Verbrennung

Verbrennungen der Haut können von leichten Rötungen bis zu schwersten Schädigungen auch der tiefen Hautschichten und des darunter liegenden Gewebes reichen.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiermann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Allgemeine Informationen

  • Eine Verbrennung oder Verbrühung der Haut kann Infektionen nach sich ziehen.
  • Schwere Verbrennungen gehen mit einem Flüssigkeitsverlust einher, der zu einem Schock führen kann.
  • Als Verbrühung werden Verbrennungen durch feuchte Hitze wie kochendes Wasser oder Dampf bezeichnet.
  • Wenn Sie mit einer Verbrennung konfrontiert sind, müssen Sie schnell handeln, um die Hitzeeinwirkung auf die Haut zu begrenzen und um zu verhindern, dass Mikroorganismen den verbrannten Bereich infizieren.
  • Bei schweren Verbrennungen ist eine sofortige Behandlung im Krankenhaus erforderlich, um weitere Schädigungen so weit wie möglich zu verhindern.

Schweregrad der Verbrennung

  • Zur Unterscheidung zwischen leichteren und schweren Verbrennungen muss der Schweregrad und der Umfang der Gewebeschädigung beurteilt werden. Der Umfang lässt sich als Anteil an der gesamten Körperoberfläche in % angeben, wobei die Anteile der einzelnen Regionen beim Erwachsenen in etwa der „Neunerregel“ entsprechen, wie im Bild rechts gezeigt.
  • Verbrennungen werden in drei Schweregrade eingeteilt: Zu beachten ist, dass sich die folgenden Beschreibungen auf Erwachsene beziehen. Bei Kindern sind die prozentualen Anteile der Hautoberfläche anders verteilt, da z.B. der Kopf relativ mehr Fläche einnimmt. Zudem sollten Kinder unter 2 Jahren mit einer Verbrennung grundsätzlich ärztlich untersucht werden. 

Verbrennung ersten Grades

  • Bei diesen leichten Verbrennungen ist nur die oberste Hautschicht verletzt.
  • Die Haut ist gerötet, geschwollen und schmerzt.
  • Die Verbrennung reicht nicht in die tieferen Hautschichten.
  • Eine Verbrennung ersten Grades wird wie eine kleine Blutung behandelt, falls keine größeren Bereiche an den Händen, Füßen, in der Leistengegend, am Gesäß oder über einem größeren Gelenk betroffen sind.

Verbrennung zweiten Grades

  • Wenn die oberste Hautschicht von der Verbrennung durchdrungen und auch die nächste Hautschicht betroffen ist, wird dies als Verbrennung zweiten Grades bezeichnet.
  • Es bilden sich Blasen, die Haut wird intensiv rot und fleckig.
  • Verbrennungen zweiten Grades sind mit starken Schmerzen und Schwellungen verbunden.
  • Falls eine Verbrennung zweiten Grades nicht größer als 5–7 cm im Durchmesser ist, wird sie wie eine Verbrennung ersten Grades behandelt.
  • Wenn der verbrannte Bereich größer ist oder sich auf das Gesicht, Hände, Füße, die Leistengegend, das Gesäß oder den Bereich über einem größeren Gelenk erstreckt, muss schnellstmöglich ärztliche Hilfe geholt werden.

Verbrennungen dritten Grades

  • Die schwersten Verbrennungen sind schmerzfrei, da die Nervenendigungen zerstört sind, und betreffen sämtliche Hautschichten.
  • Fett, Muskeln und sogar Knochen können betroffen sein.
  • Die verbrannten Bereiche können verkohlt sein oder trocken und weiß erscheinen.
  • Atembeschwerden deuten darauf hin, dass die betroffene Person viel Rauch (Kohlenmonoxid) eingeatmet hat.

Behandlung

Leichtere Verbrennungen

  • Leichtere Verbrennungen einschließlich Verbrennungen zweiten Grades, die nicht größer als 5–7 cm im Durchmesser sind, werden wie folgt behandelt:
    1. Kühlen Sie die Brandwunde (Ausnahmem siehe bei Vorsicht!). Halten Sie den verbrannten Bereich mindestens 15 Minuten unter fließendes Leitungswasser (lauwarm, etwa 20° C ). Falls das nicht geht, tauchen Sie die Verbrennung unter Wasser oder kühlen Sie den Bereich mit kühlen Umschlägen. Durch die Kühlung der Verbrennung und die Ableitung der Wärme aus dem betroffenen Bereich wird die entstehende Schwellung reduziert. Legen Sie niemals Eis auf Verbrennungen.
    2. Lagern Sie Arme/Beine hoch, um die Schwellung zu vermindern.
    3. Nehmen Sie Schmuck oder Kleidungsstücke ab, die zu eng werden können, wenn das Gewebe zu schwellen beginnt.
    4. Decken Sie die Brandverletzung mit einer sterilen Kompresse ab. Verwenden Sie keine Baumwolle, weil diese zu Hautirritationen führen kann. Legen Sie die Kompresse locker auf, um Druck auf die verbrannte Haut zu vermeiden. Durch den Verband wird der Bereich luftdicht abgeschlossen, der Schmerz gelindert und die Haut geschützt, falls Brandblasen entstanden sind.
    5. Verabreichen/nehmen Sie ein leichtes Schmerzmittel, z. B. Paracetamol, Ibuprofen, ASS.

Vorsicht!

  • Keinesfalls Eis verwenden! Durch direktes Auflegen von Eis auf Verbrennungen kann es zu Erfrierungen und damit zu weiteren Hautschädigungen kommen.
  • Brandblasen nicht anstechen! Flüssigkeitsgefüllte Blasen schützen vor Infektionen. Falls Blasen aufplatzen, reinigen Sie den betroffenen Bereich mit einer milden Seife und Wasser, tragen Sie eine desinfizierende Salbe auf und legen Sie einen Gazeverband an. Wechseln Sie den Verband täglich.
  • Verbrennungen bei kleinen Kindern, Personen mit großflächigen Verletzungen und bewusstlosen Personen sollten Sie nicht kühlen, weil die Betroffenen sonst zu stark auskühlen könnten. 

Beobachten Sie in den nächsten Tagen die weitere Entwicklung.

  • Ohne weitere Behandlung heilen leichtere Verbrennungen innerhalb von ein bis zwei Wochen ab.
  • Die Heilung kann mit Pigmentveränderungen einhergehen, das heißt, dass der abgeheilte Bereich eine andere Hautfarbe bekommt als die Umgebung.
  • Achten Sie sehr genau auf Anzeichen für eine Infektion, wie zunehmende Schmerzen, Rötungen, Fieber, Schwellungen oder eine erhöhte Flüssigkeitsausscheidung. Wenn sich eine Infektion entwickelt, muss ärztliche Hilfe hinzugezogen werden.
  • Achten Sie darauf, den betroffenen Bereich mindestens ein Jahr nach der Verbrennung vor weiteren Verletzungen und vor Sonneneinstrahlung zu schützen, da sich sonst die Pigmentveränderungen noch stärker ausprägen können. Verwenden Sie Sonnenschutzcreme mit hohem Sonnenschutzfaktor und decken Sie den betroffenen Bereich mindestens ein Jahr lang ab, wenn Sie in die Sonne gehen.

Größere Verbrennungen

  • Organisieren Sie bei größeren Verbrennungen schnellstmöglich medizinische Nothilfe, wenn nötig, über den Notruf 112.
  • Bis der Notarzt eintrifft, gelten folgende Erstmaßnahmen:
    1. Verbrannte Kleidung auf keinen Fall entfernen! Entfernen Sie aber glühende Kleidungsreste oder glimmendes Material und stellen Sie sicher, dass die betroffene Person weder Rauch noch Wärme ausgesetzt ist.
    2. Kontrollieren Sie, ob die betroffene Person atmet. Falls die Atmung ausgesetzt hat, kontrollieren Sie, ob die Atemwege frei sind, und beginnen Sie gegebenenfalls mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung.
    3. Decken Sie den verbrannten Bereich mit einem sterilen Verband oder einem sauberen Tuch ab. Halten Sie den Patienten mit einer Decke warm.
    4. Achten Sie auf Anzeichen für einen Schockzustand und lagern Sie, wenn möglich, die Beine der betroffenen Person hoch.
    5. Kontrollieren Sie regelmäßig lebenswichtige Funktionen wie das Bewusstsein, den Puls und die Atmung, bis die notärztliche Hilfe eintrifft.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Verbrennungen, Akutbehandlung. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Deutsche Gesellschaft für Verbrennungsmedizin. Empfehlungen zu Erster Hilfe bei Brandverletzungen, Stand 2013 www.verbrennungsmedizin.de
  2. Deutsche Gesellschaft für Verbrennungsmedizin. Thermische und chemische Verletzungen. AWMF-Leitlinie Nr. 044-001, Stand 2011 www.awmf.org
  3. Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie. Thermische Verletzungen im Kindesalter (Verbrennung, Verbrühung), Behandlung. AWMF-Leitlinie Nr. 006-128, Stand 2015 www.awmf.org