Nasenbluten, Erste Hilfe

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"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

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Was ist das?

  • Nasenbluten kommt häufig vor.
  • In der Regel handelt es sich um ein Alltagsbeschwerde und nicht um ein medizinisches Problem im eigentlichen Sinne. Doch beides ist möglich.
  • Bei Kindern und Jugendlichen:
    • Nasenbluten entsteht im vorderen Teil der Nasenscheidewand sowie an der Innenseite der Nase.
  • Bei Erwachsenen und älteren Personen:
    • Nasenbluten entsteht hauptsächlich der Nasenscheidewand, es kann seine Ursache aber auch tief im Inneren der Nase haben.
    • Blutungen in Inneren der Nase sind sehr selten, sie können durch steife Blutgefäße oder zu hohen Blutdruck verursacht werden. Diese Blutungen beginnen von allein und lassen sich meist nur schwer stoppen. Sie erfordern die Behandlung durch einen Facharzt.

Erste Hilfe

  1. Setzen Sie sich aufrecht hin, den Oberkörper leicht vorgebeugt.
  2. Drücken Sie die beiden Nasenlöcher für 10–20 Minuten zu (stoppen Sie die Zeit!).
    1. Der vordere und weiche Teil der Nase wird zwischen zwei Fingern zusammengedrückt.
    2. Drücken Sie fest, aber nicht so fest, dass es weh tut.
  3. Haben Sie Geduld, lösen Sie die Finger nicht, um zu überprüfen, ob die Blutung inzwischen aufgehört hat.
  4. Spülen Sie den Mund währenddessen und danach mehrmals mit kaltem Wasser aus.
  5. Putzen Sie sehr vorsichtig die Nase, um Verklumpungen zu entfernen.
  6. Das Blut nicht schlucken.
  7. Wenn die Blutung nicht aufhört: Konsultieren Sie einen Arzt. Der Arzt kann eine Tamponade einführen, die die Blutung stoppt. Versuchen Sie nicht, die Nase selbst mit Baumwolle ö. Ä. zu verstopfen.
  8. Wenn Sie über abschwellende Nasentropfen verfügen, kann es hilfreich sein, diese in die Nase zu sprühen oder zu tropfen, bevor Sie die Nasenlöcher zudrücken.
  9. Auch ein kaltes Tuch, das Sie über den Nasenrücken legen, während Sie die Nasenlöcher zudrücken, kann sich positiv auswirken.

Ausführliche Informationen

  • Sie sollten sitzen oder stehen. In einer aufrechten Haltung reduzieren Sie den Druck auf die Blutgefäße in der Nase. Dies wird die Blutung verringern.
  • Drücken Sie den vorderen Teil der Nase zusammen. Dies klemmt den Blutungspunkt in der Nasenscheidewand ab und stoppt in der Regel die Blutung.
  • Legen Sie sich kein Eis auf die Nase. Das hat wenig bis keine Wirkung. Die Kälte trägt lediglich dazu bei, dass die oberflächlichen Gefäße in der Nase sich zusammenziehen, doch auf die blutenden, tieferliegenden Gefäße hat es keine Auswirkung.
  • Leiden Sie sehr häufig unter Nasenbluten, können Sie den Blutungen durch Erhöhung der Luftfeuchtigkeit zu Hause vorbeugen. Ein Luftbefeuchter kann dabei helfen, die Nasenschleimhäute feucht zu halten. Auch das Einschmieren des vorderen Teils der Nasenscheidewand mit Vaseline oder einem vergleichbaren Schmiermittel kann wirksam sein.
  • Um neue Blutungen zu verhindern, wenn eine Blutungsepisode aufgehört hat, sollten Sie vermeiden, in der Nase zu pulen, Sie sollten außerdem mehrere Stunden lang nicht heftig durch die Nase ausatmen oder sich herunterbeugen. Halten Sie den Kopf immer höher als Ihr Herz.
  • Beginnt die Blutung erneut, schneuzen Sie kräftig, um Blutklumpen aus der Nase zu entfernen. Falls vorhanden, können Sie in beide Nasenlöcher ein abschwellendes Nasenspray geben. Drücken Sie die Nasen wie oben beschrieben zusammen und konsultieren Sie einen Arzt, wenn Sie die Blutung nicht unter Kontrolle bekommen.

Suchen Sie akutmedizinische Hilfe auf, wenn:

  • die Blutung länger als 15–30 Minuten anhält
  • Sie sich schwach fühlen und drohen, ohnmächtig zu werden, was durch einen hohen Blutverlust verursacht werden kann
  • die Blutung sehr stark ist und der Blutverlust hoch
  • die Blutung beginnt, Ihnen in den Hals zu laufen.

Suchen Sie einen Arzt auf, wenn:

  • Sie häufig Nasenbluten haben.
  • Es kann hilfreich sein, die kleinen Blutgefäße, die die Blutungen verursachen, „auszubrennen“, also zu verschließen.
    • Dies wird durch eine Verätzung mit Silbernitrat oder durch Elektro-/Laserkoagulation unter örtlicher Betäubung vorgenommen.

Bei Kindern

  • Häufiges Nasenbluten bei Kindern kann durch einen gutartigen Tumor verursacht werden.
  • Dieser kommt bei Jungen während der Pubertät vor, bei Mädchen ist er eher selten.
  • Nach der Pubertät kann er von selbst verschwinden, es kann aber auch sein, dass er wächst und die Nasenpassage und die Nebenhöhlen verschließt und häufiges, heftiges Nasenbluten verursacht.
  • Bildet sich der Tumor nicht zurück, kann unter Umständen ein chirurgischer Eingriff erforderlich sein.

Illustrationen

  • Zeichnung der Nase, innen

Wenn Sie den Notruf anrufen:

  • Auch wenn Sie aufgeregt sind, ist es wichtig, dass Sie versuchen, am Telefon beherrscht und effizient zu bleiben. Folgende Checkliste sollten Sie im Kopf haben:
  1. Geben Sie an, wer anruft und von wo.
  2. Was ist passiert?
  3. Genauer Ortsangabe, ggf. Treffpunkt vereinbaren.
  4. Missverständnisse vermeiden, lassen Sie sich Ihre Meldung von der Person, mit der Sie sprechen, bestätigen.

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Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln