Behandlung von Verbrennungen

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Eine Voraussetzung für die nachfolgend beschriebene Behandlung ist, dass Ausbreitung und Schweregrad der Verbrennung geklärt sind und dass die verletzte Person Erste Hilfe bekommen hat.

Erste Hilfe

Kommt die verletzte Person direkt in die Arztpraxis, sind die üblichen Erste-Hilfe-Maßnahmen einzuleiten. Dies betrifft insbesondere das Kühlen der Verbrennung, wenn dies noch sinnvoll ist. Häufig braucht die betroffene Person schmerzstillende Medikamente. Der Arzt wird die Wunde gründlich reinigen und einen Verband anlegen.

Reinigung von Verbrennungen

Denken Sie daran, dass eine frische Verbrennung praktisch steril ist. Um eine Wundinfektion und längere Heilungsdauer zu vermeiden, ist es wichtig, sie steril zu halten. Die Wundversorgung sollte durch sterile Abdeckung geschehen. Kleinere Blasen müssen nicht unbedingt geöffnet werden. Wenn man die Tiefe der Wunde nicht beurteilen oder den Heilungsprozess nicht überprüfen kann, sollten sie allerdings geöffnet werden. Große Blasen können von selbst aufplatzen. In diesem Fall sollte man lose Hautstücke entfernen zw. vom Arzt entfernen lassen. Abgestorbene Haut wird der Arzt mit einer sterilen Schere oder Nadel beseitigen. Eine generelle Antibiotikaprophylaxe ist nicht angeraten.

Der Arzt wird entscheiden, ob eine spezielle Reinigung und Desinfektion der Wunde mit einer antibiotischen Lösung sinnvoll ist. 

Tetanus- und Diphtherie-Impfung

Patienten, die nicht ausreichend geimpft sind oder bei denen die letzte Impfung mehr als 5–10 Jahre zurückliegt, erhalten eine Auffrischungsimpfung gegen Tetanus und Diphtherie.

Beurteilung von Tiefe und Ausbreitung der Verbrennung

Es ist wichtig, zwischen oberflächlichen und tiefen Verbrennungen zu unterscheiden, da diese unterschiedlich behandelt werden müssen. Manchmal lässt sich die Tiefe einer Verbrennung nicht sofort bestimmen, da sie während der ersten Tage nach der Verbrennung zunehmen kann. Insbesondere bei einer Lederhautverletzung ist es anfangs schwierig, die Tiefe zu beurteilen. Dennoch ist es wichtig, sich diesbezüglich ärztlichen Rat zu holen.

Verband

Brandwunden lassen sich auf viele verschiedene Arten verbinden. Für leichte Verbrennungen ist ein trockener steriler Verband hilfreich. Ist die Wunde tiefer oder ausgedehnter, wird der Arzt entscheiden, ob er zusätzlich bestimmte Lösungen oder Salben verwendet. Auch speziell für Brandwunden entwickelte, mit bestimmten Wirkstoffen getränkte Wundgazen sind hier sinnvoll. Darauf werden Kompressen und mehrere Schichten saugfähige Baumwolle gelegt. Ein elastischer Verband sorgt dafür, dass die Wundauflage nicht verrutscht. Befindet sich die Verbrennung an Armen oder Beinen, sollten die betroffenen Extremitäten während der ersten 48 Stunden hochgelagert werden, um Schwellungen zu vermeiden, die die Wundheilung verzögern.

Die Behandlung dauert in der Regel 5–10 Tage; nur bei etwas größeren (aber noch oberflächlichen) Wunden kann es auch 2 Wochen bis zur Heilung dauern. Tiefere Verbrennungen erfordern eine intensivere Therapie, möglicherweise auch im Krankenhaus.

Verbandswechsel

Bei Nachuntersuchungen von Verbrennungen wird unterschiedlich vorgegangen. In der Regel wird empfohlen, dass der Verband nach 24 Stunden kontrolliert wird. Ist er nicht durchgenässt, kann er noch einen oder mehrere Tage verwendet werden, bevor ein Verbandswechsel nötig ist. Dann lässt sich auch die Tiefe der Verbrennung besser beurteilen. Verheilt die Wunde ohne Komplikationen, wechselt man den Verband etwa alle 3 Tage.

Der Verband sollte sofort gewechselt werden, wenn die Wunde schmerzt, übel riecht, Fieber auftritt, der Verband durchgenässt ist oder sich verschoben hat.

Findet die Behandlung beim Hausarzt statt und ist die Brandwunde innerhalb von 2–3 Wochen noch nicht verheilt, wird dieser Sie möglicherweise an einen Facharzt für Verbrennungen überweisen.

Behandlung von Brandwunden 1. bis 3. Grades

  • Verbrennung 1. Grades
    • Verheilt ohne besondere Behandlung innerhalb von 3–5 Tagen. Das Eincremen mit Feuchtigkeitscreme tut der Haut gut.
  • Verbrennung 2. Grades
    • Eine oberflächliche Lederhautverletzung verheilt meist in weniger als 2 Wochen. Bei Heilung ohne Komplikationen verbleiben keine oder nur unbedeutende Narben. Eine tiefe Lederhautverletzung braucht mehr als 14 Tage, um zu heilen, und kann zu erheblicher Narbenbildung führen. Bei einer tiefen Verletzung der Lederhaut wird meist eine chirurgische Therapie erforderlich, bei der die Wunde gesäubert und abgestorbenes Gewebe entfernt wird. Zusätzlich wird der Arzt ggf. eine Hauttransplantation erwägen, da damit weniger Probleme mit Narbenbildung entstehen.
  • Verbrennung 3. Grades
    • Erfordert eine chirurgische Therapie. Bei größeren Wunden ist eine Hauttransplantation erforderlich. Kleine Verbrennungen 3. Grades können aber auch manchmal mit konventioneller Wundversorgung behandelt werden.

Weitere Informationen zur Behandlung von Lederhautverletzungen

Bei einer Lederhautverletzung lässt sich die Tiefe in den ersten Tagen nach der Verbrennung manchmal nur schwer beurteilen. Liegt auch nur der geringste Zweifel im Hinblick auf die Tiefe vor, muss daher am zweiten und dritten Tag einen erneute Beurteilung der Verbrennungstiefe erfolgen. In den ersten Tagen treten aus der Wunde große Mengen an Sekret aus. Daher ist es wichtig, saugfähiges Verbandsmaterial zu nehmen und die Wundoberfläche feucht zu halten. Je nachdem wie viel Sekret auftritt, wird dieses alle 3–4 Tage gewechselt. Ärzte nutzen zur Wundversorgung ggf. auch bestimmte Folien.

Medikamentöse Behandlung?

In den meisten Fällen ist eine schmerzstillende Behandlung notwendig. Paracetamol als Erstlinientherapie reicht in der vollen Tagesdosis in den meisten Fällen zur Schmerzlinderung aus. Auch Ibuprofen wird häufig verwendet. Erwachsenen kann man 800 mg sofort geben und dann weiter 600 mg 3- bis 4-mal täglich, bis die Patienten schmerzfrei sind. Kinder bekommen 10 mg/kg 4-mal am Tag. Eventuell ist eine etwas höhere Anfangsdosis zu erwägen. Neben der schmerzstillenden Wirkung dämpfen diese oder vergleichbare Medikamente die Entzündung, die immer entsteht.

Bei Oberhautverletzungen infolge von Sonnenstrahlung wird eine Hydrokortisonsalbe (rezeptfrei) verwendet. Bei schwereren Sonnenbränden setzt man eine stärkere, rezeptpflichtige Kortisonsalbe ein.

Verbrennungen im Gesicht

Wenn es sich nicht um eine Bagatellverletzung handelt, sollte die Verbrennung von einem Facharzt behandelt werden. Verbrennungen im Gesicht werden häufig ohne Verband behandelt, da dieser schwer zu befestigen wäre. Die Wunde wird täglich gereinigt und neu verbunden. Beim Schlafen sollte der Kopf in den ersten zwei Tagen erhöht liegen. Dafür legt man entweder mehrere Kissen unter den Kopf oder erhöht das Kopfende des Bettes. Dies reduziert Schwellungen im Gesicht.

Verbrennungen an Armen oder Beinen

Bei Verbrennungen an Armen oder Beinen sollte die betroffene Person unbedingt dazu gebracht werden, ihre Beweglichkeit zu erhalten. Beim Liegen und Ausruhen muss die verletzte Extremität hochgelagert werden. Diese Maßnahmen reduzieren Schwellungen und das Risiko einer eingeschränkten Beweglichkeit im Gelenk.

Nachuntersuchung

Bei allen Verbrennungen sollten nach 24 Stunden der Verband kontrolliert und nach 48 bis 72 Stunden Tiefe und Ausbreitung der Verbrennung erneut beurteilt werden. Verbrennungen, die nicht innerhalb von 3 Wochen verheilen, sollten fachärztlich untersucht werden.

Verheilte Verbrennungen sind empfindlich und weisen trockene und schuppige Haut auf. Eventuell stellen sich Pigmentveränderungen ein. Es sollte täglich Feuchtigkeitscreme oder spezielle Narbencremes verwendet werden. Mindestens 6–12 Monate lang sollten die Bereiche mit Sonnencreme mit sehr hohem Lichtschutzfaktor geschützt werden.

Juckreiz ist ein häufiges Problem und wird durch Wärme, Stress und physische Aktivität verschlimmert. Eine Massage mit wasser- oder Aloe-Vera-haltiger Creme verschafft Linderung. Evtl. kann der Arzt ein Medikament verschreiben, das den Juckreiz stillt.

Wundinfektion

Bei einer klinischen Wundinfektion wird der Arzt möglicherweise vom Wundrandsekret eine Kultur angelegt werden, um ggf. den verursachenden Keim bestimmen zu können. Danach werden die Verbände ggf. häufiger gewechselt oder die Wunde offen behandelt. Möglicherweise ist eine Antibiotikatherapie mit Tabletten oder auch als Infusion erforderlich. Entwickeln die Patienten zusätzlich Fieber oder andere Allgemeinsymptome, ist möglicherweise eine Aufnahme ins Krankenhaus nötig.

Prognose

Komplikationen bei Verbrennungen können zum einen Infektionen, zum anderen auffällige Narben sein. Oberhautverletzungen verheilen ohne Narbenbildung. Oberflächliche Lederhautverletzungen verheilen innerhalb von 10–14 Tagen ohne Narbenbildung, wenn keine Infektion entsteht. Tiefere Lederhautverletzungen brauchen normalerweise mehr als 3 Wochen, um zu heilen, und hinterlassen Narben. Eine prophylaktische Gabe lokaler oder systemischer antimikrobieller Medikamente ist nicht indiziert. Diese reduzieren nicht nachweislich Infektionen.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Verbrennungen 1. und 2. Grades . Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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