Illustration (Foto): Colourbox

Inaktivität als Volkskrankheit

Weltweit sind 4 von 5 jungen Menschen im Alter von 13–15 Jahren weniger aktiv, als die Empfehlungen lauten. Eine kürzlich veröffentlichte Studie legt nahe, dass Inaktivität inzwischen ebenso viele Todesfälle wie das Rauchen verursacht.

Die industrielle Revolution hat dazu geführt, dass wir im Alltag immer weniger körperliche Arbeit verrichten, sowohl im Beruf als auch in der Freizeit. Dann gab es auch eine Zunahme sitzender Tätigkeiten vor Bildschirmen wie Fernsehen und Computer. Darüber hinaus nutzen sehr viele von uns passive Transportmittel, was das Aktivitätsniveau weiter reduziert.

Körperlich aktiv zu sein, bietet eine Vielzahl an Vorteilen für die Gesundheit. Somit ist es auch einfach zu verstehen, dass Inaktivität für einen schlechteren Gesundheitszustand sorgt. Geringe körperliche Aktivität ist ein großer Risikofaktor für gesundheitliche Probleme und einen verfrühten Tod. Menschen, die nicht genug trainieren, haben ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Darm- und Brustkrebs, Typ-2-Diabetes und Osteoporose.

Möchten Sie mehr über die gesundheitlichen Vorteile körperlicher Aktivität erfahren? Weitere Informationen finden Sie hier: Allheilmittel für Körper und Geist

Inaktivität fordert 3,2 Millionen Leben pro Jahr

2008 waren weltweit ca. 31 Prozent aller Erwachsenen über 15 Jahren zu wenig aktiv, und pro Jahr lassen sich ca. 3,2 Millionen Todesfälle 1-2 auf den Mangel an körperlicher Aktivität zurückführen. In Deutschland bewegen sich genauso immer noch zu viele Menschen viel zu wenig in ihrem Alltag:Ein Drittel gibt an, auf ausreichend Bewegung zu achten. Nur ein Fünftel ist die empfohlenen 2,5 Stunden pro Woche körperlich aktiv. Die Hälfte treibt regelmäßig mindestens eine Stunde pro Woche Sport. Dies ergab die „Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1)“ des Robert-Koch-Instituts.3In dem WHO Bericht steht über Deutschland, dass 44 Prozent der erwachsenen Männder und 35 Prozent der Frauen auf die empfohlene körperliche Aktivität kommen (30 min. sportliche Aktivität an 5 Tagen in der Woche).4

Inaktivität gilt als eine der großen gesundheitlichen Herausforderungen der Zukunft. Die negativen Folgen sind zahlreich – sowohl körperlich als auch psychisch und sozial. Die körperliche Aktivität, die in der Freizeit durch Training erfolgt, scheint die umfangreiche Reduzierung an Aktivitäten im Alltag und die Zunahme sitzender Tätigkeiten nicht kompensieren zu können. Zu diesem Ergebnis kommen auch die norwegischen HUNT-Studien: Es wird mehr trainiert als je zuvor, gleichzeitig wird die Bevölkerung aber immer dicker.5

 Weitere Informationen finden Sie hier: Gut trainiert – aber inaktiv

Jugendliche erfüllen nicht das empfohlene Mindestmaß an körperlicher Aktivität

Inaktivität ist als eigenständiger Risikofaktor auf einer Stufe mit Bluthochdruck, Rauchen und ungünstigen Cholesterinwertenzu betrachten. Weltweit wird Inaktivität als vierte führende Todesursache angesehen. Inaktivität steigt mit dem Alter und ist häufiger in Ländern mit hohem als in Ländern mit niedrigem Durchschnittseinkommen.6

Dass im Alter die körperliche Aktivität abnimmt, ist zwar beunruhigend, die Zahlen einer Studie, die 2012 in The Lancet veröffentlicht wurde, sind aber möglicherweise noch beunruhigender1: Vier von fünf Jugendlichen im Alter von 13–15 sind nicht aktiv genug, um die aktuellen Empfehlungen für körperliche Aktivität zu erfüllen.

Die Gesundheitsbehörden empfehlen mindestens 150 Minuten pro Woche moderate körperliche Aktivität. Diese Empfehlung kann auch durch mindestens 75 Minuten hoher körperlicher Intensität pro Woche oder auch eine Kombination von moderater und hoher Intensität eingehalten werden.

Motivation

Das Ziel sollte sein, alles daran zu setzen, um den Empfehlungen zu folgen, und wenn möglich auch gern noch mehr zu trainieren. Ein weiteres Ziel sollte sein, unsere alltäglichen Aktivitäten so gut wie möglich zu steigern. Wenn Sie selbst bereits aktiv sind, dann kennen Sie vielleicht jemanden, der Hilfe dabei braucht, in Gang zu kommen? Vieles deutet darauf hin, dass es leichter ist, in Form zu bleiben, wenn man mit jemandem zusammen trainieren kann oder mit anderen Leuten umgeht, die auch trainieren.

Viele Leute meinen, sie hätten nicht ausreichend Energie, um zu trainieren. Dann sollte man aber daran denken, dass man ohne Training gar keine Energie gewinnt. Es ist nicht immer leicht, mit dem Training zu beginnen oder sich zu motivieren, damit weiterzumachen. Häufige Probleme sind, dass wir vermeintlich keine Zeit zum Trainieren haben, dass das Training langweilig ist, dass wir körperliche Schäden oder Angst vor Verletzungen haben oder dass es uns an Selbstvertrauen oder Motivation mangelt. Benötigen Sie Tipps, um die Motivation und Zeit zu finden, in Gang zu kommen? Dazu können Sie mehr in diesem Artikel erfahren: Sind Sie motiviert und bereit?

Weiterführende Informationen


Literatur

  1. Kohl HW, Craig CL, Lambert EV, Inoue S, Alkandari JR, Leetongin G, Kahlmeier S. The pandemic of physical inactivity: global action for public health. The Lancet 2012; 380 (9838): 296-305. www.ncbi.nlm.nih.gov
  2. Hallal PC , Andersen LB, Bull FC, Guthold R, Haskell W, Ekelund U. Global physical activity levels: surveillance progress, pitfalls, and prospects. The Lancet 2012; 380 (9838): 247-57. www.ncbi.nlm.nih.gov
  3. Robert Koch-Institut. DEGS1-Symposium: Körperliche Aktivität – wie aktiv sind die Deutschen? Berlin 2012. www.rki.de
  4. WHO Euroe. Germany. Physical activity factsheet. Kopenhagen 2012. www.euro.who.int
  5. Krokstad S. Cohort Profile: the HUNT Study, Norway. Int J Epidemiol. 2013; 42: 968-977.
  6. WHO: Physical Inactivity: A Global public Health Problem. Genf. ohne Datum. Zugruff: 7.11.16. www.who.int

Autoren

  • Thomas Fühner, PD Dr. med., Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie, Hannover