Vorbeugung gegen Stürze

Stürze, v. a. mit begleitenden Verletzungen, führen gerade bei älteren Menschen oft zu Komplikationen. Es gibt viele Maßnahmen, einem Sturz vorzubeugen.

Willkommen auf den Seiten der Deximed-Patienteninformationen!

Unsere Patienteninformationen in laiengerechter Sprache stehen Ihnen auch ohne ein Abonnement zur Verfügung.

Sind Sie Arzt? Dann testen Sie unsere Experteninformationen 30 Tage lang kostenlos.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin – ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

30 Tage kostenlos testen!

Stürze sind häufig

Ungefähr ein Drittel aller Personen über 65 Jahre stürzt mindestens einmal jährlich und bei der Hälfte der Betroffenen kommt es sogar mehrfach jährlich zu Stürzen. Frauen stürzen häufiger als Männer. Bei ca. 5 % der Stürze kommt es zu Knochenbrüchen, am häufigsten im Handgelenk, an der Hüfte oder am Rücken. 10 % der gestürzten Personen verletzen sich schwer. Oft ist ein längerer Krankenhausaufenthalt notwendig und gerade ältere Menschen finden oft nur langsam wieder in ihr gewohntes selbstständiges Leben zu Hause zurück. 

Wenn bei einer älteren Person Osteoporose diagnostiziert wurde oder sie bereits früher eine Fraktur an Arm, Hüfte oder Rücken erlitten hat, ist es besonders wichtig, die Verhältnisse zu Hause so einzurichten, dass Stürze nach Möglichkeit verhindert werden.

Folgende Faktoren erhöhen das Risiko für einen Sturz: höheres Alter (v. a. über 80-jährige Frauen), Fähigkeit zu gehen ohne sonstige gute Mobilität/Beweglichkeit, frühere Stürze, 3 oder mehr chronische Krankheiten, 4 oder mehr verordnete Medikamente oder Beruhigungsmittel/Psychopharmaka, niedriges Körpergewicht, Gleichgewichtsstörung mit Schwindel, Demenz/Verwirrtheit, verringertes Sehvermögen. Wahrscheinlich führt auch allein die Angst vor einem Sturz dazu, dass man eher stürzt als andere.

So können Stürze verhindert werden

  • Lassen Sie Ihr Sehvermögen überprüfen, denn umscharfes Sehen wirkt sich negativ auf das Gleichgewicht aus.
  • Sorgen Sie für gute Beleuchtung in Ihrer Wohnung.
  • Besprechen Sie Ihre Medikamenteneinnahme mit dem Arzt:
    • Beruhigungsmittel, Schlafmittel und andere Medikamente mit Auswirkungen auf das Nervensystem können zu Schwindel, Instabilität und Sturzneigung führen.
    • Auch Blutdruck- und Herzmedikamente können Nebenwirkungen wie Schwindel und eine erhöhte Sturzneigung haben.
  • Vermeiden Sie, wenn möglich, lose liegende Teppiche. Legen Sie alternativ einen Gleitschutz unter die Teppiche.
  • Entfernen Sie Türschwellen und Schwellen zwischen Räumen.
  • Sorgen Sie immer für leichten Zugang zum Telefon.
  • Küchen- und andere Alltagsgeräte sollten immer in Griffhöhe aufbewahrt werden.
  • Schützen Sie sich durch entsprechende Matten in Dusche und Badewanne gegen Stürze.
  • Sehen Sie auch rutschgeschützte Sitzgelegenheiten in der Dusche/Badewanne vor.
  • Bringen Sie Handgriffe für zusätzlichen Halt in Badewanne und Toilette an.
  • Erhöhen Sie die Sitzfläche der Toilette, des Betts oder von niedrigen Stühlen.
  • Gehen Sie ggf. mit einem Stock, Rollator oder ähnlichen Hilfsmitteln. Tragen Sie feste, gut sitzende Schuhe.
  • Gehen Sie längere Strecken zu Fuß am besten nur tagsüber oder bei guter Straßenbeleuchtung.
  • Schützen Sie sich bei Schnee- und Eisglätte mit Schuhkrallen (Spikes) gegen die Rutschgefahr.

Hüftschutz und Krafttraining

Für Patienten mit Osteoporose und Sturzgefahr, bei denen eine hohe Gefahr von Knochenbrüchen besteht, eignet sich möglicherweise ein Hüftschutz. Laut einigen Studien kann durch einen Hüftschutz das Risiko für einen Oberschenkelhalsbruch um bis zu 35–50 % gesenkt werden. 

Krafttraining trägt dazu bei, den altersbedingten Verlust an Muskelmasse und Kraft zu verzögern. Krafttraining ist auch vorteilhaft für die Knochen und kann die Osteoporosegefahr verringern. Verschiedene Übungen können darüber hinaus auch die Beweglichkeit und das Gleichgewicht verbessern, was ebenfalls die Sturzgefahr senkt. 

Ärztliche Untersuchung

Nach einem Sturz sollte ein Arzt nach der Ursache suchen. Oft liegt der Grund in äußeren Faktoren, z. B. glattem Boden, unebenem Gelände. Es können jedoch auch Infektionen mit hohem Fieber, Gleichgewichtsstörungen, andere neurologische Krankheiten, Krankheiten von Lunge oder Herz u. a. vorliegen. Daher ist es wichtig, sich ärztlich untersuchen zu lassen, wenn der Grund für den Sturz nicht offensichtlich ist. Um nachfolgende Stürze zu vermeiden, ist es wichtig, ggf. eine zugrunde liegende Krankheit effektiv behandeln zu lassen.

Weitere Informationen

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med. Bremen