Sicherheit bei der Medikamenteneinnahme

Schätzungsweise nimmt etwa die Hälfte der Patienten ihre dauerhaft verordneten Arzneimittel nicht richtig ein. Die korrekte Einnahme von Medikamenten ist für eine erfolgreiche Behandlung aber wichtig. In dieser Information erfahren Sie, wie Sie Arzneimittel sicher anwenden können.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

Mehr erfahren

Sichere Einnahme von Medikamenten

Für eine erfolgreiche Behandlung ist es wichtig, Medikamente zuverlässig und wie von der Ärztin oder vom Arzt verordnet anzuwenden. Einige Hürden können dies erschweren, etwa Stress, mehrere Arzneimittel gleichzeitig, Wechsel eines Wirkstoffs, unverständliche Anwendungshinweise oder unerwünschte Nebenwirkungen.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie Sie die Einnahme Ihrer Medikamente verbessern können. Das Wichtigste ist: Reden Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, denn sie müssen genau wissen, welche Mittel Sie einnehmen und wie Sie dies tun.

Hürden bei der Einnahme

  • Die Hektik des Alltags oder schlichtweg Vergesslichkeit können zur unregelmäßigen Einnahme führen.
  • Wer viele Medikamente anwendet, verliert schneller den Überblick. Etwa ein Drittel der Patienten über 65 Jahre erhält 4 oder mehr Arzneimittel.
  • Arzneimittel haben oft Packungsbeilagen mit sehr vielen Informationen. Nicht jeder versteht, wie das Medikament richtig eingenommen wird.
  • Besonders ältere Menschen haben Probleme mit ihren Augen oder Händen, was die fachgerechte Einnahme zusätzlich behindert.
  • Patienten können verunsichert sein, wenn sie in der Apotheke nicht ihr bisher gewohntes Medikament erhalten. Es kann sein, dass der gleiche Wirkstoff eines Arzneimittels anders verpackt ist, anders heißt oder sich in Form und Farbe unterscheidet.
  • Jedes Arzneimittel kann unerwünschte Wirkungen auslösen. Manchmal verändern Patienten dann eigenmächtig die Dosis oder setzen das Medikament ab, ohne dies mit der Ärztin/dem Arzt zu besprechen.
  • Auch nicht verordnete Mittel, die ohne Rezept in der Apotheke oder der Drogerie erhältlich sind, können Nebenwirkungen haben.
  • Verschiedene Wirkstoffe können sich gegenseitig beeinflussen. Manchmal reagieren auch Lebensmittel mit Medikamenten. Zum Beispiel wirken einige Antibiotika schwächer, wenn man sie mit Milch einnimmt.
  • Menschen, die keine Beschwerden verspüren, fällt es oft schwer, ihre Medikamente dauerhaft zu nehmen, etwa bei Bluthochdruck.

Studien zeigen, dass die unzureichende Einnahme von Medikamenten zu einer erhöhten Zahl von Krankenhausaufnahmen führt.

Was können Sie selbst tun?

Sie können selbst viel dazu beitragen, Ihre Arzneimittel sicher und richtig einzunehmen. Die folgenden Tipps sollen Sie dabei unterstützen:

  • Einer Ihrer behandelnden Ärzte sollte Ihr Hauptansprechpartner bei allen Fragen zu Arzneimitteln sein. Sprechen Sie es an, wenn Sie Ängste oder Probleme bei der Einnahme Ihrer Medikamente haben, zum Beispiel wenn Ihnen das Schlucken von Tabletten schwer fällt.
  • Sagen Sie es Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, wenn bei einer Behandlung mit einem Arzneimittel neue Beschwerden auftreten.
  • Fragen Sie ruhig nach, ob Sie wirklich noch alle Medikamente brauchen. Studien zeigen: Je weniger Tabletten Patienten einnehmen müssen, umso besser klappt die Einnahme. Setzen Sie aber kein Medikament ohne ärztliche Rücksprache ab.
  • Führen Sie eine Liste aller Medikamente, die Sie einnehmen – verordnete und selbst gekaufte. In dieser Aufstellung sollten Sie nicht nur Tabletten vermerken, sondern zum Beispiel auch Sprays, Tropfen oder Salben. Tragen Sie Ihre aktuelle Liste immer bei sich.
  • Halten Sie sich daran, wenn Ihre Medikamente für eine genaue Uhrzeit vorgesehen sind. Bei manchen Medikamenten ist es wichtig, dass Sie sie vor, während oder nach einer Mahlzeit einnehmen. Ihr Arzt oder Apotheker kann Sie dazu beraten.
  • Binden Sie die Einnahme in Ihre tägliche Routine ein. Sie können Ihre Medikamente zum Beispiel immer vor dem Zähneputzen nehmen oder immer abends zur Tagesschau.
  • Lassen Sie sich erinnern: Stellen Sie sich Ihren Wecker oder Ihr Mobiltelefon. Oder bitten Sie Angehörige oder andere Personen, Sie auf Ihre Medikamenteneinnahme hinzuweisen. Auch Merkzettel, etwa am Spiegel oder am Kühlschrank, können hilfreich sein.
  • Sofern Sie auf kompliziert anzuwendende Arzneimittel, wie Insulinspritzen, angewiesen sind, erkundigen Sie sich bei Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt nach speziellen Schulungen.

Hilfsmittel

Hilfsmittel erleichtern die Arzneimittelanwendung und sind oft nicht teuer.

Bei Problemen mit Ihren Händen, etwa bei versteiften Fingergelenken, kommen zum Beispiel infrage:

  • Tablettenausdrücker
  • Tablettenteiler
  • Verschlussöffner für Medikamentenflaschen
  • Dosierhilfen für Augentropfen.

Sehschwachen Menschen kann Folgendes helfen:

  • Lupen, etwa Skalenlupen für Insulinspritzen
  • Applikationshilfen zum Einträufeln von Augentropfen.

Bei Vergesslichkeit und zur besseren Übersicht eignen sich:

  • Medikamentendosierer mit Tages- oder Wochenunterteilungen,bei denen Sie sehen, ob Sie eine Dosis schon eingenommen haben. Wahlweise gibt es diese auch mit Erinnerungsalarm.

Weitere Informationen

Quelle

  • Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ), Gemeinsames Institut von BÄK und KBV – Patienten-Information.de