Bewusstlosigkeit

Bei Bewusstlosigkeit besteht die Gefahr, dass die Atemwege blockiert werden, beispielsweise durch Erbrochenes. Für freie Atemwege zu sorgen ist eine der wichtigsten Aufgaben bei der Ersten-Hilfe.

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Bewusstlosigkeit kann lebensbedrohlich sein

Bewusstlosigkeit ist ein Zustand, bei dem der Patient sich nicht willkürlich/kontrolliert bewegen kann. Es ist die Folge einer unzureichenden Durchblutung des Gehirns und damit ungenügenden Sauerstoffversorgung. Hierfür gibt es zahlreiche Ursachen (s. unten). Bewusstlose können noch atmen und einen regelmäßigen Herzschlag haben, die Atmung kann aber auch aussetzen. Dies ist ein Notfall und erfordert Maßnahmen der Wiederbelebung (s. unten).

Aber auch wenn der Atemantrieb noch gegeben ist, muss dem Betroffenen evtl. beim Atmen geholfen werden: Schutzreflexe wie Husten sind bei Bewusstlosigkeit reduziert bzw. nicht mehr möglich, daher können Betroffene unter Umständen an Speichel oder Erbrochenem ersticken, wenn ihnen nicht geholfen wird.

Für Ersthelfer ist es daher eine wichtige Aufgabe zu überprüfen, ob die Atemwege frei sind und den Betroffenen so zu lagern, dass ggf. Flüssigkeit (Speichel oder Erbrochenes) aus dem Mund abfließen kann (stabile Seitenlage). Falls sich etwas im Mund befindet, entfernen Sie es. Lösen Sie ggf. enge Kleidung im Bereich des Gesichts, Halses und Brustkorbs, damit der Betroffene möglichst frei atmen kann.

Falls der Betroffene blutet, versuchen Sie die Blutung zu stillen (z. B. mit einem Druckverband). Bei starken Blutungen oder wenn die Atmung des Betroffenen langsamer wird oder er nicht nach wenigen Minuten wach wird, rufen Sie den Notarzt.

Akutbehandlung

Hier finden Sie weitere Informationen zu Herz-Lungen-Wiederbelebung und Bewusstlosigkeit:

Ursachen

Bewusstlosigkeit kann die verschiedensten Ursachen haben. Hier einige Beispiele: hohes Fieber/Sepsis, Schlaganfall, Kopfverletzungen, Gehirntumor, Vergiftungen (auch Alkohol, Drogen), Endphase einer schweren Krankheit, Stoffwechselentgleisung bei Diabetes mellitus, Nieren- oder Schilddrüsenkrankheiten. Manche Menschen werden auch aufgrund von starken Emotionen, wie Panik, Ekel, Angst bewusstlos. Auch eine psychisch begründete Bewusstlosigkeit kommt vor. Wir unterscheiden zwischen akuten Ursachen, bei denen der Patient nach kurzer Zeit und ggf. geeigneten Hilfsmaßnahmen wieder erwacht, und langanhaltender Bewusstlosigkeit, bei der Patienten im Krankenhaus beobachtet und behandelt werden.

Auf welche Funktionen muss geachtet werden?

Akute, vorübergehende Bewusstlosigkeit

Es ist zunächst sicherzustellen, dass der Bewusstlose atmen kann und dass die Atemwege frei sind. Im Mund dürfen sich keine Objekte befinden, die die Atemwege blockieren können, beispielsweise Zahnersatz. Sie sollten den Patienten in eine stabile Seitenlage mit gestrecktem Hals bringen und beim Drehen/Bewegen darauf achten, die Wirbelsäule möglichst stabil zu halten. In Seitenlage kann die Zunge nicht so leicht nach hinten in den Rachen fallen und die Luftröhre verlegen und es wird verhindert, dass Schleim oder Erbrochenes in die Luftröhre fließt. Blutende Wunden sind, wenn möglich, zu versorgen. Ist ein Notarzt anwesend, wird dieser wenn nötig Schleim aus Mund oder Rachen absaugen. Bei Bedarf wird Patienten Sauerstoff zugeführt. In schweren Fällen, und wenn eine längere Dauer der Bewusstlosigkeit zu erwarten ist, müssen Patienten intubiert werden, um für freie Atemwege zu sorgen. In einigen Fällen werden Patienten an ein Beatmungsgerät angeschlossen. 

Andauernde Bewusstlosigkeit

Auch bei längerer Bewusstlosigkeit sollten Patienten zunächst in die stabile Seitenlage mit gestrecktem Hals gebracht werden, damit die Atemwege möglichst offen sind. Wenn nötig wird Schleim aus Mund oder Rachen gesaugt, Sauerstoff gegeben oder der Patient wird beatmet.

Bei einer andauernden Bewusstlosigkeit wird der Notarzt den Schweregrad der Bewusstlosigkeit anhand bestimmter Kriterien beurteilen: Kann der Patient auf Ansprache reagieren, z. B. die Augen öffnen? Bewegt er sich? Je nach Einschätzung wird der Betroffene vor Ort weiter beobachtet oder sofort in eine Klinik gebracht und dort auf der Intensivstation überwacht. Oft ist eine künstliche Beatmung notwendig. Der Patient wird, falls noch nicht geschehen, auf Verletzungen hin untersucht. Es wird Fieber gemessen und Blut abgenommen, um u. a. Entzündungswerte, Blutzucker zu bestimmen, um mögliche Ursachen für die Bewusstlosigkeit zu ermitteln. Der Betroffene erhält Flüssigkeit über eine Infusion. Bei einer andauernden Bewusstlosigkeit müssen Patienten katheterisiert werden, d. h. die Blase muss entleert werden. In gewissen Abständen wird der Bewusstseinsgrad des Patienten erneut eingeschätzt und dokumentiert. Temperatur, Puls, Atmung und Blutdruck werden kontinuierlich überwacht. Wichtig sind eine geeignete Lagerung, die eine gute Durchblutung des Körpers ermöglicht. Eine Augenpflege kann auch erforderlich sein, so ist es beispielsweise wichtig, ein Austrocknen der Hornhaut zu verhindern. Zusätzlich werden Patienten regelmäßig gewaschen, die Muskulatur wird etwa drei Mal am Tag gedehnt und gestreckt, und die Füße werden aufgestützt, damit sie sich nicht in einer gestreckten Stellung versteifen.

Weitere Informationen

 Literatur

  • Deutscher Rat für Wiederbelebung. Leitlinien zur Reanimation 2015. www.grc-org.de

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen