
    • Lassen Sie gegebenenfalls mindestens 20 Minuten lang kühles Wasser über die Verbrennung laufen, zumindest so lange, bis das brennende Gefühl abnimmt.
    • Entfernen Sie vorsichtig die Kleidung rund um die Verbrennung.
    • Sorgen Sie aber auch dafür, dass der Betroffene nicht auskühlt, evtl. durch eine Decke.
  7. Decken Sie die Verbrennung ab.
    • Sie können die verbrannten Bereiche mit einem sterilen Verband oder einem sauberen Tuch abdecken. Verwenden Sie dafür keine Decken oder Handtücher. Faserige oder raue Stoffe können zu starken Hautreizungen führen.

Hochspannung

In Hochspannungsleitungen werden große Strommengen übertragen. Falls Betroffene den Kontakt mit einer Hochspannungsleitung überleben, erleiden sie in jedem Fall schwerwiegende Verbrennungen.

Verständigen Sie sofort den Notarzt unter 112!

Der Strom muss möglichst umgehend abgestellt werden! Bemühen Sie sich herauszufinden, wer dazu befugt ist, und bitten Sie um Hilfe. Lassen Sie keinesfalls sich selbst oder andere in Kontakt mit der betroffenen Person kommen, bevor Sie sichergestellt haben, dass der Strom abgestellt und getrennt ist. Die Entfernung zur verunglückten Person muss mindestens 5–10 Meter betragen, denn Hochspannung kann selbst einen solch weiten Abstand überspringen. Aus einem Hochspannungsmast können Betroffene nur durch Fachpersonal geborgen werden.

Wenn die Situation sicher ist, verschaffen Sie sich ein Bild vom Zustand des Verunglückten. Bleiben Sie bei ihm und beginnen Sie gegebenenfalls mit Wiederbelebungsmaßnahmen (Kinder/Erwachsene). Decken Sie Hautverbrennungen möglichst steril bzw. mit einem sauberen Tuch ab, halten Sie den Patienten warm.

Nach einem Stromunfall ist der Patient per Rettungswagen (ggf. mit einem Notarzt) in ein Krankenhaus zu bringen. Dort wird er entsprechend behandelt und bei geringen Beschwerden noch einige Tage überwacht, weil Herzrhythmusstörungen auch verzögert auftreten können.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Verbrennungen, Akutbehandlung. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Deutsche Gesellschaft für Verbrennungsmedizin. Empfehlungen zu Erster Hilfe bei Brandverletzungen, Stand 2013 www.verbrennungsmedizin.de
  2. Deutsche Gesellschaft für Verbrennungsmedizin. Thermische und chemische Verletzungen. AWMF-Leitlinie Nr. 044-001, Stand 2011 www.awmf.org
  3. Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie. Thermische Verletzungen im Kindesalter (Verbrennung, Verbrühung), Behandlung. AWMF-Leitlinie Nr. 006-128, Stand 2015 www.awmf.org