Pilzvergiftungen vorbeugen und behandeln

Wenn Sie oder Ihr Kind Pilze zu sich genommen haben und Sie befürchten, dass es sich um Giftpilze handeln könnte, wenden Sie sich an die Giftinformationszentrale. Die Telefonnummer finden Sie in der Tabelle. Sind bereits schwere Symptome aufgetreten, rufen Sie den Notarzt unter 112.

Deximed – Deutsche Experteninformation Medizin

"Deximed ist für mich eine große Hilfe, um im Praxisalltag schnell aktuelles Wissen zur Therapie oder Diagnostik nachschlagen zu können. Die übersichtliche Struktur ermöglicht es, sogar im Patientenkontakt rasch etwas nachzulesen." - PD Dr. med. Guido Schmiemann, Facharzt für Allgemeinmedizin, Bremen

Deximed ist ein unabhängiges Arztinformationssystem mit Fokussierung auf die primärärztliche Versorgung. Evidenzbasierte und regelmäßig aktualisierte Artikel zu allen medizinischen Gebieten zeichnen Deximed aus.

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Giftnotrufzentralen

Ort

Region

Telefon

Website

Berlin

B, BRA

030 19240

giftnotruf.charite.de

Bonn

NRW

0228 19240

www.gizbonn.de

Erfurt

MV, SAC, SAN, THÜ

0361 730730

www.ggiz-erfurt.de

Freiburg

BW

0761 19240

www.uniklinik-freiburg.de/giftberatung.html

Göttingen

HB, HH, NDS, SHO

0551 19240

www.giz-nord.de

Homburg/Saar

SAL

06841 19240

www.uniklinikum-saarland.de/giftzentrale

Mainz

RLP, HES

06131 19240

www.giftinfo.uni-mainz.de

München

BAY

089 19240

http://www.toxinfo.med.tum.de/node/380

Wien

A

+43 1 4064343

https://goeg.at/Vergiftungsinformation

Zürich

CH

145 (in CH), +41 44 2515151

https://toxinfo.ch

Hintergrund

  • In Europa gibt es (bei etwa 5.000 bekannten Pilzarten) ca. 150 giftige Pilzarten, von denen jedoch nur selten eine tödliche Gefahr ausgeht. Potenziell lebensgefährlich sind jedoch insbesondere der Grüne Knollenblätterpilz, der Orangefuchsige Raukopf sowie der Spitzgebuckelte Raukopf. Diese Pilze können selbst bei sehr geringen Verzehrmengen tödlich sein, wenn nicht rechtzeitig medizinische Gegenmaßnahmen erfolgen. Auch der Rote Fliegenpilz, Nadelholzhäubling und Satansröhrling gehören zu den sehr giftigen Pilzen, jedoch sind zahlreiche weitere ebenfalls giftig.
  • Neben den Giftpilzen sind häufig auch übliche Speisepilze Ursache von (Lebensmittel)Vergiftungen. Das hat folgende Gründe:
    • Pilze sind leicht verderblich: Wildpilze sollten innerhalb von 24 Stunden gekocht und verzehrt werden, festfleischige Zuchtpilze können einige Tage kühl und luftig gelagert werden. Allerdings sind Pilze manchmal bereits vor dem Verkauf schon verdorben, weil sie falsch gelagert wurden (etwa in Plastikfolie, unzureichend gekühlt etc.).
    • Bei selbstgesammelten Pilzen müssen verdorbene Stellen oder auch Bissspuren von Tieren großzügig entfernt werden. Lassen Sie mit Maden befallene Wildpilze oder verdorben wirkende Pilze stehen.  
    • Die meisten Pilze dürfen nicht roh verzehrt werden. Bis auf Zuchtchampignons und Steinpilze müssen alle Pilze mindestens 10 Minuten, viele auch 20 Minuten durchgegart werden, damit sie verträglich sind. Bei sehr großen Pilzen ist darauf zu achten, dass alle Anteile genügend gegart wurden.
    • Bei manchen Pilzen ist es wichtig, nach dem Abbrühen das Kochwasser zu verwerfen. Vorsichtshalber ist dies bei allen Pilzen zu empfehlen.
    • Pilzmahlzeiten dürfen nur wieder aufgewärmt und gegessen werden, wenn sie gleich nach dem Essen rasch gekühlt und dann innerhalb von 24 Stunden wieder aufgewärmt wurden.

Symptome und Beschwerdebilder

  • Meist entwickeln sich Beschwerden bei einer Pilzvergiftungen innerhalb von etwa 4 Stunden; dieser Zeitraum kann jedoch auch länger andauern.
  • Unterschiedliche Giftarten verursachen unterschiedliche Reaktionen.
  • Ein häufiges Beschwerdebild sind Übelkeit und Durchfall, worauf es oft zu einer kurzfristigen Besserung kommt.
  • Danach zeigen sich je nach Art des Pilzes Anzeichen einer Leberschädigung: Die Betroffenen werden benommen oder bewusstlos und können ins Koma fallen.
  • Bei bestimmten Pilzvergiftungen kann es zu Schädigungen des zentralen Nervensystems mit Halluzinationen oder Krämpfen kommen.
  • Eigentlich genießbare Pilze können bei manchen Personen zu allergieähnlichen Symptomen oder Unverträglichkeitsreaktionen führen.

Prävention – Verhindern von Pilzvergiftungen

  • Gekaufte Speisepilze
    • Beachten Sie die oben genannten Hinweise und Empfehlungen zur Zubereitung.
    • Vorsicht: Auf Märkten oder auch in Geschäften können versehentlich neben verdorbenen Speisepilzen auch giftige Pilze zum Verkauf angeboten werden.
  • Wildpilze
    • Wer Pilze sammelt, sollte sich sicher auskennen oder mit einem Experten unterwegs sein.
    • Sie können die Pilze von einem geprüften Pilzsachverständigen prüfen lassen. Informationen hierzu finden Sie bei der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM).
    • Nutzen Sie zum Sammeln offene, gut belüftete Gefäße (etwa Körbe).
    • Zur Orientierung: Die Giftzentrale Bonn bietet beispielsweise auf ihrer Webseite Fotos und Beschreibungen von vielen üblichen Pilzen.

Schnelles Handeln ist bei Verdacht auf Pilzvergiftung wichtig

Bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung ist Folgendes zu empfehlen:

  • Rufen Sie eine der oben genannten Giftnotrufzentralen an, bei bereits starken Symptomen den Notruf unter 112.
  • Stellen Sie Reste der Pilze, der Pilzmahlzeit oder von Erbrochenem sicher.
  • Versuchen Sie, den Pilz zu beschreiben, wenn möglich, auch die Gegend, in der er gesammelt wurde (Garten, Park, Wiese, Nadelwald, unter Laubbäumen, an Baumstumpf oder Rinde, am Boden usw.). Sehr nützlich wäre es, wenn ein Exemplar des Pilzes vorliegt.
  • Beruhigen Sie die betroffene Person, geben Sie ihr evtl. ein paar Schlucke Wasser zu trinken.
  • Vorsicht: Der Betroffene darf keine Milch, kein Salzwasser trinken.
  • Auch medizinische Kohle (Aktivkohle) sollte nur durch einen Arzt bzw. nach ärztlicher Empfehlung verabreicht werden.
  • Provozieren Sie nicht zu erbrechen, und stecken Sie auch einem Kind nicht den Finger in den Hals, damit es erbricht.
  • Eine Untersuchung durch einen Arzt bzw. in der Aufnahme einer Klinik ist zu empfehlen.

Weitere Informationen

 Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen

Literatur

  1. Pätzold A, Berndt S. Giftpilze - was tun? Deutsche Gesellschaft für Mykologie, Frankfurt/M o.D. (Zugriff: 17.8.2016). www.dgfm-ev.de