Beurteilung einer Verbrennung, Grad und Umfang

Zu einer Verbrennung kann es durch thermische, chemische, elektrische oder radioaktive Einwirkungen kommen. Bei Kindern machen Verbrühungen z. B. durch heißes Wasser etwa 70 % aller Verbrennungen aus.

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Zu einer Verbrennung kann es durch thermische, chemische, elektrische oder radioaktive Einwirkungen kommen. Auch starke Reibung (etwa durch ein grobes Seil an der Haut) oder Kälte kann zu entsprechenden Hautschäden führen. Bei Kindern machen Verbrühungen z. B. durch heißes Wasser etwa 70 % aller Verbrennungen aus. Verbrühungen sind auch bei Erwachsenen häufig, wenn sie sich zu Hause verbrennen; insgesamt passieren zwei Drittel aller Verbrennungsunfälle zu Hause. Ungefähr 90 % aller Verbrennungen sind leichte bis mittelschwere Verbrennungen und verlaufen glücklicherweise meist glimpflich. Schwere Verbrennungen und/oder Rauchgasinhalationen sind jedoch potenziell lebensgefährlich.

Verbrennungen werden je nach Größe und Tiefe in verschiedene Schweregrade unterteilt. Zusätzlich zu dieser Einteilung von Verbrennungen werden auch Ursache, Temperatur, Expositionsdauer und betroffene Körperteile berücksichtigt. Gewebeschäden entstehen bei Temperaturen von mehr als 45 °C.

Grad der Verbrennung (Tiefe)

Verbrennung der Hautoberfläche

  • Dabei ist lediglich die Hautoberfläche betroffen (Verbrennung Grad 1).
  • Die verbrannte Haut ist gerötet und schmerzt. Es haben sich keine Blasen gebildet.
  • Die Durchblutung der Haut ist normal oder möglicherweise etwas erhöht.
  • Eine Verbrennung der Oberhaut stellt eine leichte Brandverletzung dar. Liegt eine sichere Diagnose für eine Verbrennung der Oberhaut (Epidermis) vor, ist kein ärztlicher Rat einzuholen.

Verbrennung mehrerer Hautschichten

  • Von dieser Verbrennung sind auch die tieferen Hautschichten betroffen (Verbrennung Grad 2).
  • Es haben sich flüssigkeitsgefüllte Blasen gebildet, die platzen können. Der Untergrund der Brandblasen variiert je nach Schweregrad in der Färbung und ist stark rot, marmoriert, feucht oder matt sowie schmerzhaft.
  • Die Hautdurchblutung ist erhöht, normal oder leicht beeinträchtigt.
  • Diese Brandverletzungen werden in der Regel durch heiße Flüssigkeiten verursacht.
  • Beträgt der Durchmesser der Brandverletzung nicht mehr als 5–7 cm, handelt es sich um eine leichte Verbrennung. Ist die verbrannte Fläche größer oder befindet sich die Brandverletzung an Händen, Füßen, Gesicht, Leiste, Schritt oder über einem größeren Gelenk, ist sofort ärztlicher Rat einzuholen.

Verbrennung der gesamten Haut

  • Alle Hautschichten einschließlich des darunter liegenden Fettgewebes sind betroffen (Verbrennung Grad 3).
  • Die Haut ist verbrannt, trocken, lederartig und häufig schwarz, grau, braun oder weiß gefärbt. Sie kann auch gerötet sein. Nach ausgeübtem Druck verblasst sie jedoch nicht. Es können dünnwandige und blutgefüllte Blasen vorhanden sein.
  • Der Bereich ist schmerz-/gefühllos.
  • Eine Durchblutung findet nicht mehr statt.
  • Diese Art der Verbrennung wird durch offene Flammen, heißes Öl oder Dampf verursacht.
  • Ein Krankenhausaufenthalt ist erforderlich.

Verbrennung weiterer Gewebe

  • Sind durch die Hitze auch Gewebe geschädigt, die unter der Haut liegen, wie Muskeln, Sehnen oder Knochen, handelt es sich um eine Verbrennung 4. Grades.

Ausmaß der Verbrennung

Bestimmung der Verbrennungsfläche – Neuner-Regel

Bei dieser Regel wird die Verbrennungstiefe nicht berücksichtigt; es geht nur um die Fläche der geschädigten Haut. Bei einem Erwachsenen gilt ungefähr, dass die folgenden Körperteile dem genannten Anteil an 100 % entsprechen.

  • Gesamter Kopf 9 %
  • Jeder Arm 9 % (x 2)
  • Jedes Bein 18 % (x 2)
  • Brustkorb und Bauch 18 %
  • Gesamter Rücken 18 %
  • Genitalien 1 %

Schweregrad

  • Erwachsene
    • Leicht: Weniger als 15 % der Hautoberfläche sind geschädigt.
    • Mäßig: 15–30 % der Hautoberfläche sind geschädigt.
    • Schwer: Mehr als 30 % der Hautoberfläche sind geschädigt.
  • Kinder: Bei Kindern gilt die Handflächenregel. Die Handfläche des Verletzten mit Fingern entspricht etwa 1 % der Körperoberfläche.
    • Leicht: Weniger als 10 % der Hautoberfläche sind geschädigt.
    • Mäßig: 10–15 % der Hautoberfläche sind geschädigt.
    • Schwer: Mehr als 15 % der Hautoberfläche sind geschädigt.

Folgende Verbrennungen werden stets als mäßig oder schwer eingestuft:

  • Verbrennungen im Gesicht, an den Händen, Füßen oder im Schritt.
  • Verbrennungen, die sich über ein größeres Gelenk erstrecken.
  • Verbrennungen, die einen ganzen Arm oder ein gesamtes Bein betreffen.

Prognose

Jede mäßig bis schwere Verbrennung, eine Schädigung bei kleinen Kindern, an bestimmten Körperstellen (s. o.) oder bei älteren Personen oder solchen mit bereits vorbestehenden Krankheiten ist behandlungsbedürftig durch einen Arzt oder im Krankenhaus; bei ausgedehnten schweren Verbrennungen oder auch Rauchvergiftungen ist eine intensivmedizinische Therapie nötig.

Während Verbrennungen 1. Grades in der Regel innerhalb von 5 Tagen folgenlos abheilen, brauchen Wunden mittlerer Tiefe etwa 2 Wochen dafür. Bei Verbrennungen, die gerade noch Grad 2 entsprechen, kann dies auch länger dauern, oft sind Narben die Folge. Verbrennungen 3. Grades erfordern eine Hauttransplantation; neben der Narbenbildung ist auch eine Verkürzung der (transplantierten) Gewebe möglich. Dies gilt umso mehr für Grad 4. Schwere Verbrennungen können eine sogenannte Verbrennungskrankheit nach sich ziehen, d. h. infolge von Flüssigkeitsverlusten und/oder Infektionen kommt es zu einem Kreislaufschock mit Funktionsstörungen innerer Organe.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Verbrennungen 1. und 2. Grades . Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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