Ohnmacht (Synkope)

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Was ist Ohnmacht?

Ohnmacht, auch Synkope genannt, bezeichnet einen plötzlichen Verlust des Bewusstseins. Ursache hierfür ist ein plötzlich erniedrigter Blutdruck mit nachfolgender mangelnder Durchblutung des Gehirns, was zu einer Störung der Gehirnfunktion führt.  Eine Ohnmacht geht in der Regel von selbst vorbei.

Ohnmachtsanfälle können unter verschiedensten Bedingungen auftreten. Normalerweise tritt bei den Betroffenen ein Gefühl der Benommenheit auf, unter Umständen verspüren sie ein Kribbeln in der Haut, ehe sie stürzen oder kollabieren. Während der Ohnmacht ist die Atmung ruhig und langsam, und bei einer gewöhnlichen Ohnmacht treten keine Krämpfe auf.

20–30 % aller Menschen erleiden im Laufe ihres Lebens eine Ohnmacht, die meisten jedoch nur ein einziges Mal. Eine Umfrage ergab, dass 15 % aller Kinder unter 18 Jahren und 23 % der über 70-Jährigen eine Ohnmacht erlitten hatten.

Ursachen

Eine Ohnmacht wird in den meisten Fällen durch eine wegen niedrigen Pulses und Blutdruckabfalls vorübergehend verminderte Durchblutung des Gehirns ausgelöst. Kollabiert der Patient dann und befindet sich der Kopf dann im Liegen auf gleicher Höhe mit dem Herz, reicht der niedrige Blutdruck wieder aus, um das Gehirn ausreichend mit Blut zu versorgen. Daher kehrt das Bewusstsein im Liegen nach und nach zurück.

Es gibt mehrere Bedingungen, die einen Blutdruckabfall und damit eine Ohnmacht auslösen können:

  • Unangenehme oder erschütternde Erlebnisse, Sinneseindrücke, Gerüche – beispielsweise Krankenhausgeruch, der Anblick von Blut u. Ä.
  • Starke Schmerzen oder Übelkeit
  • Erhöhte Temperatur oder Erwärmung
  • Ausgeprägter Flüssigkeitsmangel
  • Abruptes Aufstehen aus dem Sitzen oder Liegen
  • Toilettenbesuch (Stuhlgang oder Wasserlassen) – tritt häufig bei älteren Patienten auf
  • Karotis-Sinus-Syndrom: Manche Menschen sind sehr empfindlich gegenüber Druck, der auf die Halsschlagader (Karotis) ausgeübt wird. Manchmal ist der Auslöser für eine plötzliche Ohnmacht dann sogar nur ein etwas zu enger Hemdkragen.   
  • Kinder (bis zu 5 Jahren) schreien manchmal vor Schmerz, Angst oder Wut bis zur Erschöpfung bzw. bis sie ohnmächtig werden (sog. Affektkrampf).

Darüber hinaus können Epilepsie, Gehirnerschütterung, Rausch, ein niedriger Blutzuckerspiegel, Vergiftungen, Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz, Hyperventilation und Angstattacken zu einer Ohnmacht führen. Ein Schlaganfall kann ebenfalls eine (längere) Bewusstlosigkeit auslösen. Diese Ursachen erfordern eine schnelle ärztliche Behandlung. Einige Medikamente können auch zu niedrigem Blutdruck führen und damit zu einer Ohnmacht beitragen.

Diagnostik

Es ist wichtig die Umstände der Ohnmacht zu kennen, um die Ursache bestimmen zu können. Obwohl die Ohnmacht in den meisten Fällen harmlos verläuft, kann ihr in seltenen Fällen eine ernste Erkrankung zugrunde liegen. Ist es erstmalig oder völlig unerklärlich zur Ohnmacht gekommen, sollte der Patient von einem Arzt untersucht werden.

Der Arzt wird wahrscheinlich verschiedene Fragen stellen, um sich ein genaues Bild machen zu können:

  • Gab es schon öfter eine Synkope oder trat sie erstmals auf?
  • Gab es einen Auslöser?
  • Wie lange hielt die Bewusstlosigkeit an?
  • Begleitende Beschwerden? Haben Sie sich verletzt?
  • Erinnern Sie sich an die Zeit kurz vor der Synkope? 
  • Nehmen Sie Medikamente ein? Liegen andere Erkrankungen vor?
  • Wie sieht es mit Alkohol- und Drogenkonsum aus?
  • Leiden nahe Verwandte an Hererkrankungen?

Eine allgemeine Untersuchung mit Blutdruck- und Pulsmessung und einer Untersuchung des Nervensystems ist erforderlich. Um zu prüfen, wie empfindlich Sie auf einen plötzlichen Blutdruckabfall beim schnellen Aufstehen reagieren, kann der Arzt einen sog. Steh-Test oder eine ähnliche Untersuchung vornehmen. Bluttests können bei Verdacht auf eine zugrunde liegende Erkrankung angebracht sein, sind aber in der Regel nicht erforderlich. Bei Verdacht auf Herzerkrankungen wird der Arzt ein EKG und evtl. noch weitere spezielle Untersuchungen des Herzens anordnen bzw. durchführen.

Besteht der Veradcht auf eine Erkrankung des Gehirns, sind ebenfalls entsprechend spezielle Untersuchungen nötig.

In den meisten Fällen lässt sich leicht feststellen, ob es sich um eine harmlose, „gewöhnliche“ Ohnmacht oder eine durch eine zugrunde liegende Erkrankung ausgelöste Ohnmacht handelt.

Behandlung

Behandlung und Prognose hängen vom Nachweis der Ursache für die Ohnmacht ab. Die meisten Ohnmachtsanfälle sind allerdings harmlos und haben eine natürliche Ursache. Die Ursache zu erkennen und eine zufriedenstellende Erklärung zu erhalten, kann bereits eine ausreichende Behandlung darstellen.

Personen, die mehrere Ohnmachtsanfälle erleben und die Warnzeichen für eine Ohnmacht kennen (Benommenheit, Schwindel, Lustlosigkeit, seltsames Körpergefühl), können versuchen, ihre Hände gegeneinander zu drücken, oder die Beine zu kreuzen und zusammenzudrücken. Meist sind hier etwa 30 Sekunden ausreichend. Ein solcher aktiver Muskeleinsatz erhöht den Blutdruck und kann oft eine sich abzeichnende Ohnmacht verhindern. Um einer Ohnmacht vorzubeugen, kann man sich flach auf den Rücken legen, bevor die Ohnmacht eintritt. Vorbeugend können auch Kompressionsstrümpfe wirken, da dadurch der Blutdruck eher stabil gehalten wird.

Patienten, die unter Benommenheit oder Ohnmachtsanfällen leiden, wenn sie sich aus dem Bett oder von einem Stuhl erheben, können vorbeugen, indem sie sich ein paar Mal halb aufrichten, bevor sie ganz aufstehen. Hilfreich ist es zudem, mit leicht erhöhtem Kopf zu schlafen. Dies ist besonders für ältere Menschen wichtig, wenn sie die Toilette aufsuchen wollen – eine Situation, in der es oft zu Ohnmacht, Stürzen und Verletzungen kommt. Eine Darmentleerung kann zu einem Blutdruckabfall führen. Dies wird durch Fußbodenheizungen und hohe Raumtemperaturen begünstigt. Bevor man sich aus der Badewanne erhebt, kann eine Aktivierung der Arm- und Beinmuskeln helfen, Ohnmacht und Verletzungen zu vermeiden.

Grundsätzlich sind sehr warme Umgebungen (Sauna) zu meiden, weil dies oft zu Blutdruckabfall führen kann. Auch nach üppigem Essen kann der Blutdruck plötzlich sinken; zu empfehlen sind also kleinere häufigere Mahlzeiten. Neben einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr (2–2,5 l täglich) ist es ratsam, genügend Kochsalz zu essen (etwa 8 g täglich).

Eine medikamentöse Behandlung ist bei einer gewöhnlichen Ohnmacht nicht vorgesehen. Patienten, die wiederholt Ohnmachtsanfälle erleiden, wird der Arzt je nach Ursache der Ohnmachtsanfälle ggf. aber bestimmte Medikamente zur Vorbeugung empfehlen. Liegt die Ursache in einer Krankheit des Herzens oder des Gehirns, sind entsprechend spezielle Behandlungen nötig (z.B. ein Herzschrittmacher). Herzkrankheiten sollten unbedingt wirksam behandelt werden, da hier die Gefahr eines plötzlichen Herztodes besteht. 

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Synkope, vasovagale. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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