Female Athlete Triad:  Essstörung, ausbleibende Periode, Osteoporose als Risiko für Leistungssportlerinnen

Immer mehr Mädchen und Frauen sind sportlich aktiv. Wenn Sie sich regelmäßig bewegen und gesund ernähren, leisten Sie einen wichtigen Beitrag zur Vorbeugung zahlreicher Erkrankungen und Wohlstandsbeschwerden. Wenn Ihr Körper Ihnen jedoch signalisiert, dass die Belastung zu hoch ist, sollten Sie diese Signale auch ernst nehmen.

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Die Triade der Leistungssportlerinnen, abgeleitet von der englischen Bezeichnung Female Athlete Triad1-2, beinhaltet vor allem eine zu geringe Energiezufuhr, häufig in Verbindung mit einer Essstörung, von der vorrangig weibliche Leistungssportler betroffen sind. Das Krankheitsbild setzt sich aus drei Komponenten zusammen – deshalb die Bezeichnung „Triade“. Diese drei Komponenten sind eine Essstörung, eine ausbleibende Periode (Amenorrhö) und Osteoporose (verminderte Knochendichte). Bei vielen der betroffenen Frauen wird die Erkrankung nie erkannt, denn es ist in vielen Fällen aufgrund der verschiedenen oder nicht eindeutigen Symptome oft schwierig, die richtige Diagnose zu stellen. Das Essverhalten kann gestört sein, auch wenn nicht alle Kriterien einer Bulimie (Ess-Brech-Sucht) oder Anorexia nervosa (Magersucht) erfüllt sind. Einige betroffene Frauen weisen auch aufgrund zu geringer Energiezufuhr bzw. zu belastendem Sport Menstruationsstörungen und eine beginnende Osteoporose auf, ohne eine eindeutige Essstörung zu haben. 

In der Allgemeinbevölkerung treten Essstörungen bei weniger als 10 % auf (bei Frauen deutlich häufiger als bei Männern), bei Sportlerinnen im Allgemeinen hingegen etwa doppelt so häufig. In verschiedenen Untersuchungen bei Hobby- und Profisportlerinnen wendeten ein Drittel bis fast zwei Drittel der Befragten eine oder mehrere Methoden an, um abzunehmen (Diät, Abführmittel etc.).1  

Mögliche Folge: Osteoporose

Dass bei Leistungssportlerinnen die Regelblutung ausbleibt oder gestört ist, wird von vielen als eine normale Begleiterscheinung des aktiven Sports angesehen. Das ist es jedoch nicht. Wenn der Östrogenspiegel so stark sinkt, dass die Periode ausbleibt, wirkt sich das auch auf die Mineraldichte der Knochen aus. In der Folge kann sich bereits in relativ jungen Jahren eine Osteoporose entwickeln. Junge Sportlerinnen, bei denen über lange Zeit keine Menstruation auftritt, laufen Gefahr, die normale maximale Knochenmasse nie zu erreichen. Somit steht bei ihnen von vornherein weniger Knochenmasse zur Verfügung, wenn mit Ende 20 der altersbedingte Knochenabbau einsetzt, der bei allen Menschen zu beobachten ist.

Wenn sich vorzeitig eine Osteoporose oder – was häufiger der Fall ist – erst gar keine ausreichende Knochenmasse entwickelt, sind ein mangelhafter Knochenaufbau und eine geringe Knochenmineraldichte die Folge. Dadurch erhöht sich das Risiko von Ermüdungsbrüchen in stark belasteten Knochen und das Risiko gewöhnlicher Knochenbrüche im Bereich der Arme, der Beine, des Beckens und der Wirbelsäule. Zum Vergleich: In der Allgemeinbevölkerung sind eine verminderte Knochendichte mit Knochenbrüchen oder auch eine Osteoporose bei rund 12 % der Frauen zu finden; bei Spitzensportlerinnen sind bis zu 50 % betroffen.

Östrogenmangel als Risikofaktor

Osteoporose ist eine Krankheit, die man normalerweise mit älteren Frauen in Verbindung bringt. Nun wissen wir jedoch, dass dies auch infolge extremen körperlichen Trainings bei jungen Frauen auftreten kann. Ursache hierfür ist, dass der übermäßige Sport zu Untergewicht und oft zu sehr niedrigen Konzentrationen des weiblichen Geschlechtshormons Östrogen führt. Ein normaler Östrogenspiegel ist aber nötig, damit die regelmäßigen Hormonzyklen natürlich ablaufen und die Menstruation auftritt und damit der Körper genügend Kalzium für den Einbau in die Knochen aufnehmen kann. Und Kalzium ist Voraussetzung für den Aufbau starker Knochen. Normalerweise unterstützt Sport den Aufbau eines gesunden Skeletts. Ist aber der Östrogenspiegel zu gering, ist dies jedoch nicht der Fall. Wenn das Essverhalten einer Frau gestört ist, sie also an Magersucht oder Bulimie leidet oder schlicht nicht genug isst, um ihren Energiebedarf zu decken, kann die Belastung für den Körper zu groß werden.

Hinweise für eine zu hohe körperliche Belastung sind:

  • Die Regelblutung tritt nur sporadisch auf.
  • Sie hatten noch überhaupt keine Menstruation, obwohl Sie über 14 Jahre alt sind.
  • Ihre Periode ist mehrere Monate hintereinander ausgeblieben (ohne dass es dafür andere Ursachen wie etwa eine Schwangerschaft gibt).

Besonders gefährdet: ästhetische Sportarten und Sportarten mit Gewichtsklassen

Als Sportlerin sollten Sie immer daran denken, dass das, was zu diesem Krankheitsbild führt – eine mangelhafte Ernährung und ein zu geringer Körperfettanteil – auch einen Energiemangel und Konzentrationsschwäche nach sich zieht. Dies wiederum macht Sie zu einer weniger leistungsfähigen Sportlerin. Besonders häufig sind Fälle der athletischen Triade in ästhetischen Sportarten wie Ballett, Turnen und Eiskunstlauf, da die Sportlerinnen hier enge Kostüme tragen, die Leistung auch subjektiv beurteilt wird und eine mädchenhafte Erscheinung Vorteile bringen kann. Sportarten wie Boxen und Taekwondo gehören auch dazu, da hier bestimmte Gewichtsklassen eingehalten werden müssen. Skispringer und Kletterer müssen ebenfalls sehr stark auf ihr Gewicht achten, aber auch Ausdauersportlerinnen sind häufiger von dieser Erkrankung betroffen als andere.

Ebenso wie andere Frauen, die an Essstörungen leiden, versuchen viele Sportlerinnen, die Symptome vor Freunden, Familie, Trainern und anderen Menschen geheim zu halten. In Fällen von Doping kann zudem die Anwendung von anabolen Steroiden zum Ausbleiben der Regelblutung führen.

Behandlung

Häufig stellen Ärzte zunächst einen Ermüdungsbruch fest, kommen danach der Menstruationsstörung auf die Spur und entdecken schließlich das gestörte Essverhalten. Um den Weg aus dieser Erkrankung zu finden, ist es wichtig, dass Sie Hilfe in Anspruch nehmen. Sprechen Sie zunächst mit Ihrer Hausärztin/Ihrem Hausarzt. Ernähren Sie sich ausgewogen, mäßigen Sie Ihr Trainingspensum und bauen Sie so ausreichend Körperfett auf, damit Ihre Menstruation wieder eintritt. Eine Ernährungsberatung ist oft sinnvoll. Liegt eine Essstörung vor, ist eine begleitende Psychotherapie anzuraten. In einigen Fällen kann die Gabe von Östrogen- und/oder Kalziumpräparaten und Vitamin D notwendig sein.

Ganz entscheidend ist, dass das Krankheitsbild frühzeitig erkannt wird, damit so viel Schaden wie noch möglich abgewendet werden kann. Dies gilt vor allem für junge Mädchen. Denn mit 20 Jahren ist der Knochenaufbau abgeschlossen. Das bedeutet, dass Sie den Rückstand beim Knochenwachstum, der sich in den Jahren zuvor vielleicht schon entwickelt hat, danach nicht mehr „aufholen“ können. Studien haben gezeigt, dass der ein deutlicher Knochenschwund nur begrenzt umkehrbar ist, selbst wenn sich die Menstruation normalisiert oder Sie mit Kalzium oder Östrogen behandelt werden. Und klar ist auch, welche Bausteine für einen gesunden Knochenaufbau nötig sind: Es kommt auf die richtige Balance zwischen ausgewogener und ausreichender Ernährung, Gewicht, Bewegung, Kalzium, Vitamin D und Östrogen an.

Weitere Informationen

Literatur

  1. Roth D, Meyer Egli C, Kriemler S, et al. Female Athlete Triad - Diagnose, Therapie und Prävention von gestörtem Essverhalten, Amenorrhoe und Ostoporose. Stellungnahme der Schweizerischen Gesellschaft für Sportmedizin. Schweizerische Zeitschrift für «Sportmedizin und Sporttraumatologie» 2000; 48 (3): 119–132. www.sgsm.ch
  2. Gottschlich LM. Female Athlete Triad. Medscape, last updated Dec 17, 2014. emedicine.medscape.com

Autoren

  • Susanne Meinrenken, Dr. med., Bremen