Entwicklung von Altersdemenz

Die Demenz entwickelt sich meist schleichend; anfangs sind die Symptome kaum zu bemerken: die Betroffenen sind etwas vergesslich, möglicherweise nicht immer orientiert oder emotional verändert. Später jedoch funktioniert neben dem Kurzzeitgedächtnis auch die Erinnerung an die frühe Vergangenheit nicht mehr, die Patienten kennen sich auch zuhause nicht mehr aus und erkennen ihre Angehörigen nicht mehr.

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Entwicklung von Altersdemenz

Durch eine fortschreitende Schädigung des Hirngewebes und der Signalübertragung zwischen den Nervenfasern kommt es bei Patienten mit beginnender Demenz zunächst zu leichter Vergesslichkeit, Verlangsamung, möglicherweise Desorientierung in fremder Umgebung.

Je weiter sich diese Beeinträchtigungen ausprägen (unabhängig von der Ursache des Hirnschadens), umso schwerer wird es für den Patienten, sich im Alltag zurecht zu finden. Einfache Aufgaben (eine Mahlzeit für sich selbst zubereiten, die eigene Medizin einnehmen oder Rechnungen bezahlen) werden immer schwieriger. Im weiteren Verlauf haben die Betroffenen oftmals Schwierigkeiten, die Körperhygiene einzuhalten und sich anzuziehen. Die Desorientierung führt dazu, dass der Ortssinn verloren geht und der Patient Schwierigkeiten hat, sich in seiner eigentlich bekannten Stadt zurechtzufinden oder den Weg nach Hause zu finden. Die Alzheimer-Krankheit entwickelt sich anfangs schleichend und verschlechtert sich mit der Zeit. Diese Verschlechterung verläuft in den ersten Jahren bei den meisten Patienten nur langsam. Allmählich beginnt der Kranke sich jedoch nach und nach merklich zu verändern. Zu den oben beschriebenen kognitiven Einbußen kommen psychische Auffälligkeiten hinzu; die Betroffenen werden oft unruhig, depressiv oder ängstlich, auch Schlafstörungen sind häufig. Viele Angehörige berichten über deutliche Änderungen der Persönlichkeit des Patienten. Nach längerer Zeit treten auch körperliche Beschwerden auf: die Betroffenen verlieren immer mehr die Kontrolle über Urin und Stuhlgang, werden unbeweglicher, bettlägerig.

Bei einer durch Erkrankungen der Blutgefäße des Gehirns verursachten Demenz verläuft die Entwicklung häufig stufenweise. Hier können weitere Schlaganfälle auftreten, die dann von kognitiven Beeinträchtigungen gefolgt sind.

Wachsender Bedarf an Betreuung und Aufsicht

Wegen der Gedächtnisstörungen und Desorientierung brauchen die Demenzkranken immer mehr Betreuung und Aufsicht. In der Regel sorgen Verwandte und Bekannte dafür oder die öffentlichen Hilfsdienste. Die Stützpfeiler der öffentlichen Hilfsdienste sind Haushaltshilfe und Pflegedienste, die den Patienten allerdings nicht 24 Stunden am Tag betreuen und beaufsichtigen können. Viele demente Patienten verbringen den Tag auch in einer Tagespflegeeinrichtung und sind nur abends/nachts zuhause. Im späteren Verlauf ist in den meisten Fällen jedoch die dauerhafte Betreuung in einem Pflegeheim unumgänglich. 

Die Fürsorge und Betreuung eines Demenzpatienten bedeuten für die meisten Menschen eine große physische wie auch psychische Belastung. Deshalb ist es wichtig, dass den Angehörigen Entlastungsmöglichkeiten angeboten werden – auch schon in den frühen Phasen der Erkrankung. Es hat sich nämlich gezeigt, dass die Angehörigen, die gut über den Krankheitsverlauf informiert sind und auch darüber, wie man sich am besten in schwierigen Situationen verhält, die Patienten viel besser betreuen können. Informationen können der Arzt oder auch Selbsthilfegruppen und andere Experten bieten.

Verunsicherung

Demenzkranke, die allein leben, fühlen sich oft sehr verunsichert, weil sie vergessen könnten, eine Kochplatte abzustellen oder das Bügeleisen auszuschalten. Man kann z. B. Sicherheitsschalter für den Herd einbauen, um die Brandgefahr zu vermindern. Ein Heimnotrufgerät ist sehr nützlich für ältere Menschen. Die Chance, dass ein Betroffener dieses Gerät sinnvoll bedienen kann, steigt natürlich, wenn er sich schon früh daran gewöhnt hat. Auskünfte über Sicherheitsmaßnahmen sind bei den Pflegediensten zu erfragen. Es ist grundsätzlich zu empfehlen, einen Extra-Schlüssel beim Nachbarn zu hinterlegen, falls der Kranke sich einmal selbst ausschließt.

Kommunale Angebote

Für Demenzpatienten kann der Platz in einem Tagespflegezentrum sehr nützlich sein. Hier werden sie verpflegt, durch verschiedene Aktivitäten stimuliert und vom Pflegepersonal versorgt. Auch für den täglichen Transport kann gesorgt werden. In manchen Städten gibt es speziell für Demenzpatienten eingerichtete Tagespflegezentren.

Eine Kurzzeitpflege in einem Pflegeheim kann den Angehörigen die Möglichkeit bieten, sich einmal auszuruhen und zu entspannen. Die Pflegedienste helfen bei der Vermittlung einer solchen Kurzzeitpflege. Der Umzug in ein Pflegeheim kann die Patienten noch weiter verwirren. Meistens gibt sich dies mit der Zeit, wenn sich der Patient an die neue Umgebung gewöhnt hat.

Entlastung für Angehörige

Es ist sehr belastend für die Angehörigen, wenn der Patient seinen normalen Tagesrhythmus verliert, die Nacht zum Tag macht oder die Wohnung verlässt und nicht mehr zurückfindet. Der Nachtschlaf von Patienten mit Altersdemenz lässt sich zuweilen mit milden Schlafmitteln verbessern. In solchen Fällen muss dafür gesorgt werden, dass der Patient nicht zu oft und zu lange am Tag schläft. Sehr belastend kann es für die Angehörigen werden, wenn der Patient mehrmals in der Nacht anruft. Manchmal muss man dann das Telefon abstellen, um selbst ein paar Stunden Schlaf zu finden.

Besonders schwer sind lautes Schreien und Rufen sowie aggressives Verhalten zu ertragen. Die Ursachen sind manchmal Schwerhörigkeit, Schmerzen, Halluzinationen oder Probleme beim Wasserlassen. In der Übergangszeit kann es notwendig werden, beruhigende Arzneimittel zu verabreichen (siehe unten). Diese Arzneimittel haben jedoch oft zahlreiche Nebenwirkungen. Sie müssen deshalb eine niedrige Dosierung haben und dürfen nicht länger als unbedingt notwendig verabreicht werden.

Einweisung in eine Pflegeeinrichtung

Es ist nicht genau abzuschätzen, ab wann ein Patient so krank ist, dass er sich nicht mehr allein versorgen kann, selbst mit umfangreicher Unterstützung von Angehörigen, Haushaltshilfe und Pflegedienst. Wenn die Krankheit ein gewisses Stadium erreicht hat, wird es oft unumgänglich, einen Platz im Pflegeheim oder in einer speziell eingerichteten Wohnung für Demenzkranke (betreutes Wohnen) zu suchen. Der Pflegedienst kann Auskünfte erteilen, wie man am besten einen solchen Platz im Pflegeheim oder in einer anderen Institution finden kann. Die meisten modernen Pflegeheime haben „geschützte“ Wohneinheiten mit besonderen Einrichtungen für Demenzkranke. 

Wohngruppen oder Wohngemeinschaften für Demenzkranke gibt es in mehreren Städten. Hier leben mehrere Demenzpatienten zusammen in einer kleinen Wohneinheit. Dort wird versucht, den Alltag so zu gestalten, dass für die Patienten der bestmögliche persönliche Lebensrahmen erhalten bleibt.

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Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen