Stürze und Sturzgefahr bei älteren Menschen

Bei älteren Menschen besteht oft eine höhere Sturzgefahr. Stürze bergen ein hohes Risiko für schwere Knochenbrüche – normalerweise am Handgelenk, an der Hüfte oder am Rücken.

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Wie häufig sind Stürze bei älteren Menschen?

Ungefähr ein Drittel aller Personen über 65 Jahre stürzt mindestens einmal jährlich, bei der Hälfte der Betroffenen kommt es sogar mehrfach jährlich zu Stürzen. Frauen stürzen häufiger als Männer. Bei ca. 5 % der Stürze kommt es zu Knochenbrüchen, am häufigsten im Handgelenk, in der Hüfte oder am Rücken. Etwa ein Zehntel der gestürzten Personen verletzt sich dabei schwer.

Häufige Ursachen

Stürze haben normalerweise nicht einen einzigen Grund, sondern sind auf eine Kombination verschiedener Faktoren bei den Betroffenen selbst und ihrer Umgebung zurückzuführen.

Einige Faktoren für ein erhöhtes Risiko von Stürzen und Sturzverletzungen sind bekannt:

  • Höheres Alter
  • Frühere Stürze
  • Demenz oder andere Verwirrtheitszustände
  • Verminderte Beweglichkeit und geringes Aktivitätsniveau
  • Gleichzeitige Anwendung mehrerer Medikamente
  • Anwendung von Beruhigungsmitteln oder Schlafmitteln.

Wichtige Faktoren, die das Risiko zu Hause erhöhen:

  • Zu schwache Beleuchtung
  • Türschwellen, lose Teppiche, glatte Böden
  • Schlechte Schuhe
  • Plötzliche Störungen von außen.

Ratschläge zur Vorbeugung gegen Sturzgefahren können Sie diesem Artikel entnehmen.

Übliche Diagnosen bei Stürzen

  • Höhere Knochenbruchneigung durch natürliche altersbedingte Veränderungen und durch Erkrankungen
  • Demenz
  • Ohnmachtsanfall oder Bewusstlosigkeit:
    • Kann durch niedrigen Blutdruck aufgrund von Medikamenten ausgelöst werden
    • Kann auf zu geringer Flüssigkeits- oder Nahrungszufuhr beruhen
    • Kann im Zusammenhang mit Bettlägerigkeit auftreten
    • Kann im Zusammenhang mit einem Toilettenbesuch auftreten, insbesondere nach dem Stuhlgang.
  • Alle Krankheiten, die mit einer körperlichen Schwächung einhergehen, können das Sturzrisiko erhöhen:
    • Herzerkrankungen, Lungenerkrankungen, Karzinome, Infektionen
  • Schlaganfall und TIA.

Diagnostik

Ist eine Person gestürzt, ist es zunächst wichtig zu überprüfen, ob sie bewusstlos geworden ist bzw. inzwischen wieder ansprechbar ist und ob sie sich verletzt hat und/oder Schmerzen angibt. Je nach Schwere des Sturzes sollte ein Arzt den Zustand des Patienten beurteilen. Ist jemand bereits häufiger gestürzt und oder bei einem Sturz bewusstlos gewesen, ist in jedem Fall eine ärztliche Untersuchung nötig. Manchmal ist offensichtlich, dass der Sturz nur von äußeren Bedingungen verursacht wurde (z.B. Glatteis). Dann ist es meist ausreichend, sich um die evtl. Verletzungen zu kümmern. In anderen Fällen wird die Ärztin nach einer genauen körperlichen Untersuchung versuchen herauszufinden, warum die Person gestürzt ist. Dazu sind Untersuchungen des Herz-Kreislauf-Systems (Herzrhyhmusstörungen, niedriger Blutdruck oder Ähnliches?), der Hirnfunktion (Demenz?, Schwindel?), Nerven- und Muskelfunktion, des Sehvermögens und andere nötig. Möglicherweise wird der Art auch Blutuntersuchungen oder weitere speziellere Verfahren einsetzen.

Behandlung

Ist eine körperliche Ursache der Auslöser gewesen, wird diese möglichst behandelt (Blutdruck, Schwindel, Muskelschwäche, Gangstörungen, Stoffwechselstörungen etc.). Oft ist es wichtig, bestimmte Medikamente abzusetzen oder in der Dosis zu reduzieren, die das Sturzrisiko erhöhen können. Außerdem sollte genau überprüft werden, warum die Person z.B. zu Hause gestürzt ist und welche Maßnahmen ergriffen werden können, damit sie in Zukunft möglichst nicht mehr stürzt (Vorbeugung gegen Stürze).

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Medizinjournalistin, Bremen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Stürze im Alter. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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