Körperliche Aktivität, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, metabolisches Syndrom und Typ-2-Diabetes

Körperliche Aktivität reduziert das Risiko der Entwicklung diverser Krankheiten.

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Menschen, die regelmäßig körperlich aktiv sind, haben ein günstigeres Risikoprofil als körperlich inaktive Personen. Körperlich inaktive Menschen haben ein doppelt so hohes Risiko wie körperlich aktive Personen, eine koronare Herzkrankheit zu entwickeln.

Unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind Erkrankungen des Herzens, der Koronararterien (Herzkranzgefäße) und des Gefäßsystems zur Versorgung der übrigen Organe, hauptsächlich mit Erkrankungen der Hirngefäße, der Nierengefäße und der peripheren Blutgefäße zu verstehen. Die koronare Herzkrankheit steht für die Hälfte aller Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die in Norwegen wiederum fast die Hälfte aller Todesfälle verursachen. Herzinfarkt als Todesursache nimmt mit dem Alter zu.

Basierend auf 21 Forschungsstudien aus dem vergangenen Jahrzehnt findet sich hoher Blutdruck (arterielle Hypertonie) zwischen 30% und 45% der Allgemeinbevölkerung in Europa, wobei ein steiler Anstieg mit dem Alter beobachtet wird und ein wichtiger Risikofaktor für Schlaganfall und Herzinfarkt ist. Nach den Statistiken der WHO findet sich in westeuropäischen Landern ein ruckläufiger Trend, während in osteuropäischen Landern ein deutlicher Anstieg in der Todesrate des Schlaganfalls beobachtet wird.1

Menschen, die regelmäßig körperlich aktiv sind, haben ein günstigeres Risikoprofil als körperlich inaktive Personen. Der größte zahlenmäßige Unterschied bei neuen Fällen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen findet sich zwischen körperlich inaktiven und moderat körperlich aktiven Personen. Körperlich inaktive Menschen, sowohl Männer als auch Frauen, haben insofern ein doppelt so hohes Risiko wie körperlich aktive Personen, eine koronare Herzkrankheit zu entwickeln.

Körperliche Aktivität reduziert selbst bei Menschen mit fortgeschrittener Arteriosklerose das Risiko eines plötzlichen Todes. Studien zeigen, dass die Häufigkeit eines Herztods bei Männern, die an einer Herzrehabilitation mit körperlichem Training teilnehmen, im Vergleich zu denen, die nicht daran teilnehmen, um 25 % geringer ist.

Metabolisches Syndrom und Typ-2-Diabetes

Unter dem metabolischen Syndrom ist eine Kombination von Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verstehen, der Begriff ist aber nicht eindeutig definiert. Laut der WHO ist für die Diagnose eines metabolischen Syndroms das Vorliegen einer reduzierten Insulinempfindlichkeit/Glukosetoleranz oder eines Typ-2-Diabetes gemeinsam mit zwei oder mehr der folgenden Faktoren erforderlich:

  • Bluthochdruck
  • Ungünstige Blutfettwerte
  • Adipositas
  • Erhöhte Neigung zur Blutgerinnung

Regelmäßige körperliche Aktivität wirkt sich positiv auf all diese Risikofaktoren gleichzeitig aus. In Ländern mit typisch westlicher Lebensweise entwickelt vielleicht ein Fünftel der Bevölkerung ein mehr oder weniger ausgeprägtes metabolisches Syndrom. Dieses Syndrom betrifft also eine deutlich höhere Zahl an Menschen als diejenigen mit diagnostiziertem Diabetes. Aus gesundheitlicher und sozialer Sicht muss diese Gruppe als ebenso wichtig wie die Gruppe der Patienten mit Diabetes betrachtet werden.

Aktuelle Ergebnisse des Robert Koch-Instituts zeigen, dass bei insgesamt 7,2 Prozent der Erwachsenen im Alter von 18 bis 79 Jahren jemals ein Diabetes diagnostiziert wurde. Die Zahl der Diabetes-Patienten nimmt sowohl in Deutschland als auch in großen Teilen der Welt zu.2

Regelmäßige körperliche Aktivität reduziert das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, signifikant. Die Personen, die das größte Risiko haben, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln, können offenbar den größten Effekt durch regelmäßige körperliche Aktivität erzielen.

Allerdings ist die Wirkung körperlicher Aktivität bei der Behandlung von Typ-2-Diabetes noch nicht besonders gut belegt, und die Ergebnisse der unterschiedlichen Studien weichen voneinander ab. Menschen mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes scheinen den stärksten Nutzen durch sportliche Aktivität zu haben.

Zusammenfassung

Regelmäßige körperliche Aktivität reduziert das Risiko der Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Allgemeinen und der koronaren Herzkrankheit im Besonderen.

Außerdem hat regelmäßige körperliche Aktivität bzw. eine gute Kondition einen positiven Einfluss auf die Blutfettwerte und den Blutdruck, auf Insulinempfindlichkeit und Übergewicht. Stärkere körperliche Aktivität kann sich gleichzeitig positiv auf alle diese Faktoren auswirken. Regelmäßige körperliche Aktivität reduziert das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, signifikant.

Literatur

  1. Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL, Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention. Leitlinien für das Management der arteriellen Hypertonie. Bruckmeier Verlag 2013. www.hochdruckliga.de
  2. Heidemann C. Prevalence and temporal trend of known diabetes mellitus. Results of the German Health Interview and Examination Survey for Adults (DEGS1). Bundesgesundheitsbl - Gesundheitsforsch - Gesundheitsschutz ; 56: 668-677. edoc.rki.de
  3. Robert Koch-Institut. Diabetes mellitus. Berlin 2016. www.rki.de

Autoren

  • Thomas Fühner, PD Dr. med., Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie, Hannover