Gedächtnisstörungen

Eine Verschlechterung der Gedächtnisleistung ist häufig ein frühes Anzeichen dafür, dass sich eine Demenz entwickelt, kann aber auch verschiedene andere Ursachen haben.

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Was sind Gedächtnisstörungen?

  • Bei Gedächtnisstörungen ist die Fähigkeit, seine Erfahrungen anzuwenden oder sich an frühere Erlebnisse zu erinnern, so stark herabgesetzt, dass das normale Funktionsvermögen beeinträchtigt ist.
  • Eine Gedächtnisstörung kann sich plötzlich, aber auch über einen langen Zeitraum entwickeln.
  • Das Gedächtnis ist eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür, die Umwelt zu verstehen. Ereignisse oder Personen wiederzuerkennen, ist eine grundlegende Bedingung dafür, sich vertraut und sicher zu fühlen.
  • Ein schwindendes Gedächtnis tritt vor allem bei älteren Personen als Folge einer Demenz häufiger auf.
  • Ungefähr eine von drei Personen über 65 Jahren klagt über abnehmende Gedächtnisleistungen, aber nur 10–15 % der Betroffenen sprechen darüber mit ihrem Arzt.
  • Auch bei Depressionen, verschiedenen Angsterkrankungen und anderen psychischen Störungen kann es unabhängig von Demenz oder Alter dazu kommen, dass die Betroffenen Gedächtnisprobleme erleben.
  • Störungen des Gedächtnisses können sehr begrenzt sein (z.B. nur Wiedererkennen von Personen) oder das allgemeine Erinnerungsvermögen umfassen. Zudem können sie isoliert auftreten oder zusammen mit anderen Symptomen.
  • Sehr häufig kommt es auch durch Müdigkeit oder Überarbeitung, Schlafmangel und fehlende Erholung zu einem Gefühl von Gedächtnisschwäche. Unter solchen Umständen sind die Betroffenen im Allgemeinen einfach zu müde, um sich zu konzentrieren, und können sich daher zum Beispiel schlecht an bestimmte Zusammenhänge erinnern. Dabei handelt es sich nicht um Anzeichen für eine Hirnschädigung, sondern nur um einen vorübergehenden „Ausnahmezustand“.
  • Bei jüngeren Personen kann es im Zusammenhang mit Erkrankungen des zentralen Nervensystems zu Gedächtnisstörungen kommen.

Häufige Ursachen

  • Verschiedene Formen der Demenz
  • Depression
  • Schädelverletzungen
  • Schlaganfall oder Hirnblutung
  • Infektionen/Entzündungen des Gehirns
  • Alkoholvergiftung oder andere giftige Substanzen
  • Medikamente, insbesondere Beruhigungs- und Schlafmittel
  • Reduzierter Allgemeinzustand aufgrund chronischer Erkrankungen, zum Beispiel durch eine chronische Herz- oder Lungenerkrankung oder eine schwere Infektion.

Seltene Ursachen

Diese Liste ist nicht vollständig, es sind weitere, seltene Ursachen für Gedächtnisstörungen bekannt.

Untersuchung

  • Ein Verlust an Gedächtnisleistung tritt häufig bereits frühzeitig bei der Entwicklung einer Demenz auf. Wenn die Untersuchungen große Lücken beim Gedächtnisvermögen zeigen, ist das ein deutliches Zeichen für eine Störung des zentralen Nervensystems.
  • Das Ziel weiterer ärztlicher Untersuchungen ist es, die zugrunde liegende Krankheit genau zu ermitteln. Hierfür wird die Ärztin zusätzlich zu einer sorgfältigen körperlichen Untersuchung z. B. genaue neurologische und psychiatrische Tests, bestimmte kognitive Tests und Blutuntersuchungen durchführen sowie möglicherweise auch ein CT oder MRT veranlassen. Diese genaue Untersuchung ist wichtig, um möglichst schnell eine geeignete Therapie einzuleiten – falls vorhanden – und um weitere Informationen und Ratschläge geben zu können.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Medizinjournalistin, Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Gedächtnisstörungen. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Hacke W (Hrsg.): Neurologie. Berlin, Heidelberg: Springer, 2016.
  2. Deutsche Gesellschaft für Neurologie. Diagnostik und Therapie von Gedächtnisstörungen. AWMF-Leitlinie Nr. 030-124, Stand 2012. www.dgn.org
  3. Deutsche Gesellschaft für Neurologie. Transiente globale Amnesie (= amnestische Episode). AWMF-Leitlinie Nr. 030-083, Stand 2017. www.awmf.org
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